Inklusion? Kenn' ich nicht...

In meiner zweiten Fahrstunde erklärte ich meinem Fahrlehrer, dass ich Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Aktionsbündnisses „Landkreis Harz inklusiv“ bin und dass wir uns mit unseren über 100 Bündnispartnern für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Landkreis Harz stark machen, um die Inklusion voranzutreiben.

Verwirrt, aber neugierig fragte er mich, was Inklusion heißt – er hätte das Wort noch nie gehört… Ich holte tief Luft und antwortete, dass Inklusion der Oberbegriff für das gesellschaftliche Miteinander sei. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Es ist normal, so akzeptiert zu werden, wie man ist. Es ist normal, jeden Menschen willkommen zu heißen. Es ist normal, „in Farbe“ zu denken, statt in schwarz/weiß. Es ist normal, gleiche Chancen auf Teilhabe zu haben.

Mein Fahrlehrer wurde nachdenklich und sagte, dass es ja dann eine enorme Vielfalt an einzigartigen Menschen gäbe und dass keiner mehr ausgegrenzt werden würde, nur weil er eine Behinderung hat. Wäre das nicht schön? In einer inklusiven Gesellschaft zu leben und sich darin barrierefrei fortbewegen zu können? Ohne Hürden in Kauf nehmen zu müssen? Ja, das wäre schön…

Ob Inklusion nur was für Menschen mit Behinderung sei, werde ich nach einer langen Denkpause von meinem Fahrlehrer gefragt. „Nein!“, kam prompt meine Antwort. Uns allen kommt Inklusion zugute. Wir alle profitieren vom Abbau von Barrieren. Nicht nur Eltern mit Kinderwagen oder Senioren, die mit Rollator unterwegs sind. Sondern auch der Radfahrer, der von der Absenkung von Bordsteinkanten ohne Absteigen seine Fahrt fortsetzen kann. Oder Blinde und Sehbehinderte, die sich durch Leitsysteme vor Ort alleine orientieren können ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Oder…

„Also ist Inklusion eigentlich eine feine Sache“, meinte er zu mir, „es macht das Leben um vieles leichter. Aber was hat das mit dem Aktionsbündnis „Landkreis Harz inklusiv“ zu tun?“ „Das sagt ja schon der Name“, erklärte ich, „den Landkreis Harz inklusiver gestalten. Das wollen wir! Wir wollen mit unseren Partnern und Unterstützern ein Schriftstück erarbeiten, um die Inklusion im Harzkreis voranzutreiben.“

„Nachdem ich mir Ihre Worte von gestern nochmal durch den Kopf gehen ließ“, fing er am nächsten Tag unsere dritte Fahrstunde an, „hat mich das Mitmachfieber gepackt. Was muss ich tun?“ „Sie müssen uns in den Beratungen ihre Gedanken und Ideen geben“, antwortete ich schmunzelnd. Die vorwiegend ehrenamtlich arbeitenden Bündnispartner füllten zur Gründungsveranstaltung im September 2014 eine Beitrittserklärung aus, die sie dann der Behindertenbeauftragten des Landkreises zurückgaben. Von dort bekommt man alle Unterlagen dazu. „Kostet mich das einen monatlichen Mitgliedsbeitrag?“, fragte er mich kleinlaut. „Nein, wie gesagt, die Arbeit im Bündnis ist ehrenamtlich.“

Mit dem zufriedenstellenden Gefühl, was Gutes für sich selbst und für die Gesellschaft zu tun, fuhr ich mich nach Hause, denn unsere Fahrstunde neigte sich dem Ende zu.

Und?

Hat Sie jetzt auch das Mitmachfieber gepackt?
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