Saite traf Orgel

Es fing ganz unspektakulär an, dieses Konzert in der Wolfener Johanneskirche. Nach dem Rendezvous von Alphorn und Orgel vor ein paar Wochen durfte man jedoch gespannt sein. Eine milde Herbstsonne blinzelte interessiert durch bunte Fenster, als das Orgelspiel einsetzte. René Mangliers eröffnete das Konzert mit einem kurzweiligen Querschnitt durch verschiedene Genres der Musik. Die Palette reichte von Klassik über Spiritual und Pop hin zu einer eigenen Komposition, welche die Gnade Gottes preist. Wie gewohnt virtuos in Spiel und Gesang.
Dann stellten sich die Saiteninstrumente vor. Dazu eingefunden hatte sich Gitarrist und Komponist Malte Vief aus Leipzig, mit einer beeindruckenden Vita und seinem eigenen Stil konzertanter Musik. „HeavyClassic“ könnte man salopp mit einem Spagat über Klassik, Rock und Folklore beschreiben. An seiner Seite, eigens aus Hamburg angereist Jochen Roß. Seine Leidenschaft ist das Spiel der Mandoline in einer Bandbreite von sogenannter „alter“ bis hin zu zeitgenössischer Musik, mit Abstecher in den traditionellen schottischen Folk. Beide Vollblutmusiker präsentierten dem lauschenden Publikum einen Crossover an musikalischen Stimmungsbildern aus der Feder von Malte Vief- beeindruckend klar, in filigranen Harmonien und dennoch mit kraftvoller Lebendigkeit.
Und dann trafen sie aufeinander, die schwingenden Saiten mit den schwingenden Luftsäulen der Orgel. Passt das denn zusammen, fragt man sich ungläubig? Und ob das passt. Man muss es einfach gehört haben. Eigene Kompositionen wechselten sich ab mit neu bearbeiteter alter Musik aus der Renaissance- wie kleine Köstlichkeiten. Und die Orgel? Sie rahmte das Ganze gefühlvoll wie ein Gemälde. Dieses Stelldichein hat offensichtlich auch den Musikern Freude gemacht. Sie schienen beinahe überrascht von der Klangwirkung ihrer Musik. Man könnte mutmaßen, dass sie sich nicht zum letzten Mal getroffen haben. Das Publikum würde es freuen. Und etwas mehr Publikum würde wiederum die Musiker freuen.
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