Wir müssen reden

Am Rande des Gruppensprechertages der Selbsthilfekontaktstelle Merseburg am 9. Juni 2016 habe ich mich mit Gruppensprechern über ihre Arbeit und Motivation unterhalten um zu verstehen, was diese Arbeit ausmacht.

Hier ein paar Antworten auf meine Fragen:

Warum sind Sie eigentlich in einer Selbsthilfegruppe?
Frau M (SHG Alkoholkranke) findet besonders die sozialen Kontakte wichtig und den Erfahrungsaustausch mit Betroffenen. Für sie ist die Selbsthilfegruppe eine wichtige Stütze um auch in kritischen Situationen durchzuhalten.

Das Durchschnittsalter in den Gruppen ist gefühlt Ü 50 – ist Selbsthilfe nur etwas für „Alte“?
Herr C (SHG Rheuma) sagt eindeutig Nein. Dieser Austausch ist auch für junge Leute eine wichtige Hilfe. Aber in unserer Region scheinen die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit oder auch die Argumente „kein Interesse“, „keine Zeit“ immer noch vorrangig zu sein. Berlin oder andere Regionen zeigen, dass „Junge Selbsthilfe“ aber durchaus ein Weg im Umgang mit der Krankheit ist.

Jüngere nutzen doch eher das Internet für ihre Probleme – Sind Gruppentreffen noch zeitgemäß?
Herr W (SHG Bechterew) findet die Aufklärung im Internet oft zu allgemein und zu abstrakt. Ein Krankheitsbild ist immer individuell und vor Ort von und mit Betroffenen können speziellere Hinweise ausgetauscht werden und natürlich auch regionale Hilfeleistungen. Außerdem ist die Kernaufgabe die Menschen aus der Isolation herauszuholen.

Ist nicht der erste Ansprechpartner die Familie?
Frau G (SHG Frauen nach Krebs) erklärt mir, dass natürlich ein stabiles Familien- oder Freundesumfeld hilft, aber nicht immer reicht das. Sie sind eine Stütze, die Informationen und Hilfestellungen sind aber sehr emotional. Nichtbetroffene können sich oft auch nicht in die Situation hineinversetzen. Hier hilft die Gruppe weiter.

Wie hat Ihnen die Gruppe geholfen?
Frau L (SHG Psych. Kranke) findet am Wichtigsten, dass sie über ihre Probleme reden kann, dass in der Gruppe das Krankheitsbild erklärt wird und sie das Gefühl hat nicht allein dazustehen

Fazit der Teilnehmer zum Sinn der Selbsthilfe:

Wenn ich aus den Veranstaltungen rausgehe, ist mein Selbstwertgefühl gestärkt. Ich fühle mich verstanden, der Erfahrungsaustausch, das Aufzeigen von Hilfemöglichkeiten, die Tipps für den Alltag helfen mir beim Umgang mit der Krankheit.

Wenn Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe suchen oder eine gründen wollen, wenden Sie sich an die Selbsthilfekontaktstelle Merseburg in der Sixtistraße 16a, Telefon: 03461 341872.
1
Einem Mitglied gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.