Anhalt-Plötzkau, das kleinste Fürstentum des Deutschen Reiches

Der Bergfried
  Plötzkau: Schloss | Weithin sichtbar thront das Renaissanceschloss von Plötzkau auf einem Felsvorsprung nördlich von Alsleben am westlichen Ufer der Saale.

Bereits im 11. Jahrhundert stand hier die Burg der Grafen von Plötzkau, die aber während der Auseinandersetzungen zwischen Askaniern und Welfen um die Herrschaft in Sachsen 1139 vom Welfen Heinrich dem Stolzen zerstört wurde. Der Askanier Albrecht der Bär übernahm nur wenige Jahre später die Plötzkauer Besitzungen als Reichslehen.

Seit 1435 im Besitz der Linie Anhalt-Bernburg, baute Fürst Bernhard von 1566 bis 1573 die Burg zu einem Schloss im Stil der Renaissance um. Es entstanden über 70 Gemächer, Säle und Stuben, darunter auch ein stark gesichertes "heimliches Gemach". Aus dieser Zeit stammt auch ein Sandsteinkamin, der noch heute den ehemaligen Fürstensaal ziert. Sein prunkvoller Kaminaufsatz wird dem Torgauer Bildhauer Georg Schröter zugeschrieben. Eine lateinische Inschrift besagt, dass das Bauwerk am 9. November 1567 vollendet wurde.

1611 verkaufte Fürst Christian I. von Anhalt-Bernburg das Amt Plötzkau für 100.000 Taler an seinen Bruder August. Dieser zog 1611 in den Ort und errichtete dort das souveräne reichsunmittelbare Fürstentum Anhalt-Plötzkau. Plötzkau wurde damit zur Residenz des Fürsten August und konnte sich mit Glorie fürstlicher Hofhaltung umgeben. Ganze Scharen von Bediensteten füllten nun den Ort.

Mit Lehensreitern und 20 Kriegsknechten erhält 1623 das Fürstentum eine eigene Armee. Das Ländchen umfasste eine Fläche von lediglich 40 Quadratkilometer und hatte ungefähr 2.000 Bewohner.
Es war damit nicht nur das kleinste Fürstentum in Anhalt, es war sogar das kleinste Fürstentum im deutschen Reich.
Die Linie Anhalt-Köthen stirbt 1665 aus und die Herrschaft Köthen fällt laut Erbvertrag an den Fürsten von Plötzkau. Dadurch erlosch das Fürstentum Anhalt-Plötzkau nach nur 54 Jahren seines Entstehens.

Im 18. Jh. wird Plötzkau als Residenz schließlich aufgegeben, ab 1741 wird im Schloss eine Lackwarenfabrik betrieben und von 1841 bis 1874 diente es als "Straf- und Besserungsanstalt".
Zu den Insassen gehörten "Landstreicher, Trunkenbolde und ähnliches arbeitsscheues Gesindel" sowie entlassene Zuchthäusler, die - wie es hieß - "durch Einsperrung und ständige Beschäftigung zu Tatkraft und ordentlicher Lebensweise" angehalten werden sollten. Heute nennt man das wohl Sicherungsverwahrung.

Derzeit nutzt der Schlossverein Plötzkau e.V. einen Teil der Schlossanlage, um Kinder und Jugendliche mit ihrer Heimatgeschichte vertraut zu machen. Das Schlosscafé "Sassenbloume" lädt zum Verweilen ein und bietet viele Veranstaltungen an.

Literarisch wurde Plötzkau und seinem Schloss durch Ernst Finster (geb. 1915 in Plötzkau) mit seiner Erzählung "Die Geschichte vom Heiner und der Bohnensuppe" ein Denkmal gesetzt.

Quellen:
"An der Saale hellem Strande...", Sagen und Geschichten des Bernburger Saalelandes, Fremdenverkehrsverband Bernburg und Anhalt e.V., Bernburg 1993
http://www.dome-schloesser.de/ploetzkau.html
http://www.schloss-ploetzkau.de/
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5 Kommentare
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 05.12.2012 | 16:49   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 05.12.2012 | 17:39   Melden
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Roland Horn aus Dessau-Roßlau | 05.12.2012 | 21:07   Melden
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Gerd Born aus Dessau-Roßlau | 08.12.2012 | 18:15   Melden
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Waltraud Probst aus Hettstedt | 24.01.2013 | 16:51   Melden
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