Schade, hier ging was schief

Nach einem Blick in das Veranstaltungsheft der Stadt Ballenstedt (Tourist-Information) Oktober-Dezember 2012 für den 09. November, las ich "Erinnern an die Reichsprogromnacht" 15.00 Uhr, Jüdischer Friedhof, Hoymer Straße, Ballenstedt. Anlass für mich, daran teilzunehmen. Ich wartete nun vor dem Tor mit anderen Anteilnehmern leider umsonst. Am Samstag musste ich dann in der Presse lesen, dass diese Veranstaltung bereits am Vormittag stattfand.
So kann's kommen. Wer hat uns denn da einen Streich gespielt? Der Druckteufel, die Winterzeit oder einfach eine Verwechslung?
Der kleine Jüdische Friedhof liegt mir besonders am Herzen, da ich bereits in Frühjahr 1986 in besonderer Weise mit ihm in Berührung kam. Eine Gruppe Studenten der damaligen Forstfachschule (im Schloss Ballenstedt), hatten es sich zur Aufgabe gemacht im Rahmen einer Projektarbeit, den Friedhof zu "verschönern". In Ermangelung von Kenntnissen über das jüdische Leben bis hin zu jüdischen "Grabkultur" versuchten sie eine Neugestaltung des Friedhofes.
In der DDR wurden die noch vorhandenen jüdischen Friedhöfe aus ihrem eigentlichen religiösen und kultischen Kontext enthoben. Das ritualisierte Gedenken an die "Opfer des Faschismus" ließ keinen Umgang mit konkreten Personen und Ereignissen zu. Auch die vielerorts benutzte Bezeichnung "ehemaliger Jüdischer Friedhof" ist unkorrekt, da im jüdischen Glauben der Verstorbene in Ewigkeit ruht und es keiner Veränderung oder besonderer Pflege der eigentlichen Grabstätte bedarf. So liegen die Toten auch nicht vor dem Grabstein, sondern dahinter. Der Ballenstedter Friedhof nun ist den 1970er Jahren "aufgeräumt" und mit einer Kiesschicht flächendeckend versehen worden. Die Studenten meinten nun mit der Pflanzung von Koniferen, dem Friedhof einen neuen Charakter zu geben. Nach einem Besuch des damaligen Rabbiners aus Magdeburg vor Ort wurden sie nun aufgeklärt und die Aktion beendet. So blieb es eine besondere Begegnung mit dem jüdischen Glauben in der "Diktatur des Proletariats" der DDR und war für mich von großer Bedeutung. Meine Bekanntschaft zu den Studenten bescherte mir ein Erlebnis, das bis heute nachwirkt. Die politische Wende in unserem Land hat auch hier ein neues, unverkrampftes Verhältnis geschaffen. Heute hat der Friedhof ein würdiges Aussehen.
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