Gernrode - eine Mühlenstadt im Ostharz

Ansicht der Bückemühle am Mühlenteich
 
Die Bückemühle
Viele, die das kleine Harzstädtchen Gernrode kennen, wird diese Überschrift überraschen. Aber die Anzahl von Mühlen in einer so kleinen Stadt berechtigt zu dieser Bezeichnung.

Natürlich waren diese Mühlen nicht alle zu einer Zeit tätig. In Gernrode hatten fast alle Haushalte eine Kleintierlandwirtschaft, die sie über Ihre Hauskabeln bewirt-schafteten. Von den Kleinmengen an Erträgen dieser Hauskabeln konnten die Mühlen kontinuierlich arbeiten. Die Kunst des Mühlenbaues brachten die ersten christlichen Missionare bereits im siebenten Jahrhundert mit in den Harz. Die alten Germanen zerkleinerten ihr Getreide noch mühsam quetschend, nämlich zwischen einer Steinplatte und einem Stein-quetscher.
Dem steigenden Nahrungsbedarf war das manuelle Mahlen des Getreides nicht mehr gewachsen, der Bedarf konnte auf diese Weise nicht mehr gedeckt werden.

Folglich bemühte man sich um Alternativen und man fand in der Wasserkraft und in der Energie des Windes vielversprechende Ansätze. Diese Erkenntnisse bestimmten die Standplätze der Mühlen. Eine der Voraussetzun-gen war die Wassernähe, möglichst an Fließgewässern, und die andere, Lagen mit häufiger Windbewegung.

Eine weitere betriebsbedingte Besonderheit ergab sich beim Betreiben der Mühlen, da beim Mahlgang große Hitze entstand, war die Brandgefahr in Mühlen enorm hoch, deshalb wurden die Mühlen außerhalb der Ortschaften gebaut. Auf diese Weise wurden die Folgen möglicher Brände minimiert. Der Müllerberuf war kein sehr angesehener, er ergab sich wohl aus seiner Sonderstellung.

Die Müller waren die Einzigen, die das Korn verarbeiten konnten und sie hatten Anspruch auf einen Anteil am Mahlgut, der als Lohn galt. Bei der Bemessung dieses Anteils kam es wohl häufig zu Streitigkeiten. Gernrode hatte für den Mühlenbetrieb günstige Voraussetzungen. Das erklärte wohl auch die Anzahl von Mühlen in und um das Stadtgebiet. Elf Wassermühlen, dazu noch zwei Windmühlen, für einen kleinen Ort wie Gernrode ist das wahrlich eine bemerkenswerte Anzahl.

Die meisten Mühlen waren Wassermühlen. Wir finden sie konzentriert an den Bächen, als dem Wellbach, dem Hagentalbach und dem Kalten Talbach.
Das Betreiben einer Wassermühle erforderte eine kontinuierliche und gleichmäßige Wasserzufuhr. Das erreichte man durch Anlegen von Mühlenteichen als Wasser-reservoir oder wenn das nicht möglich war, staute man die Fließgewässer durch Wehre und Dämme an. Allein vier Mühlen haben sich am Fuße des Bückebergs angesiedelt. Eine davon war die Bückemühle I. Ursprünglich war sie wohl eine Schrot- und Malzmühle, wie eine undatierte alte Skizze, die im Oranienbaumer Archiv lagert, vermuten lässt. 1700 wird sie durch Siegfried Richter und Ernst Wolf gebaut, dafür sprechen Schmuckelemente mit den Initialen der Bauherren am Balkenwerk des Gebäudes.

Diese im Fachwerkstil erbaute Wassermühle wurde mit dem Wasser des Kalten-talbaches betrieben. Unter dem letzten Müller, Wilhelm Walckhoff, war sie bis 1930 in Betrieb. Familie Sander baute 1938 unter der Option, die Rustikalität der Mühle zu erhalten, die Müllerstube zu einem beliebten und authentischen Lokal um. Die Mühle wurde zu einem bekannten Spezialitätenrestaurant und einem beliebten und gern besuchten Ausflugsziel.

1960 wird sie durch staatliche Sanktionen der DDR eine HO Gaststätte. 1997 wird der Thalenser Rüdiger Karger Chef in der Bückemühle. Unter seiner Leitung wurde das Restaurant eine Fischspezialitäten- und Pensionsgaststätte mit sehr gutem Zuspruch. Damit ist die Bückemühle eine der wenigen erhaltenen Mühlen Gernrodes, die zwar als Mühle ihre Funktionalität auch verloren hat, aber nun auf Grund ihrer historischen Vergangenheit eine gastronomische Zukunft hat.
Eine Einkehr ist bei diesem geschichtsträchtigen Ambiente und den ausgewogenen und schmackhaften Speisen allen Besuchern Gernrodes sehr zu empfehlen und wird fast immer zu einem Erfolg.

Der Biergarten liegt unmittelbar am ehemalige Mühlenteich, der einen artenreichen Süßwasserfischbestand hat und von allerhand Wassergeflügel belebt wird. Diese erholsame Natur können sie insbesondere in der warmen Jahreszeit genießen.
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2 Kommentare
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Christa Mecke aus Thale | 10.07.2017 | 19:30   Melden
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Christa Mecke aus Thale | 11.07.2017 | 08:10   Melden
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