Nicolaikirche Unterröblingen: Der Baum steht.

Auch ein Sinnbild: Zwei junge Leben...
 
Eines der wohl bekanntesten Luther-Zitate, das eigentlich aber gar nicht von ihm stammt...

30. September 2017: Apfelbäumchen und Luther-Rosen wurden gepflanzt.

Ein besonderer Tag...

... und besonders zwei Dinge machten diesen Tag bemerkenswert: Die Menschen, die sich zur Andacht versammelt haben, waren keineswegs alles Christen und es war nach inzwischen 30 Jahren das erste Mal, dass in der Nicolaikirche in Unterröblingen wieder ein Gottesdienst abgehalten wurde. Die Andacht hielt Superintendent Andreas Berger vom Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda gemeinsam mit Tobias Körnig, welcher seit mehreren Jahren das Pfarramt im Kirchspiel Röblingen bekleidet, dem neben Röblingen noch Amsdorf, Wansleben, Stedten und Erdeborn zugehörig sind. Berger gelang es während seiner Andacht auf beeindruckende Weise, eine Brücke zu schlagen von dem Martin Luther zugeschriebenen Zitat dahingehend, nie die Hoffnung zu verlieren, sondern diese sich stets zu bewahren. Auch sprach er über das Lohnenswerte, mit der Kraft der Hoffnung gestärkt Dinge wie eben die Unterröblinger Kirche zu erhalten und fand dankende und ermutigende Worte für alle Helfer in dieser Sache. Die musikalische Untermalung hatten dankenswerterweise die Sänger des Männerchores aus Erdeborn übernommen, die später noch vor der Pflanzung des Apfelbäumchens die Gäste mit ihren Liedern begeisterten. Eine Überraschung der besonderen Art erlebte Susanne Wildner, wurde sie doch kurzfristig zur Organistin ernannt und durfte den gemeinsamen Gesang während der Andacht auf der im Chorraum bereitstehenden elektronischen Orgel begleiten.

Der Chor hatte anschließend auf dem Außengelände südlich der Kirche Aufstellung genommen und setzte dort seine Darbietung fort. Nachdem der Applaus nach dem letzten Lied verklungen war, wurde mit einigen Schaufeln Erde symbolisch letzte Hand angelegt, dem kräftigen Boskoop zu langem Leben zu verhelfen. Der kleinen Charlotte, der Jüngsten unter den Gästen, wurde die Ehre zu teil, dem Bäumchen an seinem neuen Standort mit kräftiger Unterstützung durch ihre Oma und unter dem Beifall der Anwesenden zum ersten Mal Wasser zu spenden. In der Kirche war inzwischen alles Weitere vorbereitet: Frischer Kaffee und leckere Kuchen warteten bereits... Die Plätze an den liebevoll dekorierten Tischen vor der Kirche waren binnen weniger Minuten belegt.

Warum nun ausgerechnet ein Apfelbaum? Lutz Brodalla, der Vorsitzende des Fördervereins, hatte die Idee dazu bereits vor geraumer Zeit, inspiriert durch eben den vermeintlich bekanntesten Spruch Luthers, von dem inzwischen jedoch als gesichert gilt, dass er dem Reformator erst im 20. Jahrhundert in den Mund gelegt wurde. Das Jubiläumsjahr der Reformation schien ihm dazu ein geeigneter Anlass. Also kontaktierte er kurzerhand den Superintendenten Berger und trug den Wunsch vor, diesen Baum mit ihm gemeinsam pflanzen zu wollen. Um ein Zeichen zu setzen. Auch für die Kirche in Unterröblingen.

Die Gäste genossen ihren Kaffee, wurden dann allerdings in ihren Gesprächen unterbrochen, als Frau Kläre auf der Bildfläche erschien und sich in der ihr eigenen Art und Weise mit der Politik im Allgemeinen und der letzten Bundestagswahl im Besonderen auseinandersetzte. Gisela Hutschenreuther war der Einladung in die Nicolaikirche gefolgt und gab sich die Ehre. Neben den satirischen Seitenhieben zum aktuellen Geschehen in der politischen Landschaft waren es vor allem die Ausführungen über unsere Heimat, das Mansfelder Land, und die Ecken und Kanten des hier lebenden Menschenschlages, der die Zuhörer begeisterte. Wie gewohnt derb-komisch vorgetragen, voll Leidenschaft, dabei vor allem aber immer mit spürbar tiefer Liebe zur Heimat. Und das Ganze natürlich präsentiert in feinster Mansfelder Mundart, von der manche behaupten, dass es gar kein Dialekt ist, sondern eine eigene Sprache. In der Zwischenzeit war auch Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer eingetroffen und begrüßte ihre alte Bekannte, schlicht aber herzlich: „Tach, Kläre.“

Jutta Fischer hatte Rosen dabei. Genaugenommen, Luther-Rosen, eine Züchtung von Ewald Scholle aus dem Jahr 2000. Die sollten heute ebenfalls gesetzt werden. Hatte Chorgesang noch die Baumpflanzung begleitet, ging es anfangs bei den Rosen wesentlich stiller zu: Weil die Oberbürgermeisterin sich nämlich ganz still und leise daran machte, die jungen Stöcke in die schon vorbereiteten Pflanzlöcher einzusetzen... Eigenhändig und ohne viel Aufhebens zu machen blieb ihr Tun von den meisten Gästen zunächst unbemerkt. Doch dann sprach sich rasch herum, was da gerade vor sich ging und der Weg entlang der Kirche füllte sich mit Zuschauern. Die staunten nicht schlecht, als sie Jutta Fischer auf den Knien sahen, mit bloßen Händen in der Erde wühlend. Eins ist sicher: Damit hat sie sich in jedem Fall eine gehörige Portion Respekt unter den Anwesenden erworben. Zu jeder Rose pflanzte sie zudem noch ein Sträuchlein Lavendel als Schutz vor unliebsamen Schädlingen.

Ein besonders großes Dankeschön gilt vor allem den ganzen Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen beitrugen und deren Eifer, Einsatzbereitschaft und tatkräftige Unterstützung solche Veranstaltungen erst möglich machen, wie die fleißigen Zuckerbäckerinnen, die Damen am Kuchenbuffet und all die anderen. Mag ihr Einsatz als Beitrag zum Erhalt dieser faszinierenden Dorfkirche Früchte tragen und zum Erfolg führen. Denn es war ein besonderer Tag...
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.