Beschenkt ...

… wurden all jene, die sich an diesem stürmischen Samstagnachmittag auf den Weg gemacht hatten zur Wolfener Johanneskirche. Der Gemeindesaal drohte aus den Fugen zu geraten. Von fleißigen Helfern wurden zusätzlich Stühle herangetragen und es fühlte sich eher wie ein Aufbruch an, nicht wie die angekündigte Klavier-Meditation. Jeder der 131 Zuhörer fand letztlich ein Plätzchen. Das Konzert begann - als Entree die Mondscheinsonate von Beethoven. Es bedurfte nur weniger Minuten und das geneigte Publikum war ganz Ohr. Das letzte Scharren, Knistern und Hüsteln verstummte. Die Programmfolge war wohldosiert, erklärende Worte nicht nötig. Es reihte sich einfach Stück an Stück. Nocturne von Chopin, Liszt`s Liebestraum und dann wurde es moderner. René Mangliers interpretierte seine Stücke ernst und voller Konzentration. Da ließ eine tiefe Leidenschaft die Finger zielsicher über Tasten tanzen. Diesmal weniger aufbrausend. Die eher lyrischen Töne verfehlten ihre Wirkung nicht. Hatte ich da irgendwo einen ganz kleinen meditativen Schnarcher vernommen? Eingängige Melodien- Themen aus bekannten Filmen wie „Schindlers Liste“ (J.T. Williams), „Ziemlich beste Freunde“ (L. Einaudi) und „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (Y. Tiersen) wurden unter anderem komplettiert durch Kompositionen wie Yirumas „River Flows in You“ und „Kiss the Rain“. Die Gedanken gingen auf Wanderschaft und schufen Bilder. War es möglich? Innere Einkehr durch Musik in diesem Rahmen? Selbstvergessen und mit geschlossenen Augen? Mit Ludwig van Beethovens „Für Elise“ als Zugabe ging das Konzert zu Ende. Langanhaltender Beifall und dann mussten wir schon wieder zurück in die Wirklichkeit … selbst der Sturm, der noch kurz vorher die kahlen Äste vor den Fenstern durchgeschüttelt hatte, zeigte sich milde und war zwischenzeitlich meditativ zur Ruhe gegangen.

Licht senden in die Tiefen des menschlichen Herzens
ist des Künstlers Beruf.
(Robert Schumann)
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