Blickpunkt Gernrode

Blick von der Alteburg
 
Blick vom Rathausturm
Die Harzer Kleinstadt Gernrode liegt mir am Herzen, denn sie ist seit fast 50 Jahren meine Heimatstadt. Sie liegt am Nordrand des Ostharzes, eingebettet von den Ausläufern des Rambergmassivs und abgeschirmt von der weiten Vorharzebene durch den Bückeberg und den Kahlenberg. Das beschert dem Ort ein mildes Klima und vereint die Vorteile der bergigen Landschaft mit der der flachen Ebene.
Der Hoch- und Oberharz war bis ins 10.Jahrhundert schwer zugängliches Waldgebiet. Es war deshalb noch weitgehend unbesiedelt. Die Randgebiete des Harzes und der Unterharz dagegen wurden bereits in vor und frühgeschichtlicher Zeit durch vorwiegend bäuerliche Siedler erschlossen.
Es war dieser damals noch dicht bewaldete Talkessel des nördlichen Unterharzes auf den die Wahl fiel, Standort Gernrodes zu werden. Dieses Gebiet, in dem die Orte Gernrode und Bad Suderode liegen, ist eine Buntsandsteinmulde, die damals sumpfig war und erst zum Zwecke der Besiedelung im Laufe der Jahrhunderte Stück für Stück trocken gelegt wurde. Für die Wahl dieses Standortes war der geschichtliche Hintergrund der wohl Entscheidende.
Der Harz wurde im 10. Jahrhundert zum Hausgut der sächsischen Herzöge, die ab 919 die deutschen Könige stellten. Heinrich war der mächtigste der Stammesherzöge und sicherte sich folgerichtig die Zentralgewalt, er wurde König des Ostfränkischen Reiches. Im Harz vollzogen sich Ereignisse, die man später als weltgeschichtlich bedeutsam einschätzte.
Das 10.Jahrhundert war das Jahrhundert der Ottonen. Heinrich hatte sein Reich vor den Ungarn und den Slawen zu schützen. Für die Grenzbefestigung hatte er einen Burgenplan entwickelt. Er wollte seine Befestigungsanlagen an ehemaligen germanischen Kult -und Versammlungsstätten erbauen lassen. Durch den Bau und Ausbau zahlreicher Burgen gelang es ihm, den Harzraum zu sichern. Sein Sohn und Nachfolger, Otto l., setzte diese Politik erfolgreich fort. In Gero, der aus dem Geschlecht der Grafen von Merseburg stammte, fand er einen mächtigen Verbündeten. Ihm übertrug er die Aufgabe, die Grenzen der Ostmark zu schützen. Dazu könnte der Aufbau eines befestigten Platzes im Bereich Gernrode gehört haben. Sollte am Fuße des Ramberges, an der Stelle einer germanischen Malstätte, in der Nähe Heinrichs I, die Burg der Geronen eingefügt werden?
Von der ausgewählten Insel im Sumpfgebiet des Buntsandsteinbeckens konnte man sich vorstellen, dass sie Kult -und Versammlungsstätte germanischer Volksstämme gewesen war. Sie entsprach damit Heinrichs Anforderungen an den Standort einer Befestigungsanlage. Gero erbaute dort die Burg Geronisroth. Sie lag auf einem Hügel, dem jetzigen Stiftshügel, der südlich durch den teichartig angestauten Bach aus dem Hagental begrenzt wurde. Die Bauten waren in Hufeisenform angeordnet, es war keine palastartige Ritterburg mit hohem Turm und Zinnen und steinernen Mauern, vielmehr spricht viel dafür, dass es zweigeschossige Holzhäuser waren, die durch Palisaden und das nördlich liegende Sumpfgebiet geschützt wurden.
In harten Kämpfen hatte Gero den Slawen den einstigen Boden germanischer Volksstämme wieder abgerungen.
Markgraf Gero vereinte Tatkraft mit Rücksichtslosigkeit und Brutalität und er glaubte an eine harte, expansive Politik. Als er jedoch beide Söhne, die keine Nachkommen hinterließen, verloren hatte, könnte er sich reuevoll, "kirchliche Buße" tuend, entschlossen haben, im Schatten der Burg Geronisroth seiner verwitweten Schwiegertochter Hathui eine gesicherte Zukunft zu schaffen und sich selbst eine Stätte des Seelenheils zu bauen, denn das Massaker an den slawischen Stammesfürsten beschäftigte ihn im zunehmenden Alter sehr. So könnte die Gründung des Kanonissenklosters für adlige Damen im Jahre 960 und der Bau der
Stiftskirche im Schutze der Burg vorstellbar sein.
Geros Gründungen stehen nicht nur dafür, Orte für die Entstehung Gernrodes zu sein, das alte „Geronisroth“ ist auch Denkmal des Ruhms des Recken Gero, der einst sieghaft den Gedanken der Sachsenkaiser als treuer Vasall Ottos I und II unter der gekrönten Fahne gen Osten trug. Gero war einer der fähigsten Männer der Ottonenzeit. Seine Klugheit und seine militärischen und diplomatischen Fähigkeiten waren für Otto I unverzichtbar, beide verband eine echte Freundschaft, die schon in ihrer Jugendzeit begann.
Durch die Nähe und die Gunst zu den Ottonen hatte Gernrode eine glänzendere und rühmliche Vergangenheit als die weitaus meisten Orte von seiner Größenordnung.
Das trifft nicht nur auf Gernrodes Vergangenheit zu. Gernrode punktet vor allem durch seine landschaftlichen Vorzüge und seine reichen touristischen Erfahrungen. Mit dem Blick auf die Stadt von Gernrodes Aussichtspunkten können sie sich von den Vorzügen Gernrodes selbst ein Bild machen.
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Wolfgang Miers aus Thale | 28.05.2015 | 14:54   Melden
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