Alle Jahre wieder: Advent in der Wassermühle Röblingen

   

Die 6. Auflage des vorweihnachtlichen Happenings an der Feuertonne – Röblingen am See, 16.12.2017

Advent in den Höfen? Das gibt’s auch auf dem Dorf! Genauer gesagt, im Hof der Wassermühle in Röblingen. Und, ja: Es ist schon wieder ein Jahr vergangen. Bereits zum 6. Mal seit 2012 luden Solveyg Horn und Gert Kiermeyer zum „Advent in der Mühle“. Man kann inzwischen also durchaus von guter Tradition sprechen, denn das „vorweihnachtliche Happening an der Feuertonne“ hat sich längst vom Geheimtipp zu einem kulturellen Highlight im Ort etabliert. Eingeschworene Fans verabreden sich mittlerweile bereits im Spätsommer zum Glühwein...

Die letzten Vorbereitungen liefen noch, als bereits die ersten Gäste ihre Schritte durch das wuchtige Tor mit den schmiedeeisernen Verzierungen lenkten. Zu dem Zeitpunkt glühte der Wein bereits. Der Kinderpunsch wartete, in die Becher gelassen zu werden und auch Familie Winterstein aus Schraplau – Imker mit Leib und Seele – hatten ihren Met schon ordentlich aufgeheizt. Wer bislang meint, heißen Met nicht zu mögen, sollte sich bei nächstbietender Gelegenheit von den beiden ihren mit Holunder verfeinerten Honigtrunk kredenzen lassen und wird seine Meinung sicher ganz schnell ändern. Purer Nektar. Den fleißigen Bienen und der Kunst der Wintersteins sei’s gedankt. Wer noch auf der Suche war nach nicht ausschließlich weihnachtlicher Dekoration, war bei Elke Brodalla genau richtig. Ehemann Lutz half gleich nebenan inzwischen denen, die noch unentschlossen waren, mit Fettbemme und Gurke die Bedenkzeit zu überbrücken. Dazu gab’s frisch gebrühte Minze aus eigener Ernte. Mehr Bio geht wohl kaum. Manch einer, der bislang nur mit Teebeuteln hantierte, war schon überrascht, wie richtig gut(er) Pfefferminztee eigentlich wirklich schmeckt. Der erste Topf Soljanka war bereits leer, bevor es Zeit zum Abendessen war. Für die anfangs zu kurz Gekommenen gab es später noch einen nicht weniger leckeren Nachschlag. Und für alle, die es eher süß als deftig mochten, waren frisch gebackene Waffeln im Angebot.

Inzwischen hatte sich die Dunkelheit über Röblingen gelegt. Das Feuer prasselte in der Tonne, strahlte seine wohlige Wärme aus und der ganze Mühlenhof war mit Gästen gefüllt, die sich gegen die Kälte zusätzlich mit den angebotenen Heißgetränken erfolgreich zur Wehr setzten. Wie oft Solveyg seit dem späten Nachmittag die alles entscheidende Frage „Rot oder weiß?“ gestellt hat, wird sie wohl nicht gezählt haben. Dann kam der Moment, in dem Gert zum Mikrofon griff und einen stilisierten Engel zur Versteigerung feilbot. Outdoor tauglich, weil aus silbrig schimmernden Blech gefertigt. Wenn der Wind kräftig genug weht, bewegt er sogar ein wenig die Flügel. Lebensgroß? Das kann wohl nur jemand beantworten, der schon mal einen Engel gesehen hat. Am Ende stand das höchste Gebot bei 55 Euro. Den Zuschlag erhielt Norman Berger aus Röblingen, selbstredend auf die bekannte Art und Weise: Zum Ersten, zum Zweiten und zum... Genau! Der Erlös dieser Auktion ging als Spende an den Förderverein St. Nicolai, der sich gründete, um die Erhaltung der Unterröblinger Dorfkirche als Baudenkmal zu unterstützen und ihr mit kulturellen Veranstaltungen wieder Leben einzuhauchen. Seitens des Vereins dafür ein herzliches Dankeschön!

