Gernrode entdecken (Teil 2)

            Der Landwirtschaft Gernrodes stehen 3.137 ha Nutzfläche zur Verfügung. Das sind beinahe 4.400 Fußballfelder.

Davon sind 2.716 ha Wald, 355 ha Acker und 65 ha sonstige Kulturen. Das Gelände am Ostrand des Harzes, bedingt durch Berge, Täler und Bachläufe, ließ nur kleine und zum Teil winzige Ackerflächen mit einer geringen Bodenfruchtbarkeit zu. Größere Höfe waren die von Klamroths, Könnemann und Henneberg. (Quelle: Stadtarchiv Gernrode)

Sie hatten ihre Höfe zu Beginn des 20. Jahrhunderts an Klein- und Mittelbauern verpachtet. Durch Holzabfuhren oder andere Lohnfuhren musste das Betriebsergebnis aufgebessert werden.
In den sechziger Jahren wurde der Obstanbau forciert, denn Gernrode verfügte im Obstbau über eine lange Tradition. Eine Reihe neuer Plantagen wurde angelegt. Vor allem mit Kirschen und Äpfeln wurden gute Erträge erzielt.

Die Waldflächen wurden vom staatlichen Forstbetrieb bewirtschaftet. Es gab die Förstereien Haferfeld, Sternhaus, Gernrode und Wegners Kopf. Der Wald und sein Produkt Holz prägte die einheimische Wirtschaft. Viele Gernroder verdienten in der Forstwirtschaft ihren Lebensunterhalt. Die Arbeit im Forst war schwer und körperlich anstrengend. Der Einsatz technischer Hilfen war aus unterschiedlichen Gründen noch sehr spärlich. Moderne Technik kostete Devisen und mit denen musste man sehr sparsam umgehen. Die Baumfällung geschah noch mit Schrotsäge, Axt und Keilen. Erst allmählich drangen mobile Motorsägen auf den Markt, auch die waren noch sehr unhandlich und mussten zu zweit benutzt werden. Mit Rückepferden wurde das gefällte Holz aus dem unwegsamen Gelände an die Transportwege gebracht, wo es auf Langholzwagen verladen abtransportiert wurde. Auch hier kamen lange Zeit noch Pferde zum Einsatz. In den zum staatlichen Forstbetrieb gehörenden Sägewerken, in Gernrode war das Machemehl, wurde das Holz zu Bohlen, Brettern und Kanthölzern aufgearbeitet. Auch viele Kleininteressenten nutzten den Wald zur Versorgung ihrer Bedürfnisse mit dem so wertvollen Rohstoff Holz. Leseholz wurde vorwiegend als Brennholz genutzt. Das Stangenholz fand vielseitige Verwendung zum Beispiel als Rankhilfen im Obst- und Gartenbau, für Einfriedungen als Zäune. Trotz vieler Engpässe hatten die DDR Forstwirtschaftsbetriebe den Harzwald im Griff. Hege und Pflege der Wälder waren Voraussetzung für wichtige Holzexporte.

Gernrode war nie eine Stadt mit hohem Industrieanteil. Nur wenige kleine mittelständische Unternehmen hat es gegeben, manche waren in der DDR in große Kombinatsbetriebe eingegliedert wurden. Eine längere Lebensdauer ist keinem beschieden gewesen. Trotzdem waren einige Betriebe für Gernrode äußerst bedeutsam. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts waren das die Zündholzfabrikanten, die Gernrode bekannt machten. Ihr Spiritus Rektor war Doktor Friedrich Moldenhauer, einer der Erfinder des hosphorzünders für die Zündhölzer. Fortgesetzt wurde das durch die Polsterwaren- und Möbelindustrie. Gernroder Falttüren waren begehrte Produkte. Auch die Uhrenproduktion eroberte sich einen überregionalen Markt.
Die Baumschule Teickner stattete so manchen Kleingarten mit den bewährten Obst- und Ziergehölzen aus.

