"Die Wellradwaschmaschine" - Einblicke in die Waschküche damals

Merseburg (Saale): Luftfahrt- und Technik Museumspark | Die Entwicklung der historischen Bottich-Waschmaschine, wie sie in Querfurt
von einem Pastor und Erfinder erstmals gebaut wurde, bestimmte jahrelang den
Vorgang der "großen Wäsche" unserer Ahnen. Noch in den 50-er und 60-er
Jahren produzierte man Waschmaschinen der Marken "Turmperle" aus hölzernen
Bottichen. Anfangs wurde dort ein hölzener Rührer von Hand gedreht - später
übernahm diese Arbeit ein Elektromotor, der oszillierend einen Rührer
(welches schon ein Vorläufer des Wellrades war) in Bewegung versetzte. Die
damalige Wäsche wurde mit Bleichmittel und Netzmittel im Waschkessel bei ca.
90 Grad gekocht und minutenlang in einer solchen Maschine in der sogenannten
Waschküche bewegt. Diese Tätigkeit war sehr anstrengend und oft halfen
deshalb "Waschfrauen" einander gegenseitig bei der Wäsche.

Durch den technischen Fortschritt bedingt, entwickelten Ingenieure im
damaligen VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg diese Maschinen nicht nur
weiter, sondern verbesserten auch das Material. Zuerst wurde der Bottich
durch einen verzinkten Kessel, später durch einen Edelstahl-Kessel mit
eigener Heizung ersetzt. Die ersten modernen Modelle bekamen die Bezeichnung
WM 60, als der Rührer durch ein flacheres und gewebeschonenderes Rad - das
Wellrad ersetzt wurde.

Die legendäre WM 66 war schon eine fortschrittliche Waschmaschine, die ab
1966 gebaut und verkauft wurde. Aufgrund der einfachen technischen
Konstruktion war sie vergleichsweise preiswert und gekennzeichnet durch
leichte Bedienbarkeit, eine kompakte Bauform, sehr geringe Stör- und
Fehleranfälligkeit sowie eine lange Lebensdauer. Dies trug dazu bei, dass
sie sowohl für den DDR-Markt als auch für den Export millionenfach
produziert wurde. Die weite Verbreitung der WM 66 machte sie zu einem der
bekanntesten Elektrohaushaltsgeräte in der DDR und zum Symbol für den
Anstieg des Lebensstandards, der ab dem Ende der 1960er und dem Beginn der
1970er Jahre die soziale Entwicklung in der DDR kennzeichnete. Hersteller
war der VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg – Betrieb des Kombinates
Haushaltsgeräte.

