Fernweh : (M)ein Jahr auf „heiligem“ Boden

Einmal nach Israel, bitte


12 Jahre lang habe ich stets ein und dasselbe gemacht: in die Schule gehen. So bin ich täglich gegen 6 Uhr aufgestanden, um halb 7, mit Roller oder Bus, zur Schule zu fahren. Dort saß bis zum Nachmittag auf der Schulbank und kaum Zuhause angekommen, versuchte ich Hausaufgaben zu erledigen beziehungsweise zu lernen.

Dann stopfte ich meine Wochenenden und Ferien mit Seminaren, Kinder- und Jugendcamps oder Reisen voll. Nach 12 Jahren stelle ich fest, dass ich Schülerin, Klassensprecherin, „Jugendautorin“, Fußballspielerin, Teamleiterin, Koordinatorin, Delegierte, ehrenamtliches Mitglied der Jugend des Technischen Hilfswerks war und wenn dann Zeit übrig blieb, half ich unserem Pfarrer und seiner Frau in unserer Gemeinde aus.

Da man ja nun 12 Jahre nichts anderes gemacht hat, als zur Schule zu gehen, versucht man gleich zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren. Schließlich möchte man ja Geld verdienen und endlich fertig werden mit dem rumsitzen und lernen. Wenn man nach 3 Jahren einen Abschluss hat, geht man arbeiten, heiratet und/oder bekommt Kinder. Aber richtig was erleben und „frei“ sein, ist dann in den meisten Fällen nicht mehr möglich. In der Regel hat man dann eben auch andere Verpflichtungen.
Also habe ich beschlossen, bei der Diakonie Mitteldeutschland ökumenischen Friedensdienst zu leisten. So soll nun am 27.8.2014 mein Flieger von Frankfurt nach Tel Aviv starten und mich erst nach 365 Tagen wieder nach Hause bringen. Denn ich werde ein Jahr meines Lebens in dem Land verbringen, in dem vielen Menschen der Bevölkerung nicht mehr an Frieden glauben, keine Schweine gehalten werden, man Koscher isst und die Männer älter werden, als in keinem anderen Land der Welt.
Mein Plan: Als eine junge Frau zurück kommen, die die Welt mit anderen Augen sieht und auf eigenen Beinen stehen kann. Zu meinem Glück, bin ich die einzige Deutsche in meinem Projekt, folglich darf ich meine versteckten Englischkenntnisse hervorkramen und hebräisch lernen. Was genau ich in Kfar Meggido zu tun haben werde, kann mir niemand so genau sagen, denn ich werde dort als erste Freiwillige leben und arbeiten.
Ich habe mich bereits von all meinen Freunden und Verwandten verabschiedet. Natürlich machen sich alle Sorgen, vor allem auf Grund der derzeitigen Situation in Israel. Dazu meine wahrheitsgemäße Aussage: „ Ich bin im nördlichen Teil des Landes untergebracht. Die Grenzen zum Libanon und Syrien sind allerdings noch einige Kilometer entfernt. Mir passiert schon nichts.“ In der Regel sind die Meisten dann gleich beruhigt.
Mein Koffer ist auch schon gepackt. Was sich allerdings als schwere Aufgabe herausstellte, denn von 23 Kilogramm die ich mitnehmen kann, sind 13 schon an Glücksbringer, Kosmetika, Wasserreinigungstabletten und andere gesundheitsfördernde Produkte vergeben. Der Rest wird von T-Shirts und kurzen Hosen belegt. Vor Ort werde ich dann sehen, was ich vergessen habe. Das darf dann meine Mutter nachschicken.
Wöchentlich werde ich versuchen, meine Erlebnisse, Erkenntnisse und was mir auch sonst noch so wiederfährt, dem Rest Deutschlands mitzuteilen.

Lesen Sie mit:

Teil 21: Halbzeit - Bilanz nach sechs Monaten in Israel
Teil 20: Kurzmeldung
Teil 19: Winterferien in Israel
Teil 18: Weihnachten in Israel
Teil 17: Glaubenskrisen
Teil 16: Bilanz nach drei Monaten
Teil 15: Geburtstag und die Reise nach Jerusalem
Teil 14: Angst und Anschläge in Israel
Teil 13: Ahmadiyya, Drusen und Beduinen - Vielfalt der Religionen
Teil 12: Warum Regen glücklich macht
Teil 11: Aufräumen für die Neue
Teil 10: Heimweh
Teil 9: Endlich zu Hause
Teil 8: Geburtstag feiern und Fasten an Jom Kippur
Teil 7: Deutsche Kinderlieder und jüdisches Neujahrsfest in Isreal
Teil 6: Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz
Teil 5: Wie man einen Granatapfel richtig isst
Teil 4: Verschlafen, zum ersten Mal im Leben
Teil 3: Erste Eindrücke aus dem Kibbuz
Schnappschuss: Koscher essen bei McDonald
Teil 2: Einreise und andere Beschwerden
Teil 1: Fernweh: (M)ein Jahr auf heiligem Boden

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 27.08.2014
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 22.08.2014 | 13:43   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 24.08.2014 | 17:11   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 09.09.2014 | 17:21   Melden
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