Das Gewerbe mit der ältesten Tradition war das Gernroder Brauwesen. Noch ehe das alte „Bürgerliche Brauhaus“ sein Leben ausgehaucht hatte, stellte man - gleichsam als Ersatz für das Bier - das Gernroder Birkenwasser her, ein erfrischendes Getränk von Birkensaft, Wein, Selterswasser und Zitrone, das immerhin eine Zeitlang, auch wenn es keine Berühmtheit erlangte, so doch auch Fremden nicht ganz unbekannt war.
In der Tat hat es in Gernrode ein nicht unbedeutendes Brauereiwesen gegeben. Schon im 15. Jahrhundert wird in Gernrode ein geordnetes Brauwesen erkennbar. Ein erstes Braubuch mit Brauberechtigungen stammt aus dem Jahre 1448. Auf Betreiben der Äbtissin soll eine der ältesten Braustätten im Lande entstanden sein. Braugerechtigkeit gehörte im Mittelalter zu den Vorrechten der Grund - oder Landesherrschaft. Das Braurecht war an ein Grundstück oder ein Haus, den Bierhof, gekoppelt.Das Brauwesen in Gernrode war organisiert. Während in Quedlinburg die „Braugerechtigkeit“ einzelnen Häusern vorbehalten war, in denen dann gebraut wurde, besaßen die Gernroder Bürger eine gemeinsame Braustätte, das „Bürgerliche Brauhaus“. Es befand sich ausgangs des Hagentals am Spittelplatz. Seit dem 16.Jahrhundert, genau seit 1545 befindet sich Gernrodes Braustätte an diesem Ort. Hier waren die Bedingungen günstig, der nahe Spittelteich lieferte im Winter Eis zur Kühlung, er diente den Pferden zur Tränke und zur Reinigung der Fässer. Drei Tiefbrunnen lieferten das Wasser für die Bierproduktion und mehrere gewölbetiefe Keller erlaubten die Lagerung der gekühlten Fässer. Das „Bürgerliche Brauhaus“ hat als Eigentum der Stadt noch bis 1876 überlebt, dann verkaufte die Stadt in Privatbesitz
Die Gernroder Quellwasserfabrik von Fellecke stellte dagegen ein wesentlich bescheideneres Getränk her. Von der Gernroder Schokoladenfabrik zeugen nur noch der Schornstein und das Gebäude im Garten der Cyriakus Apotheke. Vom „Eau de Gernrod“ ist kaum mehr als der anspruchsvolle Name in der Erinnerung geblieben.

Bemerkenswert entwickelte sich das Schulwesen im kleinen Harzstädtchen Gernrode. Die Stiftsschule des von Gero gegründeten Damenstifts widmete sich zwar der Bildung der Töchter des deutschen Hochadels.
Erst mit der Umsetzung der Reformen Luthers im 16.Jahrhundert erhielt Gernrode eine der ersten protestantischen Schulen Deutschlands, in der Kinder aller sozialen Schichten eine Schulbildung erhielten.
Und es war zu Beginn des 19.Jahrhunderts, als die Stadt die Basis dafür schuf, Jungmädchenstadt zu werden, weil man mit den entstehenden Mädchenpensionaten eine Ausbildungslücke bediente, in der betuchten Töchtern eine Schulbildung vermittelt wurde, die ihnen den Übergang ins Berufs- beziehungsweise Familienleben erleichtern sollte, denn in dieser Zeit war für Mädchen der Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen nahezu unmöglich. Nicht von ungefähr konzentrierten sich diese Töchterpensionate in den Villen am Schwedderberg und im Hagental. Die Ausbildung, die einer heutigen mittleren Reife entsprach und unter anderem hauswirtschaftliche Ausbildungsschwerpunkte vermittelte, war kostenpflichtig und auf einem Niveau, dass sich nur finanzkräftige Familien leisten konnten. Initiatorin dieser Idee, jungen Mädchen nach ihrem Schulabschluss eine Weiterbildungschance zu geben, war Caroline Moldenhauer, sie war die Schwester des Streichholzexperten Friedrich Moldenhauer. Bereits 1830 wurden in der damaligen Friedrichstraße, der heutigen Steinbachstraße, mit den Häusern „Daheim und „Edelweiß“ die ersten staatlich anerkannten Töchterpensionate eröffnet. Die Idee war überaus erfolgreich und schon sehr bald eröffneten weitere 11 Pensionate, in der lernwillige Mädchen im Alter zwischen 16- und 20 Jahren ausgebildet wurden. Die renommierteste Einrichtung wurde die Dreyscharffsche Lehranstalt.