Die WM 66 war ein Toplader. Die Umwälzung der Wäsche in einem 30 Liter
Wasser fassenden Metallbottich erfolgte über ein das Wellenrad im
Boden der Maschine. Das Gerät hatte keinen Wasseranschluss, das Wasser wurde
stattdessen, beispielsweise mit Hilfe eines Eimers oder eines Schlauchs,
manuell in den Bottich gefüllt. Dadurch war der Betrieb auch in Bereichen
möglich, in denen kein Druckwasseranschluss bestand, beispielsweise in
Gartenanlagen, im Campingtourismus oder in älteren Wohnhäusern im ländlichen
Bereich. Zur Bedienung war das Gerät mit zwei Drehschaltern ausgestattet,
mit denen die jeweilige Funktion (Heizen, Waschen und Heizen, Waschen sowie
beim Modell mit Pumpe Leeren) sowie die Laufzeit des Wellrades manuell
einzustellen waren. Die Wassertemperatur wurde am Thermometer angezeigt,
jedoch nicht durch das Gerät geregelt. Stattdessen musste der Benutzer die
Beheizung abschalten, sobald die gewünschte Temperatur erreicht war. Die
einfachere Modellversion wurde nicht durch eine Pumpe geleert, sondern durch
einfaches Tiefhängen des Ablaufschlauches. Das Spülen der Wäsche erfolgte in
einem gesonderten Arbeitsgang, beispielsweise in der Badewanne, das
Entwässern in einer separaten Wäscheschleuder. Passend zum Gerät wurde die
„Haushalt-Kleinschleuder TS 66“ angeboten, die sich bei Nichtgebrauch
platzsparend im Bottich der WM 66 aufbewahren ließ.
Das Gerät wog rund 23 Kilogramm und war etwa 60 Zentimeter hoch, etwa 45
Zentimeter breit und etwa 50 Zentimeter tief. In einem Waschgang konnten
rund 1,5 Kilogramm Wäsche gewaschen werden, die Waschzeit betrug
durchschnittlich fünf bis sechs Minuten. Obwohl in der DDR später auch
moderne halb- und vollautomatische Waschmaschinen auf den Markt kamen und
die WM 66 zunehmend als technisch veraltet galt, blieb sie aufgrund der
genannten Vorteile weiterhin populär. Insbesondere ihre Langlebigkeit trug
dazu bei, dass viele Exemplare jahrzehntelang verwendet wurden. Eine leicht
modernisierte Version der WM 66, bei der neben einer Überarbeitung des
Designs auch das im Originalmodell zur Temperaturkontrolle vorhandene
Thermometer durch einen Thermostaten ersetzt wurde, wurde unter der
Bezeichnung WM 600 von einer Nachfolgefirma in Schwarzenberg noch bis ins
Jahr 2000 in geringen Stückzahlen weiter produziert.

Im Export gefragt in Rußland, Rumänien und anderen Ländern ließ sich
diese Maschine aber leider nicht mehr gewinnbringend herstellen.


Da ein Beheizen des Wassers auch ohne Waschbetrieb bis auf 100
Grad Celsius möglich war, wurde die WM 66 oft auch für andere Zwecke
genutzt, etwa zum „Auskochen“ von Wäsche, Hygieneartikeln und anderen
Gegenständen zwecks Beseitigung von Krankheitserregern oder Allergenen, zum
Wäschefärben oder beispielsweise zur Konservierung von Lebensmitteln durch
Einkochen. Ebenso wurde die WM 66 bei entsprechenden Gelegenheiten wie
Betriebsfeiern oder Gemeindefesten als Wasserbad zum Erhitzen einer größeren
Zahl von Bockwürsten und ähnlichen Speisen eingesetzt. Auch zum Maischen und
Würzekochen beim Bierbrauen im Heimbereich ist sie gelegentlich noch heute
in Gebrauch.

Als Nachfolger gibt es bis heute noch die "ROMO" - welche in der
Tschechischen Republik bis heute als Lizenzfertigung - mit und ohne
Laugenpumpe
gefertigt wird. Auf vielen Berghütten ohne Trinkwasserdruckleitung ist sie
in den
Gebirgen sehr gefragt.


Vielleicht statten Sie auch einmal den anderen Museumsstücken einen Besuch
ab und planen mindestens 2 Stunden Besuchszeit ein?

Im Winter kann es sicherheitstechnisch bedingt zum kurzfristigen Schließen der Ausstellung kommen, daher ist ein vorheriger Anruf sinnvoll!

Erreichbar ist der Luftfahrt- und Technik Museumspark Merseburg über die
Hans-Grade-Str./Ecke Kastanienpromenade in 06217 Merseburg von der B91(am
gelben Hubschrauber Aérospatiale SA-318 abbiegen)
bzw. über die A38 Abfahrt Merseburg-Nord aus.


Text & Fotos
Förderverein Luftfahrt- und Technik Museumspark Merseburg e.V.
Kastanienpromenade 50 /
Hans-Grade-Str.
06217 Merseburg

Tel. 03461 525776
Fax 03461 525778

www.luftfahrt-technik-museum.de
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3 Kommentare
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Rolf Hennig aus Gräfenhainichen | 01.12.2013 | 17:34   Melden
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Gottlob Philipps aus Halle (Saale) | 01.12.2013 | 21:43   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 06.12.2013 | 13:48   Melden
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