Willkommen Zuhause!

Ein Granadapfelbaum- Es ist Saison!

Es gibt kein „zurück“ mehr!

Ich habe nicht vor Reiseberichte zu schreiben. Ich wollte erklären, was ich fühle, denke und was mir wiederfährt. Dazu gehört auch eine subjektive Sicht meinerseits. Ich liebe den Kibbuz, meine Wohnung, die Leute, das Essen und am wichtigsten meine Arbeitsstelle.

Kaum war ich am Sonnabend in Megiddo angekommen, wurde ich bereits von Zuika zum Abendessen eingeladen. Der nette Mann, dessen jüngere Tochter im Projekt (Tlamim) arbeitet, musste mich allerdings am Abend erstmals suchen. Ich habe mir den Kibbuz gar nicht so groß vorgestellt. Es gibt einen alten und einen neuen Siedlungsteil und alles ist wie ein Kreis aufgebaut, das heißt letztendlich sehen die Straßen auch identisch aus. Interessant ist daran nur, dass auch ein Haus dem anderen gleicht. Am Spielplatz konnten wir uns endlich finden. Davon gibt es zum Glück nur 3. Als ich eingestiegen war, nutzte Dona (der Familienhund) die Gust der Stunde um vom Pickup zu springen. Also suchten wir erst einmal den Hund. Generell ist es im Kibbuz so, dass alle ihre Tiere frei herum laufen lassen, jeder hat einen Hund oder eine Katze, oder gleich einen ganzen Haufen davon.

Zuika´s Frau stammt aus den Niederlanden und wurde damals von ihrem Vater kontra "deutsch" aufgezogen. Dieser hatte im 2. Weltkrieg gekämpft. Mittlerweile findet sie aber, dass es an der Zeit ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen. An dem Abend erzählten wir viel über Berlin, ihren Rheinurlaub und wie oft sie doch ihr Heimatland vermisst. Zuika war gegen um 20 Uhr schon wieder auf dem Sprung, denn am Sonnabend treffen sich alle Kibbuzmitglieder, welche Interesse haben, im großen Saal. Dort stimmt man dann über Projekte ab, was mit Geldern gemacht wird und so weiter. Ein System, welches ich durchaus lobenswert finde.

Am Montag war also mein erster Arbeitstag und ich muss gestehen, die Tage verschwimmen in einander. Ich habe zu viele Leute kennengelernt, musste bestimmt 20 Handynummern abspeichern, denn: „ Wenn du Probleme hast, dann melde dich bitte!“. So gibt es aber trotzdem ein paar wichtigere Personen, welche sich um mich kümmern. Das wären Liat, Dori, Kuti, Shimrit und Izhak.

Izhak ist der Projektleiter von Tlamim und Shimrit eine Art Sekretärin. Liat, Dori und Kuti sind mit einer Gruppe von aktiveren und belastbaren Behinderten im Schafstall. Dann gibt es noch die Kochgruppe, diese kümmert sich um das Mittagessen und verrichtet wunderbare Arbeit. Eine andere Gruppe kümmert sich um die Ziegen, Pferde, Hühner und den Esel. Um den Garten und die Obstbäume kümmert sich die vierte Gruppe, welche auch die Landschaft dekoriert. Zu guter letzt wäre da noch die Gruppe von Julia. Sie betreut und bastelt mit Menschen, welche kraftlos und auch etwas älter sind.

Mein derzeitiger Arbeitsbereich ist der Schafstall und Liat meine Ersatzmutti. Sie ist es auch die halb 8 vor meiner Tür steht und 8 Kisten mit sämtlichen Sachen vorbei bringt. So habe ich neben einem Backofen und einer Herdplatte auch ein Sandwicheisen. Mit Handtüchern bin ich auch versorgt, insgesamt 6 Stück habe ich nun. Seit gestern besitze ich auch einen Fernseher, damit ich deutsches Programm sehen kann. Ich habe wirklich keine Ansprüche gestellt und ich glaube, dass Liat deshalb enttäuscht ist. Sie will es mir so perfekt wie möglich machen, dass ich bereits überfordert bin.

Hiermit führe ich ein, einmal die Woche von einer lustigen Begebenheit zu schreiben!


MEINE WOCHENSTORY Nummer eins:

Der Alltag im Projekt beginnt um 8 Uhr und endet um 15 Uhr, bei starker Hitze verschiebt sich die Zeit um eine Stunde nach vorne. So bin ich täglich pünktlich im Projekt. Mittlerweile bin ich voll integriert, so dass ich zusammen mit Kuti auf einem Strohballen saß. Kuti ist wie ein großer Bruder, der die ganze Zeit mit mir Blödsinn anstellt. So find er an mich mit Stroh zu beschmeißen. Nun muss man wissen, dass er nur leichte Stoppeln anstatt Kopfhaaren besitzt und er so einfach das Stroh abschütteln kann. Anders als bei meinen Haaren. Plötzlich bemerkte ich eine riesen große Spinne auf meinem Oberschenkel. Wirklich gigantisch. Diese stieß ich vor lauter Schreck von meinem Schenkel und flüchtet mich laut schreiend vom Strohballen. Nun hatte ich die Höhe unterschätzt und landete auf dem Hosenboden.

Eigentlich bin ich kein großer Angsthase, aber am Dienstag fand ich ein totes Lamm. Dieses war an einem Schlangenbiss gestorben. Dori sah mich dann gleich mit angsterfülltem Gesicht an: „ Anna, du musst wirklich aufpassen. Wir haben hier tödlich giftige Schlangen! Ja? Pass auf dich auf!“ Also setzte ich mich an den PC und suchte nach giftigen Tieren in Israel. Davon gibt es mehr als genug. Eine Schlange ist sogar auf Platz 5 der giftigsten ihrer Art. So entdeckte ich auch einen Vermerk auf eine Spinne. Erst später laß ich, dass diese viel kleiner ist als Jene, welche auf meinem Schenkel saß. Da war ich allerdings schon zum Lacher geworden.
Danke für mehr als 1600 Leser!

Lesen Sie mit:

Teil 21: Halbzeit - Bilanz nach sechs Monaten in Israel
Teil 20: Kurzmeldung
Teil 19: Winterferien in Israel
Teil 18: Weihnachten in Israel
Teil 17: Glaubenskrisen
Teil 16: Bilanz nach drei Monaten
Teil 15: Geburtstag und die Reise nach Jerusalem
Teil 14: Angst und Anschläge in Israel
Teil 13: Ahmadiyya, Drusen und Beduinen - Vielfalt der Religionen
Teil 12: Warum Regen glücklich macht
Teil 11: Aufräumen für die Neue
Teil 10: Heimweh
Teil 9: Endlich zu Hause
Teil 8: Geburtstag feiern und Fasten an Jom Kippur
Teil 7: Deutsche Kinderlieder und jüdisches Neujahrsfest in Isreal
Teil 6: Eselreiten und Arbeitsalltag im Kibbuz
Teil 5: Wie man einen Granatapfel richtig isst
Teil 4: Verschlafen, zum ersten Mal im Leben
Teil 3: Erste Eindrücke aus dem Kibbuz
Schnappschuss: Koscher essen bei McDonald
Teil 2: Einreise und andere Beschwerden
Teil 1: Fernweh: (M)ein Jahr auf heiligem Boden

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3 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 08.09.2014 | 15:15   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 09.09.2014 | 17:18   Melden
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Chanan Paldi aus Weißenfels | 11.09.2014 | 05:15   Melden
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