Aus der Geschichte des "Querfurter Kreisblattes"

Vor einigen Tagen wurde ich ganz unversehens in die Vergangenheit entführt und zwar in die Zeit zwischen 1800 und 1945.
Örtlich musste ich dafür keine große Reise antreten. Ich blieb wo ich war: In „Dingsda“, wie Johannes Schlaf sein Querfurt liebevoll nannte. Zu verdanken hatte ich dieses Erlebnis einem sehr gelungenen Vortrag von Hartmut Lasse, dem 2. stellvertretenden Vorsitzenden des Altertums- und Verkehrsvereins Querfurt im Rahmen einer Zusammenkunft.
Neugierig geworden durch eine Ankündigung in der MZ wollte ich erfahren, was es im „Querfurter Kreisblatt“ damals so zu berichten gab, wurde dieses ja viele Jahre in der Druckerei Schneider verlegt. Ich habe von 1976 bis 2000 dort als Schriftsetzerin gearbeitet (zu meiner Zeit Abteilung Druckerei des Dienstleistungskombinates Querfurt) und trauere meinen Bleilettern bis heute ein wenig nach.
Die Geschichte dieses kleinen Verlagshausen, welches 1818 von Carl Gottfried Rammftler gegründet wurde, fand ich auch aus diesem Grund besonders interessant und bin der Frage „Was wurde nach 1945 aus der Zeitung?“, die Hartmut Lasse in den Raum gestellt hat, nachgegangen. Auf diesem Wege möchte ich sie beantworten. Soviel ich erfahren konnte, ist der damalige Inhaber - Herr Schneider - nach dem 2. Weltkrieg gar nicht mehr nach Querfurt zurückgekommen, sondern in die damalige Westzone umgesiedelt. Die Verlagsarbeit wurde somit eingestellt und in Querfurt wurde keine Zeitung mehr gedruckt.
Viel wurde in dieser Runde über die Standorte von Gasthäusern, die in der Zeitung erwähnt wurden (zum Beispiel dem „Elephant“) diskutiert. Leider konnte nicht herausgefunden werden, wo dieses Gasthaus gestanden hat, vielleicht weiß ja jemand etwas darüber?
Am schönsten fand ich die kleinen Anekdoten über ach so menschliche Begebenheiten, die sich damals, ähnlich wie heute, zugetragen haben und mir die Menschen nahe brachten.
So zum Beispiel die Geschichte von dem qualmenden Schornstein im neu errichteten Gerichtsgebäude, als dessen Ursache sich eine erhebliche Menge Bierflaschen herausstellte. Die Arbeiter hatten sie während der Bauphase im Schornsteinschacht deponiert. Dort blieben sie dann auch bis zu dem besagten Tag.
Lustig fand ich auch die Geschichte von den „zwei Müttern“. Jede behauptete vor Gericht, die Mutter eines (anwesenden) Babys zu sein! Gentests gab es ja damals noch nicht, aber der Richter war findig und ließ das Baby entscheiden, welche Brust die richtige war. Das tat es dann auch laut schmatzend. Damit war der Fall geklärt.
Leider konnte ich mir nicht alles merken, was Hartmut Lasse so treffend wiedergegeben hat. Gerne würde ich selbst mal in den alten Zeitungen stöbern.
An dieser Stelle möchte ich noch mal herzlich Dankeschön sagen für diesen schönen Abend.

Gudrun Beuster
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 28.07.2013 | 06:35   Melden
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