Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz

Chamor heißt Esel
 
Der Strohballen

Leider ist in der letzten Woche nicht viel passiert. Ich bin arbeiten gegangen, habe den Leuten unter die Arme gegriffen und wurde von Kuti mehrfach mit Stroh dekoriert oder nass gemacht. Und nun sind schon 3 Wochen um.

Meine Informanten aus Deutschland meinten, dass es sehr schwer ist in meinen Berichten den Überblick zu halten, welcher Name für ein Tier und welcher für einen Menschen steht. Dazu kann ich nur mit Grinsen im Gesicht antworten: Willkommen im Club! Aber hier ein wenig Abhilfe: w steht in dem Fall für weiblich, m für männlich und bei den Tieren ist das eigentlich egal. Also Mazius ist mein Kater in Deutschland, Max der Hund in Tlamim, Liat (w) ist in Tlamim für den Schafstall verantwortlich zusammen mit Kuti (m). Zuika (m) arbeitet in Tlamim und im Kibbutz in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Früher hätte man diesen Betreib als LPG bezeichnet. Zuika’s Tochter ist Gali (w) und arbeitet als Betreuerin in Tlamim. Dori (m) ist der Mann für alles im Projekt. Sollten dazu noch fragen sein, einfach mal einen Kommentar unter den Bericht setzen.
Mittlerweile kann ich auch nachvollziehen, dass es nicht sehr einfach ist den Unterschied zwischen Tlamim und Megiddo zu verstehen. Also es gibt Tel Megiddo (Amageddon), dass ist die Stadt, welche im Buch der Offenbarung als Ort der „letzten Schlacht“ genannt wird. Heute handelt es sich dabei um eine Ausgrabungstäte, welche ich von meiner Haustür aus sehen kann. Denn daneben befindet sich Kibbuz Megiddo. Unter einem Kibbuz kann man sich ein umzäuntes Dorf vorstellen und im Kibbuz befindet sich Tlamim (ungefähr so groß wie drei Fußballfelder). Tlamim ist ebenfalls umzäunt und ein eigenständiges Projekt. Ich hoffe damit kam nun einmal etwas Licht ins Dunkel.
Die Menschen, welche mich außerhalb des Netzes kennen, wissen, dass ich gerne revolutionieren würde. So wurde meine Biologieabiturprüfung von meiner Lehrerin mit dem Spruch: „ Patriotisch, wie immer!“, kommentiert. Diese Information ist wichtig, denn ich bin leicht unzufrieden damit, wie man hier in Tlamim mit den Tieren um geht. Damit meine ich jedoch nicht, dass diese es hier nicht gut hätten. Alle bekommen Futter und werden geliebt, allerdings bekommt zum Beispiel Max (letzter Bericht) nicht ausreichend Aufmerksamkeit. So wird mit ihm nie Gassi gegangen und die „Behinderten“ ignorieren ihn oder trauen sich nicht ihn anzufassen. Dasselbe Problem tut sich auch bei den zwei Pferden und dem Esel auf. Also bin ich einfach am Donnerstag nach dem Mittag in die Scheune, habe die Bürsten für die Pferde geholt, bin über den Zaun geklettert und habe ohne Zaumzeug die Pferde und den Esel gestriegelt. Der Esel ist so zutraulich, dass er total neidisch reagiert. Sobald ich mich von ihm abwende, läuft er generell hinter mir her. So bin ich gestern auf die Idee gekommen, mich einfach mal auf ihn drauf zu schwingen. Und siehe da, ich konnte auf ihm reiten.
Heute wurde in Tlamim Rosh Haschana gefeiert. Dazu komme ich allerdings im nächsten Bericht, denn diese Feiertage kommen offiziell erst ab Mittwoch auf mich zu. Zumindest bin ich schon vor dem Mittag zu den drei Tieren auf die Koppel/Stall. Allerdings kam einer der Jungs mit. Ich weiß tatsächlich nicht, wie er heißt! Also striegelten wir zusammen, sehr zum erstaunen von Amos (m, Betreuer) So holte ich das Zaumzeug für den Esel und öffnete das Tor für ihn. Der Gute war ja sowas von glücklich und eh ich mich versah, saß der junge Mann auf dem Esel. Also rief ich nur: Langsam, langsam. Eines der wenigen Vokabeln die ich bereits beherrsche. Dennoch konnte ich mit dem Esel durch Tlamim spazieren, dem es nichts ausmachte, dass jemand auf ihm saß. Gali fand meine Initiative so toll, dass ich jetzt alles mit den Pferden und dem Esel machen kann, was ich möchte. Na bitte, wer sagt’s denn. Mal wieder die Welt verändert.

Wochenstory Nummer 3:

Da man mich nun mittlerweile gleich mal für mehrere Stunden im Schafsstahl mit den „Behinderten“ alleine lässt, kann es passieren, dass es wie im Bild oben rechts aussieht. So war ich letzten Mittwoch kurz auf Toilette und fand den Rest vom Strohballen in dieser Verfassung vor. Allerdings ist die Aufgabe der Gruppe die Schafe mit Stroh zu versorgen. Ich kontrolliere dann, ob die Menge stimmt oder nicht. So rollen die Schubkarren mit Stroh durch den Stall. Allein dabei zu zuschauen, ist schon zum totlachen. Aber wie gesagt, ich kam von Toilette, sah das Massaker und konnte nicht mehr vor lachen. Denn die Gruppe summte und sag beim Arbeiten die Melodie der Schlümpfe. Einfach ein total schönes Erlebnis.

Mein nächster Bericht kommt wahrscheinlich diesen Samstag, da ich zu Rosh Haschana auf und davon bin.

Lesen Sie mit:

Teil 21: Halbzeit - Bilanz nach sechs Monaten in Israel
Teil 20: Kurzmeldung
Teil 19: Winterferien in Israel
Teil 18: Weihnachten in Israel
Teil 17: Glaubenskrisen
Teil 16: Bilanz nach drei Monaten
Teil 15: Geburtstag und die Reise nach Jerusalem
Teil 14: Angst und Anschläge in Israel
Teil 13: Ahmadiyya, Drusen und Beduinen - Vielfalt der Religionen
Teil 12: Warum Regen glücklich macht
Teil 11: Aufräumen für die Neue
Teil 10: Heimweh
Teil 9: Endlich zu Hause
Teil 8: Geburtstag feiern und Fasten an Jom Kippur
Teil 7: Deutsche Kinderlieder und jüdisches Neujahrsfest in Isreal
Teil 6: Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz
Teil 5: Wie man einen Granatapfel richtig isst
Teil 4: Verschlafen, zum ersten Mal im Leben
Teil 3: Erste Eindrücke aus dem Kibbuz
Schnappschuss: Koscher essen bei McDonald
Teil 2: Einreise und andere Beschwerden
Teil 1: Fernweh: (M)ein Jahr auf heiligem Boden

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1 Kommentar
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 22.09.2014 | 19:36   Melden
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