Mein Winterurlaub in Israel

Caesarea
 
Akko
 
Tel Megiddo
 
Was gibts hier zu wissen?

Alle haben drauf gewartet und nun endlich kommt der zweite Teil meines Urlaubes. Irgendwie war mir klar, dass ich erst wieder eine Woche auf Arbeit „rumbekommen“ muss, bevor ich Zeit habe diesen Bericht hier fertig zustellen. Dass ich dann aber zwei Tage daran schreibe, hätte ich auch nicht gedacht.

Am 27.12 bin ich mit meinen Eltern nach Caesarea gefahren. Die Überreste der einstigen Hafenstadt, bei der von König Herodes bishin zum Sultan Baibars sämtliche Epochenmerkmale nachweisbar sind. Von dort aus hatte ich eine kleine kulinarische Reise nach Akko (Acre) geplant. Diese kleinere Hafenstadt, deren Altstadt sich in muslimischer Hand befindet, ist Zeugnis eines fast durchgängig friedlichen Zusammenlebens von Muslimen und Juden. Leider habe ich den richtigen Weg durch die Altstadt erst zu spät gefunden, so dass wir uns die Überreste der Kreuzfahrerbauten nicht ansehen konnten. Dafür ist Akko trotzdem eine wunderschöne kleine Stadt. Fast 3 Stunden verbrachten wir dort um dann nach Haifa zu fahren. Dort warfen wir uns ins Weihnachtsgetümmel der deutschen Kolonie und betrachteten die Bahai Gärten von unten. Nachdem dann alle genug vom Kitsch des israelischen Verständnisses von Weihnachtsschmuck hatten, konnten wir endlich den Abend in Megiddo ausklingen lassen.

Den 28.12 begannen wir mit einem Frühstück, wobei ich meine Eltern vorher verlassen musste. Schließlich hatte ich auf Arbeit verspochen der generellen Sonntagsunterbesetzung ein wenig Abhilfe zu verschaffen. Meine Eltern folgten dann 15 Minuten später. Während ich im Stall die Stellung hielt, war mein Vater mit dem Verschneiden des Weines beschäftigt. Was bis heute für hohes Ansehen sorgt. Nachdem wir dann um 10 Uhr in die Mittagspause gehen konnten, bin ich mit meinen Eltern nach Armageddon aufgebrochen. Also erst mal auf den Berg hochwandern, Ticket gelöst und ab durchs Tor. Raus ging es allerdings durch einen Tunnel. Immerhin wartet ja das Mittagessen auf uns. Danach verabschiedete ich mich im Projekt und mit gepackten Koffern ging es dann nach Jerusalem, einchecken im Hostel und der Sonntag war auch vorbei.

Am Montag konnten wir ein wenig länger schlafen (8 Uhr). Denn erst am Nachmittag hatten wir eine Tour zum Ölberg gebucht. So waren wir am Vormittag bummeln und am Nachmittag auf dem Ölberg. Sahen die unterschiedlichsten Plätze an denen Jesus in der Himmel gefahren sein soll und besichtigten auch Maria’s Grab. Unser Reiseleiter stammte aus England und sprach leider kein deutsch. Sehr zum Leidwesen meiner Eltern, doch ich versuchte meine Übersetzungsfähigkeiten so gut wie möglich einzusetzen. Der Reiseleiter selbst konnte mit seinem englischen Humor bei mir punkten. Zum Abendbrot gab es dann gefülltes Pita.

