Abgetaucht...

Man vermag es kaum zu ergründen. Worin liegt die ungebrochene Faszination an jenem Ereignis vor über 100 Jahren. Monumentalwerke aus Zeiten des Stummfilms bis hin zum modernen 3-D-Streifen, von Fritz Lang bis James Cameron versuchten sich an dem Stoff, dessen Thema scheinbar nie altert. So auch Yadegar Asisi im Panometer Leipzig. Die Vor-Ausstellung versetzt die Besucher in die Zeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Sie erinnert an die Geburtsstunde der ersten Wolkenkratzer in den USA. Das Woolworth Building am Broadway wurde im April 1913 als achtes Weltwunder gefeiert. Der Aufschwung der Stahlindustrie revolutionierte weltweit die Möglichkeiten- so auch der Werftindustrie. Die Titanic war ein Luxuspassagierschiff der britischen „White Stare Line“, gebaut in Belfast und bei Fertigstellung am 2. April 1912 das größte Schiff der Welt. Man kann es ahnen, reckt man den Hals in 23 m Höhe vor dem hölzernen 1:1 Nachbau des gewaltigen Bugs. Dann geht’s hinein … oder besser hinab in 3.800 m unter dem Meeresspiegel. Schnell wird klar … das ist anders als bisher …hier gibt es nicht die opulente Fülle an Bildern, wie bei anderen Rundbildern Asisis. Hier liegt das Augenmerk auf der Schaffung einer Stimmung- beklemmend. Man hält kurz den Atem an. Die Tragödie ist lange ausgestanden. Das einstige Luxusschiff liegt als Wrack zerborsten in zwei Teilen am Meeresboden. Lichteinfall und Klanginstallationen verändern die Atmosphäre als wäre man auf Entdeckertour. Und tatsächlich, bei näherem Hinsehen findet man die Spuren menschlichen Daseins am Meeresgrund verstreut … Geschirr, diverse Gepäckstücke, eine Bank, den zerborstenen Puppenkopf … 2.208 Menschen waren an Bord. Davon haben 712 überlebt. Hier ist ein Mahnmal entstanden, groß und bedrückend. Dass die euphorische Kühnheit seinerzeit nicht mit der Demut vor der Natur gepaart war, belegen letztlich noch die Tafeln mit Zitaten von Zeitzeugen der Katastrophe.
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