Heimweh

der deutsche Herbst in Radis 2012

Diese Woche wollte ich eigentlich über den Sukkot berichten, das sogenannte Laubhüttenfest. Denn das Lustigste an diesem Fest sind die Regeln, wie man besagte Hütten zu bauen hat. Allerdings bedeutet dies auch, dass in Israel Ferien sind. Also war in Tlamim nichts los. Seit vielen Jahren, weiß ich endlich wieder was Heimweh ist

.

Heute hat nämlich meine Mutter Geburtstag. Meistens war ich an ihrem Geburtstag nicht da, weil er in die Herbstferien fiel und ich im Harz zu einem Schreibcamp war. Aber in den Herbstferien sind wir damals (2005) das erste Mal in den Urlaub geflogen, nach Kreta. Da ist mir auch der „gute“ Schliemann zum ersten Mal begegnet. Aber was diese Woche noch schlimmer war beziehungsweise ist: am 17.10.1964 haben die Eltern meines Vaters geheiratet. So wurde heute Goldene Hochzeit gefeiert. Seit 5 Jahren erzählt meine Großmutter davon und nun bin ich nicht dabei. So oft ich auch im Klinsch mit meiner Familie war, so sehr liebe ich sie auch. Bei dieser Feier sind sie fast alle da, meine Cousins, Onkel und Tanten. So stelle ich sie mir vor: angetrunken, lachend und Geschichten erzählend. Das tut am meisten weh. Denn sowas kommt nie wieder. Ich dagegen sitze hier allein in meinem Apartment und mache nichts. So fasse ich mir jetzt ein Herz und schreibe, was ich an Megiddo/Israel liebe. Dann tut es vielleicht nicht mehr ganz so weh.
Ich liebe es am Abend durch den Kibbuz zu laufen, wenn es dunkel wird und es dennoch so warm und schwül ist. Ich liebe es, am Morgen mein Fenster zu öffnen und die Palmen zu sehen. Ich liebe es zur Abreit zu gehen, am Haushund vorbei, dem Nachbarn winkend und in Tlamim mit einem „Guten Morgen“ begrüßt zu werden. Dann setze ich mich neben Julia, die mich fragt, wie es mir geht und mir 100 Geschichten erzählt. Danach schlendern wir in den Stall und ich muss mit allen abklatschen. Ich liebe es, wenn Kuti mich mit Stroh bewirft und ich auf Hebräisch „zu getextet“ werde. Ich liebe es mit Dori herum zu kaspern und wenn alle mich angrinsen. Ich bin glücklich, wenn ich am Mittagstisch sitze. Am Abend habe ich nichts zu tun. Ich muss nicht lernen, Hausarbeiten schreiben oder sowas. Mein Kopf ist frei und das, liebe ich am aller, aller meisten.

Lesen Sie mit:

Teil 21: Halbzeit - Bilanz nach sechs Monaten in Israel
Teil 20: Kurzmeldung
Teil 19: Winterferien in Israel
Teil 18: Weihnachten in Israel
Teil 17: Glaubenskrisen
Teil 16: Bilanz nach drei Monaten
Teil 15: Geburtstag und die Reise nach Jerusalem
Teil 14: Angst und Anschläge in Israel
Teil 13: Ahmadiyya, Drusen und Beduinen - Vielfalt der Religionen
Teil 12: Warum Regen glücklich macht
Teil 11: Aufräumen für die Neue
Teil 10: Heimweh
Teil 9: Endlich zu Hause
Teil 8: Geburtstag feiern und Fasten an Jom Kippur
Teil 7: Deutsche Kinderlieder und jüdisches Neujahrsfest in Isreal
Teil 6: Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz
Teil 5: Wie man einen Granatapfel richtig isst
Teil 4: Verschlafen, zum ersten Mal im Leben
Teil 3: Erste Eindrücke aus dem Kibbuz
Schnappschuss: Koscher essen bei McDonald
Teil 2: Einreise und andere Beschwerden
Teil 1: Fernweh: (M)ein Jahr auf heiligem Boden

Haben auch Sie Lust über Ihre Reisen zu berichten? Machen Sie mit und werden Leserreporter. Für Fragen stehe ich gern zur Verfügung: Kathleen Bendick mz-buergerreporter@mz-web.de
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3 Kommentare
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 18.10.2014 | 19:56   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 19.10.2014 | 16:44   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 20.10.2014 | 07:36   Melden
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