Alphorn trifft Orgel

Da glaubt man, schon alles gehört zu haben, was das mannigfaltige Spektrum der Musik zu bieten hat und wird wieder mal während eines Rendezvous zwischen dem Alphornquartett „Anhaltino“ mit Frontmann Fred Scheiter und Organistin/Sängerin Vreni Scheiter in der Wolfener Johanneskirche eines Besseren belehrt . Die Exotik des Konzerts erschloss sich aus der Wahl der Instrumente. Alphörner in der Industrieregion Bitterfeld-Wolfen? Beheimatet sind sie im Alpenraum und obwohl zumeist aus Holz, zählen sie wegen ihrer Anblastechnik zu den Blechblasinstrumenten. Das knapp vier Meter lange Horn besitzt weder Klappen noch Ventile. Daher werden nur Töne der Naturtonreihe erzeugt ähnlich dem Didgeridoo der Aborigines. Einst diente das Alphorn den Hirten als Werkzeug zur Kommunikation mit Mensch und Tier. Seine Reichweite von bis zu zehn Kilometern ermöglichte eine Verständigung bis hinunter ins Tal oder beruhigte die Rinder auf den Almen bei aufziehenden Unwettern, sozusagen das erste Alpenhandy. Daraus entstand traditionelle Musik von Alp zu Alp oder anlässlich von Gottesdiensten. Manchmal sogar der Klassik entlehnt, wie der dreistimmige Satz „Heilig“ von Anton Wicky, ein Choral nach Motiven von Franz Schuberts „Deutscher Messe“. So erlebte das Publikum eine ganz spezielle Klangrealisierung. Die Orgel brachte mal Lebendigkeit ein, mal war sie samtiger Hintergrund- die Liedauswahl thematisch sehr passend mit „Engel“ von A. Gabalier und „Weit, weit weg“ von H.v. Goisern. Bei der Skala der Naturtöne obliegt es übrigens allein dem Können der Alphornbläser, ob die Melodien zu Bildern werden. Und als sich dann mit pastosen, tiefen Resonanzen eine beinahe meditative Ruhe ausbreitete, wähnte ich mich durchaus in einer Bergkulisse an einem klaren See, dessen Wasseroberfläche sich beim Klang der Hörner kräuselte - und war da nicht grad noch ein Murmeltier?
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