Liebermann-Garten am Wannsee

„Sehen Sie sich doch mal mein >Schloss< am See an, übermütig sieht‘s nicht aus …,
aber ich glaube, dass es nach mir aussieht.“
                                                            Max Liebermann

Dieser Einladung folgte ich gern im ausgehenden Sommer - grad die rechte Zeit. Denn besucht man die Villa am Wannsee, dann geht es nicht nur um Werk und Leben eines der bedeutendsten Berliner Maler, sondern auch um die reformierte Gartengestaltung um 1900. Dafür fand sich ein Wassergrundstück von 7.000 qm, das nach gemeinsamen Ideen von Liebermann und dem Hamburger Gartenreformer Alfred Lichtwark umgestaltet wurde. Erst 2014 war der Garten nach einer wechselvollen Geschichte wieder so hergestellt, wie einst. Möglich nicht zuletzt durch die Vielzahl an Gemälden, Pastellen und Grafiken aus dem Spätwerk Liebermanns.
Der Nutz- und Blumengarten begrüßt den Besucher. Ähnlich einem Bauerngarten sind die üppigen Stauden- und Gemüsebeete von Buchsbaum gesäumt. Unterschreitet man die Lindenhochhecke, führt der Mittelweg auf die Villa zu. Nimmt man Position auf der vorderen Loggia zwischen den zwei imposanten, dorische Säulen und wirft einen Blick zurück, wähnt man sich bereits mitten in einem der Gemälde Max Liebermanns inklusive der weißen, hölzernen Gartenbank. Schön, denkt man noch im Ankommen und ist dann überrascht, womit die parkähnliche Anlage wasserseitig hinter der Villa noch aufwartet. Liebermanns berühmte Blumenterrasse, sein Birkenweg und die Heckengärten lassen noch Raum für eine großzügige Rasenfläche bis hin zu den lichten Ufern des Wannsees. Flächenmäßig gar nicht so groß, aber sehr detailliert gestaltet sind die Heckengärten. Man spaziert wie durch drei grüne Zimmer mit Wänden aus Hainbuche. Nach einem exakt angelegten Lindenkarree überrascht ein Oval mit üppigem Schmuckbeet in der Mitte. Der Rosengarten mit Wegekreuz und Sonnenuhr ist kreisförmig angelegt. Ein gerader Weg verbindet klar alle drei Räume und öffnet in der Ferne den Blick auf den See. Auch der Obstgarten mit jungen Aprikosen-, Mispel- und Quittenbäumen, der reetgedeckte Teepavillon und der Bootssteg wie zu Lebzeiten des Hausherrn fehlen seit 2014 nicht mehr. Der Fischotter-Brunnen von August Gaul war 1909 ein Weihnachtsgeschenk Liebermanns an seine Frau Martha.
Der große Garten war die Idee Max Liebermanns und zugleich über viele Jahre sein wichtigstes Motiv. „Denn alle Kunst beruht auf der Natur, und alles Bleibende ist Natur".
Seine Villa gilt heute als einzige und authentisch erhaltene Wirkungsstätte des Impressionisten.
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2 Kommentare
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Ralf Springer aus Aschersleben | 05.10.2017 | 13:01   Melden
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Antje Eckelmann aus Raguhn-Jeßnitz | 10.10.2017 | 19:08   Melden
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