Für den Dienstag hatte ich eine Tour durch die Westbank (Palästina) herausgesucht. Start war um 8 Uhr gen Ramalah; „Hauptmetropole“ Palästinas. Ich bin ehrlich. Schön, dass ich einmal da war, Arafats Grab habe ich nun auch einmal gesehen. Aber ja, dass war es dann auch schon. Jericho mit seiner Jahrtausendaltengeschichte, dem Bergkloster und dem tollen Ausblick war schon schöner. Von dort ging es dann zum Jordan, an die Stelle an der Jesus angeblich getauft worden ist. Letzter Programmpunkt war Betlehem. Also wieder alle rein in die Geburtskirche, diesmal mit Führung. Persönlich fand ich es ganz interessant. Als Christ mit europäischer Bildung eben nur ein Symbol. An der Mauer welche Palästina und Israel trennt, erzählte der Reiseleiter seine Sicht der Dinge (teilweise sehr persönlich). Dabei tat es mir leid, dass meine Eltern ihn nicht verstanden haben und ich nicht gut genug übersetzen konnte. Hier in Israel sehe ich jeden Tag eine weiße und eine schwarze Seite. Dabei bin ich selbst grau und beide Farben wollen mich auf ihre Seite ziehen. So kämpfe ich täglich um das Grau nicht zu verlieren.

Die Altstadt und deren Besichtigung , als selbst ernannter Tourguide für meine Eltern, hatte ich auf den Mittwoch gelegt. So wanderten wir durch die Neustadt, das Künstlerviertel und von dort über den Teddipark zum Jaffagate, rechts ab rein in das armenische Viertel zum Zionsberg, in der Nähe von König Davids Grab. Weiter von dort zur Klagemauer, über die Vio Dolorosa mit dem Ziel der Auferstehungskirche. Dann mussten wir uns beeilen um nach rechtzeitig auf den Tempelberg zu kommen. Knapp 10 Minuten waren wir dann noch erlaubt oben zu verbringen. Dann tingelten wir langsam zurück zum Hostel, um noch ein wenig zu ruhen. Denn schließlich erwartete uns am Abend Silvester! Das Hostel veranstalte dazu eine Kopfhörerparty. Also bekamen alle Gäste der Party kabellose Kopfhörer auf, und konnten somit tanzen, ohne andere Hostelgäste zu belästigen. Ich habe mich natürlich in diese Art von Party verliebt. Um 00 Uhr kam dann auch der Countdown über die Kopfhörer, während meine Eltern und ich auf der Dachterrasse waren. Denn Empfang hatte man überall im Gebäude. Gegen 1 Uhr israelischer Zeit konnten wir dann endlich auch in Deutschland ein „frohes Neues“ wünschen und meiner Oma zum Geburtstag zu gratulieren.

Den gesamten Donnerstagvormittag verbrachten wir in Yad Vashem. Wie in jedem Museum konnte ich auch beim zweiten Besuch wieder neue Dinge entdecken: über den Holocaust, das Judentum und auch den zweiten Weltkrieg. Natürlich hatte ich danach wieder ein total schlechtes Gewissen und war mir meines „Erbe“ und meiner Aufgabe in Israel wieder bewusster.
Für den Abend konnte ich meine Eltern überzeugen mich zum Christustreff zu begleiten. Wie nicht anders zu erwarten verliebten sich meine Eltern auch gleich ins Johanniter Hospiz. Der Abend nahm somit einen wundervollen Ausklang.

Der beste Tag am ganzen Urlaub war der Freitag, wenn er auch um 3 Uhr am frühen morgen begann. Um 4 Uhr fuhr dann der klein Bus nach Masada ab und wieder erwischten wir einen sehr skurilen Touristenführer. Nun gut. Leider hatte ich nicht bedacht, dass bei der Tour „Masada Sonnenaufgang“ die Gondelbahn noch nicht fährt. Tja, so mussten meine Eltern und ich nach oben „wandern“. Zum Glück war es noch dunkel um diese Uhrzeit, sonst hätte ich es definitiv nicht überlebt. Aber wir haben es sogar rechtzeitig geschafft! Dann hatten wir noch knapp 2 Stunden zum besichtigen. Entspannen durften wir danach in Ein Gedi. Einer kleinen Oase mit fließend Wasser und schöner Natur. Da wir so gegen 9 Uhr dort auftauchten, waren auch kaum andere Besucher da. Ich fand es äußerst entspannend. Der Höhepunkt kam allerdings zum Ende der Tour: baden im Toten Meer. Einfach zur das aller, aller Beste überhaupt! Zurück in Jerusalem versuchte ich mit meiner Mutter noch schnell die letzten Schnäppchen im Toten Meer Shop zu ergattern, 10 Minuten vor Sabbatbeginn. Meinen Vater ließen wir alleine zum Supermarkt spazieren und ich musste herzhaft lachen, nachdem er mir erzählt was ihm passiert war. In Jerusalem wird der Sabbat sehr ernst genommen, so kam im Supermarkt eine Durchsage woraufhin alle Einkäufer anfingen durch die Gegend zu rennen um noch vor Ladenschluss alles zu ergattern. So endet der Freitag für uns ziemlich entspannt und ausgeglichen.