Das Bildungswesen in Gernrode kann auf eine tausendjährige Tradition zurückblicken. Ein organisiertes Lernen war schon im Damenstift Geros eine existentielle Grundlage, auch wenn sie nur privilegierten Schülern vorbehalten war. Von einem beide Geschlechter und alle Bevölkerungsschichten umfassenden Unterricht kann man trotz der Klosterschule aber erst nach der Reformation sprechen. Diese erst brachte für die Schule die entscheidenden Impulse und führte im Schulwesen zu längst überfälligen Veränderungen. "Mit dem erwachten reformatorischen Leben in der Kirche greift auch urplötzlich eine ganz neue Auffassung der Schule und ein ganz neuer Sinn für die Pflege der Schule Platz". (Heppe; Das Schulwesen des Mittelalters)
Die allgemeine Volksschule, eine der Hauptfaktoren, welche Deutschlands Größe begründen halfen, ist und bleibt eine Tochter der Reformation, mag die katholische Geschichtsschreibung das auch noch so sehr bestreiten. "Nichts wird uns und unseren Nachkommen mehr helfen, denn gute Schulen und Auferziehung der Kinder." (Zitat Luthers)
Dieses Wort Luthers trifft den Kern einer erfolgreichen Schulentwicklung. Gernrode war eine der ersten Städte, die diesen Gedanken richtig erkannt und erfolgreich in die Tat umgesetzt haben.

