So war die Fachtagung "Bildung inklusiv"

Dabei sein ist nicht alles, aber ein guter Anfang!
Selbstbestimmtes Leben beginnt in der Schule

Inklusion ist derzeit in vieler Munde. Inklusion – wörtlich übersetzt heißt es Zugehörigkeit, sozusagen das Gegenteil von Ausgrenzung. Jeder Mensch kann überall dabei sein, ob in der Kindertagesstätte, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohn- und Freizeitbereich oder bei kulturellem Geschehen.

Doch wie stellt man sich Inklusion in der Frühförderung, im konkreten Schulalltag und in den weiterführenden Bildungseinrichtungen vor? Und was ist und bedeutet eigentlich Inklusion im Lebensalltag?

Um Antwort auf solche und ähnliche Fragen zu erhalten und sich über deren Bedeutung auszutauschen, organisierte das kreisweite Aktionsbündnis „Landkreis Harz inklusiv“ unter Federführung der Arbeitsgruppe 4 eine erste öffentliche Fachtagung, die am vergangenen Montag im AudiMax der Hochschule Harz in Wernigerode stattfand.

Für die Organisatoren sehr zur Freude waren etwa 100 TeilnehmerInnen vertreten, die überwiegend aus Kindertagesstätten und schulischen Einrichtungen des Landkreises kamen und trotz wohlverdienter Ferienzeit an der Tagung teilnahmen. Aber auch andere am Thema „Bildung inklusiv“ Interessierte waren erschienen, was deutlich machte, dass Bildung inklusiv nicht ausschließlich ein Thema nur für die Schulen ist.

Nach der Begrüßung durch Angela Gorr (MdL), stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses, eröffnete Michael Schilling, Kanzler der Hochschule Harz, als Bündnismitglied und „Hausherr“ die Tagung. Er sprach darüber, wie sich die Hochschule Harz auf die Herausforderungen zur Umsetzung des Inklusionsgedankens einstellt und welche Aktivitäten es hierzu bereits gibt.

In seinem Grußwort an die TagungsteilnehmerInnen sagte Norbert Bischoff, Sozialminister des Landes Sachsen-Anhalt, dass es eigentlich gar nicht so sehr um Behinderung ginge, „sondern um Unterschiedlichkeit. Wir leben davon, dass wir in der Vielfalt leben.“

In ihrem mit Spannung erwarteten Referat sprach Ines Boban, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und als Koryphäe für Integrationspädagogik weitreichend bekannt, „Von der Lust, das (oft) für unmöglich Gehaltene möglich zu machen“ über Erfahrungen mit der Inklusion und wie sie vor Ort gelingen kann. Frau Boban machte sehr authentisch und mit vielen praktischen Beispielen unterlegt auf erfrischende Weise deutlich, dass es bei Inklusion nicht nur um Menschen mit Behinderung geht, sondern Inklusion viel umfassender ist. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein, ist jeder willkommen, hat jeder den als Menschenrecht verbrieften Anspruch, an den Bildungsangeboten teilzuhaben. Denn: Bildung ist für alle da und für alle gleichermaßen wichtig. Die Vielfalt, die sich daraus entwickelt, ist ein kostbares Gut für die gesamte Gesellschaft.

Aufschlussreich und informativ waren die Erfahrungsberichte. So konnte Peggy Cebulla, Leiterin der Liv-Ullmann-Schule Wernigerode, auf einige gute Ansätze inklusiver Beschulung verweisen, die in guter Zusammenarbeit zwischen Förderschule und Regelschule und in Partnerschaft mit den Fachschulen in Drübeck und Elbingerode entstanden sind und weiterentwickelt werden.

Die Mutter Silke Czewerka sprach allerdings auch über Hürden und Probleme, die Eltern überwinden müssen, wenn es darum geht, dass ihr behindertes Kind mit allen anderen die Schule besucht, was leider nicht immer so ohne weiteres möglich ist.

Das Referat von Ines Boban und die Erfahrungsberichte gaben dann auch gute Impulse für die sich anschließenden Workshops, in denen viele gute Ansätze, aber auch kritische Hinweise für die Gestaltung einer inklusiven Bildungslandschaft im Landkreis Harz gegeben wurden.

Zum Schluss der Veranstaltung, die von den Bündnispartnern Jens Gerlach, Fachschule für Sozialwesen Drübeck, und Hannah Becker, Pfarrerin und Vorstand Cecilienstift Halberstadt, kompetent und auf charmante Weise moderiert wurde, nahmen die TeilnehmerInnen für sich eine richtungsweisende Feststellung aus dem Referat von Ines Boban mit: „Es ist Zeit, die ‚Spielregeln‘ für alle zu ändern, statt einige, die bisher nicht ‚mitspielen‘ durften, so einzupassen, dass sie am für alle schwierigen ‚Spiel‘ teilnehmen können.“ Das ist Inklusion.

Die Ergebnisse dieser Tagung werden in der 2. Vollversammlung des Aktionsbündnisses „Landkreis Harz inklusiv“ am 25. November 2015 in Halberstadt vorgestellt und fließen in die weitere Arbeit des Bündnisses mit ein.

Die Bündnispartner bedanken sich bei Sponsor Harzsparkasse, ohne deren Unterstützung diese Fachtagung nicht möglich gewesen wäre, sowie bei den Partnern Harzdruckerei und der Akademie Überlingen für die gastronomische Betreuung.
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