Die Jungs am Grill hatten auch alle Hände voll zu tun. Der Andrang nach den Bratwürsten schien zeitweise kein Ende zu nehmen und die bisweilen recht lange Schlange reichte über den halben Hof. Das Anstehen bescherte den auf ihre Wurst wartenden Gästen witzigerweise aber auch einen Platz in der ersten Reihe, als unmittelbar nebenan das akustische, elektrisch verstärkte Unterhaltungsprogramm begann...

Seit Jahren schon im Doppelpack eine feste Größe in Sachen musikalischer Beköstigung: Leonie, die ihre Gitarre streichelt und mit ihrer unverwechselbaren, sanft rauchigen Stimme singenderweise vom Stairway To Heaven erzählt und gleich daneben Z, ihr Leadgitarrist. Z wie Zanke. Dirk. Ein Zauberer vor dem Herrn, der seine Finger bei den Riffs übers Griffbrett spazieren führt, dass man meinen könnte, er macht den lieben langen Tag nichts anderes. Für die beiden war es natürlich wieder ein Heimspiel... Im Anschluss daran: Matthias Kahler. Was soll man sagen? Es gibt erwiesenermaßen Leute, die so ihre Probleme damit haben, nur allein mit beiden Händen gleichzeitig verschiedene Dinge zu tun. Man addiere dazu noch zwei Füße, Lungenflügel als Antrieb eines Durchschlagzungeninstrumentes, eine Stimme, die etwas zu sagen hat und einen Geist, der das alles unter einen Hut bringt. Gitarre, Bass Drum, Snare, Mundharmonika und ganz nebenbei auch noch Gesang – der Hallenser rockt als One-Man Band den Blues auf (s)eine ganz eigene Weise. Nicht glatt gehobelt, sondern mit eben den ganzen Ecken und Kanten, die regelrecht zum Zuhören zwingen. Nach zwei, drei Songs erübrigt sich die Frage, ob er sich nun mit trommelnden Füßen als Gitarrist rhythmisch vorwärts treibt oder sich mit schnellem Akkordspiel zwingt, als Drummer Schritt zu halten. Letztlich wohl eine grandiose Mischung aus beidem. Das Ganze gespickt mit eindringlichen Parts auf der Mundharmonika und gepaart mit mitreißender Spielfreude. Lieder mit herzhaftem Biss, zu denen die markante Stimme einfach unbedingt dazugehört. Nicht nur ein John Lee Hooker hätte sicher seine Freude daran gehabt... Auf jeden Fall gab es von dem Burschen ordentlich was auf die Ohren.

Nicht zu vergessen: Natürlich hatten auch die Kinder die ganze Zeit ihren Spaß, wuselten bis in die Abendstunden unbeschwert zwischen den überall in Gruppen stehenden Leuten herum, genossen ausgiebig die Fahrten auf dem kleinen Kettenkarussell. Andere saßen still am Feuer und sahen mit großen Augen fasziniert dem Spiel der Flammen zu. Ein paar ganz Mutige waren sogar mit Taschenlampen auf Entdeckungstour im inzwischen stockfinsteren Mühlengarten...

Irgendwann geht natürlich alles mal zu Ende. Der „Advent in der Mühle“ macht da leider keine Ausnahme. Letzte Worte werden gewechselt. Abschiede. Fröhlich, glückselig, ein wenig melancholisch, vielleicht auch traurig – jeder auf seine ihm eigene Art. Dann kommt der Moment, in dem auch die letzte Flamme in der Feuertonne erlischt. Insgeheim hofft wohl jeder, etwas von der Stimmung dieses Abends noch die nächste Zeit für sich bewahren zu können. Großer Dank gebührt Solveyg und Gert und all den fleißigen Helfern, die uns auch in diesem Jahr einen wunderschönen und unvergesslichen Adventsabend in der Mühle beschert haben.

P.S. Jetzt ist zwar definitiv noch kein Spätsommer, aber den 15. Dezember 2018 sollten sich alle am besten schon mal dick im Kalender anstreichen...
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