Die künftige A 143 als Einsatzort für die Salzataler Feuerwehren

Nur die Behelfsbrücke in Schiepzig erinnert derzeit an den geplanten Weiterbau der A 143.
 
Modell der zukünftigen Saale-Brücke der A 143 (Foto: (Fotonachweis: Leonhardt, Andrä und Partner/Dömges + Partner – Architekten/DEGES))
Salzatal: Feuerwehr | Noch existiert es nicht - das letzte Teilstück der Autobahn A 143 von der B 80 bei Bennstedt bis zur Einmündung in die A 14 -, doch verschiedene Stellen beschäftigen sich zunehmend mit Fragen, die spätestens bei der Inbetriebnahme der neuen Autobahn geklärt sein müssen. Dazu gehören auch die Verantwortlichen der zuständigen Ortsfeuerwehren der Gemeinde Salzatal. So viel Mobilität eine neue Autobahn auch verspricht – rund 45 000 Kfz pro 24 Stunden werden vorhergesagt (Link 2) , so sicher ist ebenfalls damit zu rechnen, dass auf ihr Unfälle passieren. Dann muss die Feuerwehr ausrücken, Motorbrände löschen, ausgelaufenes Öl, Bremsflüssigkeit, Kühlmittel und Treibstoffe binden, Unfallopfer mit schwerem Gerät bergen. Die Unfallträchtigkeit auf dem neuen Teilstück wird sogar höher liegen als im Normalfall, da es zwei Tunnel (Landschafts- und Lärmschutztunnel mit insgesamt 460 m) und zwei Viadukte (zusammen 1250 m) umfasst (Link 1). Für den mit Glaselementen eingehausten Teil der Saalebrücke werden brandtechnisch vergleichbare Bedingungen wie in einem Tunnel herrschen.

Die zuständige Planungsgesellschaft DEGES sichert die Umsetzung der derzeit geltenden Sicherheitsvorschriften mit Notrufsäulen, Tunnelfunkanlage, Brandmeldeanlage und Löschwasserbecken (für den Landschaftstunnel) zu. Im Verlauf der Bauphase sollen nach Auskunft der DEGES Arbeitskreise eingerichtet werden, in welchen die verschiedenen Rettungskräfte zusammen kommen und mit den neuen Anlagen und Gegebenheiten theoretisch und in Form von Übungen bekannt gemacht werden. Hingegen ist von der DEGES in der Regel keine finanzielle Hilfe bei der Beschaffung von neuer Hilfeleistungstechnik für die Ortsfeuerwehren zu erwarten.
Wenn es darum geht, die Feuerwehren für den Autobahneinsatz gegebenenfalls aufzurüsten und speziell zu schulen, steht vielmehr das Land Sachsen-Anhalt in der finanziellen Verantwortung. Im jüngst erstellten Entwurf für eine „Risikoanalyse und Brandschutzbedarfsplanung der Gemeinde Salzatal“ wird darauf hingewiesen, dass mit dem Lückenschluss zur A 14 „jederzeit mit einem Ereignis über dem Standardfall (Lkw-Unfall usw.)“ zu rechnen ist. Während die Ausstattung mit hydraulischen Rettungsgeräten ausreichend erscheint, steht den Feuerwehren Salzatals aber derzeit kein eigenes Sonderfahrzeug für Gefahrstoffeinsätze zur Verfügung. Zu berücksichtigen wäre auch, dass Autobahneinsätze ein zusätzliches Sicherungsfahrzeug erfordern, das Material zur Verkehrsabsicherung (u.a. Blinkleuchten, Absperrhütchen und –baken) transportiert. Zudem setzen Brandeinsätze in den Tunnel- und Einhausungsstrecken eine ausreichende Zahl von Feuerwehrleuten voraus, die im Umgang mit Atemschutzgeräten vertraut sind.
Bisher wird in Salzatal davon ausgegangen, dass der Einsatz der Feuerwehren von den bestehenden Standorten Pfützthal (für Salzmünde), Lieskau, Zappendorf und Bennstedt erfolgt. Von diesen Standorten ist die Fahrbahn Richtung Nord in den Abschnitten von Bennstedt nach Salzmünde und von Salzmünde bis zur Einmündung in die A 14 innerhalb der in Sachsen-Anhalt geforderten 12 Minuten schnell zu erreichen. Gleiches gilt für die Fahrbahn in südlicher Richtung im Abschnitt von Salzmünde nach Bennstedt. Schwieriger wird es mit dem Teilstück in südlicher Richtung zwischen dem Abzweig von der A 14 und der Ausfahrt Salzmünde. Für diesen Bereich hat die DEGES an den Tunnelportalen und an den Enden der Brücken zwar Überfahrtmöglichkeiten vorgesehen, um Rettungskräften den Fahrbahnwechsel zu ermöglichen. Dies ändert aber nichts an einen erhöhten Zeitverbrauch, da zunächst am Unfall in nördlicher Richtung vorbeigefahren werden muss, um dann die Leitplankenbarrieren zu öffnen. Im Extremfall müsste sogar bis zur nächstgelegenen Ausfahrt Halle-Trotha der A 14 gefahren, gewendet und wieder zurückgefahren werden, was von Salzmünde aus bis zu 8 km Autobahnstrecke bedeutet. Ein besonderes zeitliches Problem wird sich ergeben, sollte es erforderlich sein, den auf der A 14 aus Richtung Magdeburg rollenden Verkehr von der Einfahrt in die A 143 abzuhalten. In einem solchen Fall wären vermutlich die Ortsfeuerwehren von Löbejün oder Nauendorf schneller am Unfallort als die der Gemeinde Salzatal.

Im Vorfeld des Weiterbaus und der Eröffnung der A 143 sollte daher überlegt werden, ob die Eintreffzeit durch einen neuen Feuerwehrstandort verkürzt werden könnte, der in unmittelbarer Nähe der Autobahnauffahrt Salzmünde zu errichten wäre. Dies hätte – neben der Nähe zur Autobahn – gegenüber dem bisherigen Standort Pfützthal den Vorteil, dass die Fahrzeiten zum einwohnerreichsten Salzmünder Ortsteil Schiepzig, zu den Ortsteilen Benkendorf, Zappendorf, Köllme sowie zu Unfällen auf der L 159 Richtung Polleben deutlich kürzer ausfielen. Woher soll das Geld dafür kommen? Im Magdeburger Innenministerium sind Ende 2012 Überlegungen zu einem neuen Konzept „Feuerwehr 2020“ (Link 3) angestellt worden. Darin wird auch die Einrichtung von „Stützpunktfeuerwehren“ angesprochen, deren Einsatzbereitschaft durch Rückgriff auf Kräfte mehrerer Ortsfeuerwehren verstetigt werden soll. Könnte eine solche „Stützpunktfeuerwehr Salzmünde“ nicht als Pilotprojekt mit Modellcharakter im Rahmen der Umsetzung des Konzepts „Feuerwehr 2020“ dienen?

Links:
1) http://www.deges.de/_obj/9E8A6B1E-221A-4935-85FD-0...
2) http://www.bi-saaletal.de/U_15.1B-Verkehrsplaneris...
3) http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibl...
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