Der Flug, welcher meine Eltern nach Hause bringen sollte, kam früh um 6 Uhr. So fuhren wir mitten in der Nacht mit einem Sammeltaxi zum Airport. Das Einchecken verlief relativ schnell und so tranken meine Eltern einen letzten Kaffee am Flughafen. Es war nicht das erste Mal, dass ich meine Eltern zum Flughafen brachte und auch nicht das erste Mal das sie ohne mich flogen. Aber dieses Mal war ich es, die nicht nach Hause kommen sollte. Ich war nicht traurig sie gehen zu lassen. Eher froh endlich wieder meine Ruhe zu haben. Das war natürlich Spaß! Es tat gut sie bei mir gehabt zu haben. So als wäre es fast ein normaler Urlaub gewesen. Mit dem Sammeltaxi fuhr ich zurück nach Jerusalem, wankte ins Hostelzimmer und schlief bis zum Mittag. Gegen 14 Uhr war ich mit Miriam im Kloster verabredet. Also wanderte ich 30 Minuten durch Jerusalem um dann mit ihr Filme zu schauen und später Abendbrot zu essen. Gegen 20 Uhr waren wir auf einem kleinen Konzert von orthodoxen Juden. Zusammen verabschiedeten wir den Sabbat und ich fand es sehr interessant mir auch mal sowas anzusehen beziehungsweise mit zu erleben.

Am Sonntag checkte ich gegen 7 Uhr im Hostel aus, fuhr zum Hauptbahnhof und traf dort Sangmo und Grace. Zusammen machten wir uns nach Megiddo auf, schließlich musste ich wieder arbeiten. Ziemlich glücklich kam ich wieder „Zuhause“ an. Auf Arbeit wurde ich auch ganz schön vermisst. Wie immer!

Lesen Sie mit:

Teil 21: Halbzeit - Bilanz nach sechs Monaten in Israel
Teil 20: Kurzmeldung
Teil 18: Weihnachten in Israel
Teil 17: Glaubenskrisen
Teil 16: Bilanz nach drei Monaten
Teil 15: Geburtstag und die Reise nach Jerusalem
Teil 14: Angst und Anschläge in Israel
Teil 13: Ahmadiyya, Drusen und Beduinen - Vielfalt der Religionen
Teil 12: Warum Regen glücklich macht
Teil 11: Aufräumen für die Neue
Teil 10: Heimweh
Teil 9: Endlich zu Hause
Teil 8: Geburtstag feiern und Fasten an Jom Kippur
Teil 7: Deutsche Kinderlieder und jüdisches Neujahrsfest in Isreal
Teil 6: Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz
Teil 5: Wie man einen Granatapfel richtig isst
Teil 4: Verschlafen, zum ersten Mal im Leben
Teil 3: Erste Eindrücke aus dem Kibbuz
Schnappschuss: Koscher essen bei McDonald
Teil 2: Einreise und andere Beschwerden
Teil 1: Fernweh: (M)ein Jahr auf heiligem Boden

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3 Kommentare
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 18.01.2015 | 19:04   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.01.2015 | 21:03   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 21.01.2015 | 11:29   Melden
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