Zwei prägnante und für die Entwicklung der Stadt bedeutsame Kirchen hat Gernrode. Kirchen waren die Mittelpunkte der mittelalterlichen Siedlungen, je prunkvoller sie waren, umso wohlhabender waren die Gemeinden, die sie erbauen ließen.
Die Krypta der Gernroder Marktkirche ist von außen nicht mehr als Kirche zu erkennen. Wer kann ahnen, dass sich in dem massiven Unterbau neben und unter dem als alte Küsterei gekennzeichneten Teilgebäude des evangelischen Erholungsheims ein ehrwürdiger Kirchenraum von hohem Alter befindet?
Vieles spricht dafür, dass es das älteste Bauwerk Gernrodes ist. Schon die Siedler des Fleckens Geronrod könnten hier eine Holzkapelle errichtet haben, um ihren Glaubensritualen eine Wirkungsstätte zu verleihen. An gleicher Stelle wurde dann zu Beginn des 11. Jahrhunderts eine gemauerte Kapelle im romanischen Stil erbaut. Mit dem Bau der neuen Stephanuskirche verlor sie ihre gottesdienstlichen Aufgaben. St. Stephani in erhöhter Lage gebaut, bestimmte mit dem aus Bruchsteinen gebauten Turm das Stadtbild Gernrodes prägend mit. Im Ostgiebel befindet sich ein Inschrift Stein mit der Datierung 1582.
Nach der Reformation 1521 wurde die Kirche nur noch zu Begräbnissen genutzt, da die Stiftskirche für alle Bürger zugänglich wurde. Bis zum Jahr 1830 wurden die Kirchenbücher geführt. Bereits 1847 wurde das Kirchenschiff zur Schule umgebaut.
Die Stiftskirche St, Cyriakus ist eines der bedeutendsten Architekturdenkmale aus der Zeit der Herrschaft der Ottonen in Deutschland.Ihr Bau wurde in der Zeit zwischen 959 und 961 zu Lebzeiten des Markgrafen Gero begonnen und später unter Ver¬antwortung seiner Schwiegertochter Hathui weitergeführt und beendet. Der Baustil wurde von der Romanik, deren Blütezeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert lag, bestimmt.
Wesentliche Merkmale dieses Stils waren Strenge, Festigkeit und Monumentalität. Der Wert der Gernroder Stiftskirche liegt vor allem darin, dass sie der einzige monumentale Kirchenbau der ottoni¬schen Zeit ist, der als Ganzes erhalten bzw. durch Restauration in der Ursprünglichkeit wiederhergestellt werden konnte. Damit war diese Kirche nicht nur für Gernrode von Interesse, sondern Besucher aus aller Welt wollten das romanische Bauwerk mit seinem Heiligen Grab besichtigen. 961 wurde es erstmals erwähnt.
Durch die Stiftsgründung des Markgrafen Gero wurde die Kirche Stiftskirche des Gernroder Damenstifts. Als das Stift im Jahr 1616 aufgelöst wurde, begann der Verfall der Kirche und der Stiftsgebäude. Im 18. Jahrhundert waren die Gebäude noch fast vollständig erhalten gewesen. Im 19. Jahrhundert mussten sie abgebrochen werden. Die Kirche wurde als landwirtschaftliches Gebäude genutzt. Fenster wurden zum Teil zugemauert, die Krypten durch Mauern vom Rest der Kirche abgetrennt und erhielten Zugänge von außen.
Von der reichen Ausstattung haben sich nur wenige Reste erhalten, so einige Grabplatten von Äbtissinnen, die 1519 geschaffene Tumba des Stiftsgründers Gero sowie das Heilige Grab. Der romanische Taufstein gehörte ursprünglich nicht zur Ausstattung, sondern zur abgerissenen Kirche von Alsleben. Die heutige historistische Ausstattung stammt aus der Zeit nach der Restaurierung.
Weitsichtig denkende Menschen und ihr beherztes Eingreifen verhinderten das Schlimmste. Die entstandenen Schäden wurden im 19.Jahrhundert durch die fachmännische Restaurierung durch Ferdinand von Quast behoben und die Kirche wurde in den Zustand des 10.Jahrhunderts rückgeführt. Die Restaurierungsarbeiten erstreckten sich über die Jahre 1858 bis 1872.
Als sich die Äbtissin Elisabeth von Weida der Reformation anschloss, wurde die Kirche eine der ersten protestantischen Kirchen weltweit. Damit schrieb die Kirche Weltgeschichte und wurde als Pfarrkirche für die evangelische Kirchengemeinde Gernrode nutzbar.

