Lebenszeichen

an der Elbe mit meinen Gästen und meinem Vater

Ja, ich lebe noch. Gerade gemütlich im Zug nach Leipzig, um über Frankfurt (Main) zurück nach Darmstadt zu fahren. Meine Ethikhausarbeit müsste zwar abgetippt werden, aber ich weiß, dass ich „Fans“ habe, die gerne wieder von mir lesen würden. Und hier kommt endlich der Artikel. Der Text, der schon vor Monaten hätte kommen sollen.

Neubeginn in Hessen


In Darmstadt habe ich mich sehr gut eingelebt. Ich mag die Stadt, liebe mein Studium und habe neue Freunde. Mein bester Freund in Darmstadt, wer wird es glauben, ist einer der Mars One Kandidaten. Der einzige Deutsche, der 2026 wahrscheinlich zum Mars fliegen wird. Verrückt, oder? Robert P. Schröder heißt der gute Mann und ist in meinem Leben kaum weg zu denken. Genauso wie die meisten anderen Leute. In den letzten Wochen war ich oft beim Eishockey der Darmstädter Dukes, zum Fußball habe ich es noch nicht geschafft. Karten zu bekommen erweist sich als äußerst schwierig.
Mein neues deutsches Leben ist verrückt bis skurril. Zum Weihnachtsfest hatte ich Besuch von May, Sangmo und Grace. Sie kamen aus Israel, um mich zu besuchen. Es war ein wildes und lustiges Durcheinander. Am Wochenende war ich in Halle (Saale). Irene, mit der ich in Israel war, hat geheiratet! Zusammen mit Miriam und zwei weiteren deutschen Mädchen aus meinem Jahr in Israel, waren wir eingeladen. Ich habe sehr viel geweint, aus Freude und Stolz und nun ja auch ein bisschen aus Neid. Sie hat eine sehr tolle Familie.


Bekannt als Bürgerreporterin

Irenes Vater hat in mir den „rasenden Reporter“ mit den witzigen und interessanten Artikeln wiedererkannt. Da musste ich ja endlich wieder schreiben. Ich hätte nie gedacht, wie weit es meine Texte schaffen. Vor allem die in der MZ abgedruckten Artikel haben so viele Menschen, auch emotional, erreicht.
Was in meinem Heimatland gerade passiert, kann ich nicht erklären. Ich möchte und will mich dazu nicht äußern. In Sachsen-Anhalt fühle ich mich fremd. Ich kann den meisten Menschen nicht sagen, dass ich mit Flüchtlingen arbeite. (Wer hätte auch damit gerechnet.) Es kommt vor, dass man sich von mir abwendet und dann erzähle ich auch gar nicht mehr weiter. Weder von Israel noch von meinen Grenzerfahrungen. Es würde nichts ändern.

Prägender Besuch in der Gedenkstätte

Für mein Studium habe ich die hessische Stadt Hadamar besichtigt. Um genauer zu sein, die Euthanasiestätte. Eine ehemalige Psychiatrie, in der Menschen mit Beeinträchtigung, Traumata usw. während des Nationalsozialismus ermordet worden. Ebenso wie deutsche Soldaten, welche im Krieg nicht mehr einsetzbar waren. Oder deutsche Frauen, die sich selbst einwiesen, da sie epileptische Anfälle hatten. Meistens ausgelöst durch Flieger- und Bombenalarme. Generell bin ich mit diesem Thema in meinem Studium beschäftigt. Meine Ethikarbeit schreibe ich über das Thema der Diskriminierung und Aussonderung. Ein schweres Gebiet. Vor allem jetzt.

Mögliche Rückkehr nach Dessau-Roßlau

Vielleicht ist es deshalb besser, dass ich in Hessen lebe. Noch dazu in einem Landkreis, der überwiegend grün „regiert“ wird. Darmstadt selbst ist die Stadt der Zukunft. Zwischen Integration und Wissenschaft, einer boomenden Wirtschaft und Unmengen von Arbeitsplätzen. Ich habe innerhalb einer Woche drei Jobangebote bekommen.
Und dennoch glaube ich an Dessau- Roßlau. Ich möchte irgendwann zurückkommen in meine Heimat. Vielleicht werde ich ja Oberbürgermeisterin!? Die Zukunft ist schließlich noch nicht erzählt.


Israel oder...?


Israel erweckt in mir eine unbeschreibare Sehnsucht und Trauer. Eine tiefsitzende Trauer. Aber einen Besuch schiebe ich hinaus. Obwohl ich im Februar zurückfliegen wollte, bin ich mit meinen Eltern doch nach London gereist. Das erste Mal war ich in England und habe eindeutig genug von roten Bussen gesehen. Es war allerdings doch gut, in ein anderes Land zu reisen. Ich kann nicht auf der Stelle stehenbleiben. Man muss vorankommen im Leben. 2017 geht es für mich wieder los. Ungefähr sechs Monate werde ich im Ausland studieren. Favoriten sind Spanien, Ghana, Irland, Island usw.

Heute ist mein Spanischkurs: Sprache numero cinco (5). Na ja und nur das ist der Grund, weshalb ich nach Hause fahre. Nach Darmstadt. Zu meinen Kommilitonen, die alle ein Jahr im Ausland waren (Finnland, Tansania, USA, Kambodscha, Indien, Australien, Japan…) und auf mich warten. Zu meinem Freund und seiner Familie. Denn auch da hat sich etwas getan. Ein abermals neues Leben, mit neuen Türen und neuen Abenteuern, mit finanziellen Engpässen und schlaflosen Nächten. Zurück werden wir wie immer zusammen lernen, planen, diskutieren und vielleicht ein bisschen feiern gehen. Denn alles im allem, kann das Leben schön sein. Es ist kalt und warm. Bunt und farblos. Eine Berg- und Talfahrt. Aber immer noch ein Leben.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Facebook | Erschienen am 15.03.2016
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5 Kommentare
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 14.03.2016 | 17:07   Melden
MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 14.03.2016 | 17:47   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 14.03.2016 | 19:20   Melden
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 15.03.2016 | 10:46   Melden
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Béatrice Haas aus Dessau-Roßlau | 15.03.2016 | 22:19   Melden
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