Der Grauwackeabbau im Steinbruch Rieder/ Ballenstedt polarisiert im Harzkreis

Teilansicht des aktuellen Steibruchs
 
Steinbruchbetrieb
Erneut wird der Grauwackeabbau im Steinbruch bei Rieder /Ballenstedt, der von der Mitteldeutschen Baustoff GmbH betrieben wird, zum Zankapfel im Ostharz. Das kann nicht verwundern, treffen doch zwei für die Region enorm wichtige Interessenkonflikte aufeinander.
Ursache ist die Erweiterung des bestehenden Steinbruchs um eine 66ha große Waldfläche, die in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, das von europäischer Bedeutung ist. Nötig wurde das Ganze, weil die Kapazität des bestehenden Abbaugebiets in absehbarer Zeit erschöpft sein wird.
Im Regionalen Entwicklungsplan Harz wird diese Hartgesteinslagerstätte als Vorranggebiet zur Rohstoffgewinnung eingestuft, hat doch die Grauwacke sehr gute Eigenschaften, um z.B. im Straßenbau verwendet zu werden.
Damit ist die Bedeutung der Grauwacke hinreichend beschrieben und niemand der streitenden Parteien wird die daraus resultierende Verbesserung der Infrastrukturen für die Gebiete gering schätzen, in der dieser Rohstoff verwendet wird. Darüber hinaus ist dieses Gestein ein für das Land Sachsen Anhalt wichtiger Rohstoff, der exportfähig ist.
Welchen Preis bezahlt aber die Abbauregion für diesen Tatbestand? Unstrittig ist die nachhaltige Schädigung von Natur und Landschaft in dieser Region, die auch nachteilige Wirkungen auf Tourismus und Erholung zur Folge hat.
Der Paragraph 23 des Bundesnaturschutzgesetzes verfügt:
„Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen erforderlich ist.
Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebiets oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen können, sind nach Maßgabe näherer Bestimmungen verboten.“
Beeinträchtigt wird auch die Lebensqualität in der betroffenen Region, denn Staub, Lärm und die Absenkung des Grundwasserspiegels beeinträchtigen gravierend, zumal Ballenstedt ein staatlich anerkannter Erholungsort ist und die ansässige Lungenklinik einen überregionalen Anteil an der Gesundung ihrer Patienten erbringt. Sie ist nicht einmal einen Kilometer vom zu erschließenden Abbaugebiet entfernt und wäre nachhaltig betroffen.
Belastend ist auch der Schwerlastverkehr, der insbesondere die anliegenden Orte schädigt, auf denen die geförderte Grauwacke abtransportiert wird. Die permanente Belastung mit den 40 Tonnen –LKW sind keiner Straße besonders zuträglich.
Im Steinbruch arbeiten schon seit Jahrzehnten besonders in Rieder ansässige Arbeiter, wer möchte ihnen mit ruhigem Gewissen die Arbeitsplätze gefährden?
Den ökonomischen Vorteil der anliegenden Gemeinden vermag ich nicht einzuschätzen, der liegt wohl doch eindeutig bei den Betreibern des Steinbruchs.
Rieders ehemaliger Bürgermeister Jürgen Rössling zitiert ein mögliches Zusammengehen von Steinbruch und Gemeinde am Beispiel von Flechtingen in der Börde. (siehe MZ vom 7/8.Januar)
Natürlich sind solche Vergleiche problematisch, was in Flechtingen funktioniert, muss nicht auf unseren Fall zutreffen. Es ist jedoch ein Beispiel für die Möglichkeit einer solchen Symbiose.
Voraussetzungen dafür sind tragfähige Kompromisse, mit der beide Interessen leben könnten. Das ist in unserem Fall sehr komplex und über die Maße kompliziert. Deshalb sollten sich möglichst viele Betroffene dazu äußern damit die Entscheidung auf einer breiten Basis gefällt wird.
Findet man solche Kompromisse nicht, sollte die Entscheidung gegen die Erschließung der geplanten Abbauerweiterung erfolgen, das ist meine persönliche Überzeugung, die ich als Naturfreund und zu deren Schutz eindeutig bevorzugen würde.
Wir Menschen können die Natur schädigen oder schützen, hier sollte das Schützen den Vorrang bekommen.
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