Die Harzquer- und Brockenbahn sowie die Selketalbahn sind Schmalspurbahnen im Ostharz. Sie gehören zu den bedeutendsten Kleinbahnen Deutschlands. Die Reichsbahn bewirtschaftete zu DDR -Zeiten das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen. Am 1.September 1946 wurde die Bahn Volkseigentum und am 1.April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Gernrode Harz¬geröder Eisenbahngesellschaft (GHE).
Die Reichsbahndirektion Magdeburg war von nun an für die Betriebsführung verantwortlich. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Fahrzeugpark aus 2 Lokomotiven, 1 Personenwagen und 16 Güterwagen. Im Generalverkehrsplan in der DDR wurde 1966 beschlossen, die Schmalspurbahn stillzulegen. Zum Glück kam es nicht dazu, deshalb konnte die Selketalbahn im August 1987 ihr 100jähriges Betriebsjubiläum feiern.
Nach der Wiedervereinigung wurden die Kleinbahnen wieder selbstständig, 15 Kommunen und Landkreise gehören zu den Gesellschaftern der GmbH Harzer Schmalspurbahnen. (HSB)
Für Gernrode war die Selketalbahn besonders relevant, da viele Jahrzehnte der Bahnhof Gernrode der Ausgangspunkt für die Fahrten der Schmalspurbahn hinauf in den Harz war.
Die Streckenführung der Selketalbahn ist romantischer und weckt mehr Abenteuerlust als die des größeren Konkurrenten Harzquerbahn, so die Meinung vieler Natur und Eisenbahnfreunde.
Auf den 52 Kilometern zwischen Gernrode, Harzgerode, Hasselfelde und der Eisfelder Talmühle führt sie durch eine wildwüchsige und romantische Naturlandschaft. Es beginnt mit der Bergauffahrt zum Haltepunkt Sternhaus- Ramberg, dem höchsten Punkt der Streckenführung.
Entlang der Strecke wechseln sich schroffe Felsen mit blühenden Wiesen, malerischen Teichen wie dem Osterteich und den Heiligen Teich mit weiten, einsamen Buchen- und Eichenwäldern ab. Die Beförderung der Urlauber und Gäste auf der Schiene ist zweifelslos die Hauptaufgabe der Selketalbahn. Zu einem nicht unbeträchtlichen ökonomischen Nutzen wurden zu DDR-Zeiten die Gütertransporte, die die Bahn für die streckenanliegenden Betriebe erledigte. Tausende Tonnen von Gütern wurden auf dem Schienenwege für das Druckguß-und Kolbennwerk in Harzgerode, die Rinkemühle in Alexisbad oder die Pyrotechnik in Silberhütte befördert.
Die Harzer Schmalspurbahnen fahren auf 131,2 km durch die schönsten Gegenden des Harzes. Es ist das längste zusammenhängende Schmalspurnetz Deutschlands. Ursprünglich waren es drei Gesellschaften, die den Harz touristisch mit der Bahn erschlossen hatten und damit den Fremdenverkehr fördern wollten.
1913 wurden die Bahnen miteinander verbunden Die vereinte Gesellschaft verfügte über 44 Bahnhöfe und Haltepunkte, 400 Brücken und Durchlässe gehören zu dem Streckennetz der Harzbahnen. Die Harzbahn ist Anziehungspunkt vieler Touristen und sie ermöglicht vielen Besuchern die Sehenswürdigkeiten des Harzes auf der Schiene zu erreichen.
Mit einem mehrtägigen Volksfest feierte die HSB 1987 ihr 125jähriges Bestehen. Zu den Höhepunkten gehörten ein mit zwei Mallet¬lokomotiven bespannter Oldtimerzug, eine Fahrzeug und eine Modellbahnausstellung, Sonderstempel der Post und historische An¬sichtskartenserien. Händler boten eine umfangreiche historische Literatur zur Thematik „Faszination Bahn“ an. Rangierfahrten und ein begleitendes Kulturprogramm fanden ein zahlreiches und interessiertes Publikum.

Er war umstritten und nicht ohne Gegner, der Anchluss Quedlinburgs an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahn. Nach jahrelanger Diskussion um diese Streckenerweiterung ergab sich durch das „Aus" für die Normalspurstrecke Quedlinburg - Frose diese neue Chance, das Vorhaben doch noch zu realisieren. Baubeginn für die 8,5 km Strecke war 2005.
Aus dem Kopfbahnhof Gernrode wurde ein Durchgangsbahnhof. Die Kosten des Projekts waren mit 6 Millionen € beziffert. Am 4. März 2006 fand die Premierenfahrt nach Quedlinburg auf der neuen Strecke statt. 17.000 m Schiene mit einem Gesamtgewicht von etwa 850 t mussten aus und wieder eingebaut werden. 13800 neue Betonschwellen und fast 12.000 t Schotter wurden verbaut. Der fahrplanmäßige Zugbetrieb begann im Juni 2006.Nach Fertigstellung der Strecke sollen täglich neun Zugpaare verkehren und den Gästen der Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg eine Zugreise in den Harz und auf den Brocken ermöglichen. Verkehrsminister Daehre, HSB Chef Wagner und die Bürgermeister Grundmann und Brecht für die Städte Gernrode und Quedlinburg eröffneten damals den Streckenabschnitt. Die Tatsache, dass aus dem Kopfbahnhof Gernrode ein Durchgangsbahnhof wurde, ist inzwischen in den Routinebetrieb übergegangen
Der Bahnhof der schmalspurigen Selketalbahn liegt dem stillgelegten Bahnhof der Normalspur gegenüber. Mit der Selketalbahn kann man die Gernrode umgebenden Sehenswürdigkeiten des Harzes erreichen.
Die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 125jährigen HSB- Geburtstag fanden viel interessiertes Fachpublikum aus zahlreichen Bundesländern. Die Kleinbahn und schon gar nicht die dampfbespannten Züge haben nichts an ihrer Faszination eingebüßt. Eine Fahrt mit der Kleinbahn hinauf in den landschaftlich so schönen Harz ist in jeder Jahreszeit ein besonderes Erlebnis und hat nichts von seinem Reiz verloren. Durch den Anschluss Quedlinburgs an das Streckennetz können nun auch die Besucher der Weltkulturerbestadt diesen Vorteil nutzen. Durch diese Bündelung ihrer touristischen Potentiale erwachsen sowohl den Touristen wie den Gastgebern Vorteile, die sich zum Wohle des Tourismus niederschlagen.

