Familienfeier und Putzaktion

Eine Wasserschildkröte vorm Teich

Der Sukkot vor der Tür

Die sechste Woche neigt sich langsam dem Ende zu und ich bin endlich angekommen. Israel ist jetzt mein Zuhause. So fühle ich mich nicht mehr fremd, nur manchmal unverstanden. Aber damit kommen auch Probleme. So stellt mir mittlerweile jeder Zweite die Frage, ob ich nicht für immer hier bleiben wollen würde. Für immer?

Die Menschen in diesem Land sind nett und freundlich, jedoch kann ich das auch von allen anderen Ländern behaupten. So wollte ich früher schon in die Türkei oder nach Ägypten auswandern. Der Nahe Osten ist einfach so verlockend. Die Gewürze, das Klima, die Kultur und diese traumhaften Landschaften lassen mein Herz immer wieder auflachen. Und Israel? – Tja, dieses Land hat neben dem orientalischen (marokkanischen) Einfluss auch noch den Europäischen.
So war ich gestern zum Sukkotessen von Liat und ihrer Familie eingeladen. Gefeiert wurde in Tlamim und da Liat’s Großmutter aus Deutschland stammt, musste ich natürlich mit dabei sein. Die Großmutter ist jetzt stolze 90 Jahre alt, hat 2 Kinder, 7 Enkel und 11Urenkel. Dass heißt Liat hat vier Geschwister. Drei davon habe ich gestern kennengelernt, sowie 7 Urenkel. Doch die ältere Dame ist noch sehr fit, lacht und regt sich über die „Krankheit Smartphone“ auf. Dabei spricht sie noch perfekt deutsch, obwohl sie 1936 nach Israel ausgewandert ist. Ihr verstorbener Mann stammte aus Essen und so zogen sie ihre Kinder (Liat´s Mutter) zweisprachig auf. So konnte ich gestern sehr viel lachen und wurde prompt Teil der Familie. Lait’s ältester Bruder hat 5 Jahre in Deutschland gelebt und wenn ich mal nach Tel Aviv komme, will er mit mir Einen trinken gehen. Na, bitte. Bei der Verabschiedung musste ich mir leider noch anhören, wie schüchtern ich doch sei und beim nächsten Mal ein wenig offener zu sein. Da musste ich doch wirklich sehr lachen. Wenn die wüssten!
Aber ich denke, dass zeigt wie sehr ich zwischen zwei Welten lebe. Daheim warten meine Eltern, mein Kater und meine Zukunft. Aber die Realität findet gerade in Israel statt. So rede ich mir selbst ein, dass wenn es soweit ist, ich schon die richtige Entscheidung treffen werde. Es sind ja noch 11 Monate.

Wochenstory Nummer 4:

Unter der Woche sollte ich mit einer der Gruppen in Tlamim den Essenssaal durchwischen. Das passiert jeden Tag nachdem großen Mittagessen und ich hätte nicht gedacht, wie lustig dass doch sein kann. Erst einmal bekommt jeder einen Wischer in die Hand, dann rennt ein Anderer mit einem Eimer auf Toilette und füllt diesen mit Wasser. Das Wasser verteilt die Person dann im Saal. Kurz danach wuseln alle durcheinander und befördern das Wasser durch die Tür auf den Hof. Ich habe dann in der Küche ein Radio gefunden und die CD, welche darin war, abgespielt. Da trällerte irgendein Sänger auch schon los. Also habe ich die Gunst der Stunde genutzt und habe mit dem Wischer tanzend den Boden gewischt. Manchmal liebe ich es mich zum „Affen“ zu machen. Aber siehe da, eine der Frauen die in der Küche arbeitet, hat einfach mitgemacht. So findet man eben Freunde.

Lesen Sie mit:

Teil 21: Halbzeit - Bilanz nach sechs Monaten in Israel
Teil 20: Kurzmeldung
Teil 19: Winterferien in Israel
Teil 18: Weihnachten in Israel
Teil 17: Glaubenskrisen
Teil 16: Bilanz nach drei Monaten
Teil 15: Geburtstag und die Reise nach Jerusalem
Teil 14: Angst und Anschläge in Israel
Teil 13: Ahmadiyya, Drusen und Beduinen - Vielfalt der Religionen
Teil 12: Warum Regen glücklich macht
Teil 11: Aufräumen für die Neue
Teil 10: Heimweh
Teil 9: Endlich zu Hause
Teil 8: Geburtstag feiern und Fasten an Jom Kippur
Teil 7: Deutsche Kinderlieder und jüdisches Neujahrsfest in Isreal
Teil 6: Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz
Teil 5: Wie man einen Granatapfel richtig isst
Teil 4: Verschlafen, zum ersten Mal im Leben
Teil 3: Erste Eindrücke aus dem Kibbuz
Schnappschuss: Koscher essen bei McDonald
Teil 2: Einreise und andere Beschwerden
Teil 1: Fernweh: (M)ein Jahr auf heiligem Boden

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3 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 11.10.2014 | 19:32   Melden
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 12.10.2014 | 19:44   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 20.10.2014 | 17:51   Melden
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