Der Sabbat hält uns nicht auf

Arbeiten macht Spaß


Es ist mal wieder Freitag. Ich habe festgestellt, dass ich Probleme habe mit dem berichten so wie Journalisten es machen. Grund dafür ist, dass ich in der Regel Kurzgeschichten oder Gedichte verfasse, in denen es um Dinge geht die mich bewegen. Hier kann ich allerdings nicht so tun, als wäre ich eine außenstehende Person. Nein, ich bin mittendrin im Abenteuer.

In dieser Woche habe ich mal wieder sehr viel erlebt, aber auch einige Dinge nachgeholt. So darf ich jetzt alleine füttern, habe Pflegeenten (mehr dazu kommt noch) und weiß nun wie man einen Granatapfel RICHTIG isst.

Als ich am Mittwoch überlegt habe, was ich in diesen Bericht schreiben werde, dachte ich an letzten Samstag, als ich 1 Stunde auf Liat wartete. Ich saß auf den Stufen zum Eingangsbereich des Essenraumes, da fing es an zu REGNEN! Im Spätsommer wurde ich bei 30 Grad klitschnass. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film. Dann fiel mir ein, wie Kuti mich mit Kabelbindern am Schafgitter festgemacht hatte und die anderen mir geholfen haben. An dem Tage habe ich auch erfahren, dass es in Israel Flaschenpfand gibt. Am Mittwoch holte mich Dori ab und zeigt mir kleine Entenkücken. Das interessante an der Sache ist, dass diese nicht von ihrer Mutter ausgebrütet wurden. Dori hatte die Eier abgenommen und in eine Box gepackt, diese dann in die Scheune gestellt und vergessen (kommt öfter mal vor). Doch am Mittwoch hörten Gali und er es dann piepsen. Da waren die ersten von 13 Kücken geschlüpft. Allein die Wärme in der Scheune hatte sie „ausgebrütet“.
Gali ist übrigens die Tochter von Zuika und damit wären wir beim heutigen Tag angekommen.

Meine Wochenstory 2:

Am Freitag ist zwar erst nachdem Sonnenuntergang Beginn des Sabbat, aber im Tlamim ist Ruhetag. Trotzdem müssen die Tiere gefüttert werden. Da ich am Mittwoch (oh! schon wieder der Mittwoch) verschlafen habe – ganze 2 Stunden –, beschloss ich dieses Wochenende mit zu helfen. Wie ich die Schafe zu füttern habe, weiß ich ja nun. Denn ich habe mich des zu spät Kommens wirklich geschämt. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie verschlafen! Aber wie sagte doch meine alte Deutschlehrerin: „Das muss einem auch mal passieren!“
Nur leider nimmt es Gali auch nicht so genau mit der Zeit und so musste ich heute eine Stunde auf sie warten. Nachdem wir alle Schafe gefüttert hatten, was mir unglaublich viel Spaß macht, gingen wir zu den Ziegen. Noam war auch bereits gekommen. Sie wohnt hier im Kibbuz und mit ihr verbringe ich mittlerweile meine freie Zeit. Noam putzte das kleine Pferd, während ich die Kücken fütterte. Plötzlich hatte Gali eilig und so waren wir nur noch zu zweit in Tlamim. Tja, so kamen Noam und ich auf die Idee, Max, den angeketteten Hund des Projekts, doch mal laufen zu lassen. Kann man es sich schon denken? – Natürlich musste das nach Hinten losgehen. Max fand seine gewonnene Freiheit so toll, dass er sich auf und davon machte. Ich rannte im noch nach, dazu musste ich sogar unter dem Tor durchkriechen, ganze 2 Mal. Nur gebracht hat es nichts. Einen km schaffte ich es dem Hund auf der Spur zu bleiben, doch dann gab ich auf. Also trottete ich zurück auf das Projektgelände und stellte fest, dass mein Rucksack noch im Stall lag. Diesen hatte Gali allerdings abgeschlossen. Also brach ich in den Schafstall ein und auch gleich wieder aus. Ich rief Noam an und verschloss das große Tor. Dann joggte ich um Tlamim drum herum um zum grünen Tor zu kommen. Dabei handelt es sich um den offiziellen Eingang zu den Tieren. Dummerwiese stand Noam auf der anderen Seite. Ich hatte sie eingesperrt. Nun musste sie auch da runter durchkriechen. Aus Verzweiflung riefen wir Liat an. Diese war uns nicht böse, denn Max war dafür bekannt gerne weg zu laufen, aber auch gerne mit anderen Hunden zu kämpfen und sie tot zu beißen. Sehr beruhigende Worte! Liat rief schließlich Zuika an. Mehr wussten wir nicht. Also gingen wir in Richtung der Traktoren. Dort saß zur Überraschung Zuika und trank Kaffee. Auf der Ladefläche seines Pick- up´s thronte Max. Der sehr zufrieden aussah. In dem Moment hätte ich am liebsten geschrien. Zuika fand es ganz gut, dass der Hund mal rumlaufen durfte und erklärte, dass es nur problematisch geworden wäre, wenn Max einen anderen Hund getroffen hätte.
So wanderte ich zurück in meine Wohnung und wusch mir den Dreck vom Körper. Ausnahmsweise regte ich mich mal nicht über meine Dusche auf, diese braucht nämlich 5 Minuten um warmes Wasser zu produzieren.
Nächste Bilderserie: wie isst man einen Granatapfel richtig.

Lesen Sie mit:

Teil 21: Halbzeit - Bilanz nach sechs Monaten in Israel
Teil 20: Kurzmeldung
Teil 19: Winterferien in Israel
Teil 18: Weihnachten in Israel
Teil 17: Glaubenskrisen
Teil 16: Bilanz nach drei Monaten
Teil 15: Geburtstag und die Reise nach Jerusalem
Teil 14: Angst und Anschläge in Israel
Teil 13: Ahmadiyya, Drusen und Beduinen - Vielfalt der Religionen
Teil 12: Warum Regen glücklich macht
Teil 11: Aufräumen für die Neue
Teil 10: Heimweh
Teil 9: Endlich zu Hause
Teil 8: Geburtstag feiern und Fasten an Jom Kippur
Teil 7: Deutsche Kinderlieder und jüdisches Neujahrsfest in Isreal
Teil 6: Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz
Teil 5: Wie man einen Granatapfel richtig isst
Teil 4: Verschlafen, zum ersten Mal im Leben
Teil 3: Erste Eindrücke aus dem Kibbuz
Schnappschuss: Koscher essen bei McDonald
Teil 2: Einreise und andere Beschwerden
Teil 1: Fernweh: (M)ein Jahr auf heiligem Boden

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