Um den Touristen, die Gernrode besuchen, die vorhandenen Sehenswürdigkeiten zu präsentieren, wurden drei zeitlich unterschiedlich lange Rundgänge in der Stadt ausgewiesen, an denen die 22 historisch bedeutsamen Denkmale liegen und zu besichtigen sind.
Die wichtigsten kulturellen Objekte sollen darüber hinaus in einer Ausstellung im Rathaus gezeigt werden. Diese Möglichkeit ergab sich nach der Entscheidung, das Rathaus zum Willkommenszentrum auszubauen. Die obere Etage soll für derartige Ausstellungen hergerichtet werden. Künftig soll Gernrode sich auf dieser Etage nach verschiedenen Gesichtspunkten präsentieren, so dass sich Gäste und Interessierte vororientieren können.

Der jährlich vom Kulturverein herausgegebene Kalender beschäftigt sich im kommenden Jahr ebenfalls mit Motiven dieser Lehrpfadstationen. Damit finden langjährige Vorarbeiten an der Erarbeitung der Inhalte dieser historischen Rundgänge einen vorläufigen Abschluss und Gernrode macht einen weiteren wichtigen Schritt in Sachen Tourismusfreundlichkeit.

Ergänzend möchte ich noch einige Fotos anfügen über Sehenswürdigkeiten, die man als Gast in Gernrode besichtigen sollte.
Eine der schönsten Stadtansichten ist der Malerwinkel am Spittelteich. Einst mitten im Stiftsbezirk gelegen, war er mit der Brauerei, der Badestube, dem Hennebergschen Hof und dem historisch bekannten Spital prägend für die Geschichte Gernrodes.
Die Marktstraße mit ihren ehemals vorhandenen Geschäften und gastronomischen Einrichtungen demonstriert die Enge um das Gernroder Rathaus. Die bergige Lage ließ keinen größeren Marktplatz zu.
Dafür wude für einen Millionenaufwand ein neues Stadtzentrum im Jacobsgarten geschaffen. Leider erfüllten sich die in das Projekt gesetzten Erwartungen nicht wie gewünscht und vorgesehen.
In der Burgstraße liegt der östliche Zugang zur Stiftskirche. Einst begrenzte sie den Stiftsbezirk und schützte mit den Burggräben das Stift nach Osten. Hier lag auch der einzige Zugang zum Stiftsgelände. In verschiedenen Häusern der Burgstraße wurden Zimmer für Unterrichtszwecke angemietet, so dass sie auch als Schulstraße bekannt wurde.
Die schönsten Panoramablicke auf Gernrode hat man von den Aussichtspunkten der Stadt. Empfehlenswert sind die Wilhelmshöhe, der Försterblick, der Panoramaweg, das " Einzelne Bäumchen", der Bückeberg auf seiner ganzen Länge und natürlch der einzigartige Blick vom Stubenberg. Mit diesem Ausblick möchte ich meinen Bericht über das liebenswerte Städtchen Gernrode abschließen.
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