Fischtreppe in Zappendorf: Ein Schritt zu mehr EU-Verdrossenheit?

  Manchmal beruhen Maßnahmen auf der lokalen Ebene – hier der Bau einer Fischtreppe in Zappendorf – auf einer langen Wirkungskette: Da das Wasser der Laweke über Salza und Saale in die Elbe fließt, ist das Land Sachsen-Anhalt als Mitglied der Flussgebietsgemeinschaft (FGG) Elbe auch angehalten, die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) umzusetzen. Darin wird für Fließgewässer gefordert, bis spätestens 2015 deren Struktur und insbesondere ökologische Durchgängigkeit zu verbessern. Dafür stehen dem Land auch Mittel der EU zur Verfügung. Konkret ist der Unterhaltungsverband Unteres Saaletal damit beauftragt, diese Mittel für Planungen und Gestaltungsmaßnahmen für bestimmte Flussgebietsabschnitte zu verausgaben.
Bild: Am Ortseingang von Zappendorf mündet die Laweke in die Salza.
Auf diesem Weg landete das Planungs- und Bauvorhaben für eine Fischtreppe schließlich auf der Tagesordnung des Ortschaftsrates Zappendorf. Der konnte in der Prozedur zur Durchführung dieses Vorhabens nicht mehr grundsätzlich entscheiden, sondern nur noch über das „Wie“. Weil eine klassische Fischtreppe den zusätzlichen Erwerb von Grundeigentum auf Kosten der Ortschaft erfordert hätte, wurde letztlich für die abgespeckte Variante einer „Sohlgleite mit Beckenstruktur“ votiert.
Bild: Ausbaustand der Fischtreppe/Sohlgleite Anfang Dezember 2012.
Zu diesem Vorgehen stellen sich mehrere Fragen. Erstens erscheint fraglich, ob ein solches „von oben“ geplantes Vorhaben den Prioritäten vor Ort entspricht. Ein nennenswerter Fischbesatz der Laweke konnte bisher nirgends festgestellt werden. Zudem stehen die Chancen für die Zuwanderung von Fischen aus der Salza schlecht, da diese durch Abwässer aus dem ehemaligen Kali-Abbau bei Teutschenthal belastet ist. Zweitens ist kritisch zu fragen, ob hier das Pferd nicht von hinten aufgezäumt wird. Das Bett der Laweke verläuft durchgängig in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet. Dies bewirkt, dass bei intensiverem Niederschlag stets Dünge- und Pflanzenschutzmittel in höherer Konzentration in das Wasser der Laweke gewaschen werden. Sollten demnach nicht Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität an erster Stelle stehen?
Bild: Während der Bauphase wird das Wasser der Laweke durch ein Behelfsrohr geleitet.
Weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Fließgewässers sind auf dem Gebiet der Ortschaft Schochwitz vorgesehen. Während sich in Zappendorf die öffentliche Infrastruktur in vergleichsweise gutem Zustand befindet, ist für Schochwitz die Frage zu stellen, ob dort für den Einsatz öffentlicher Mittel nicht andere Prioritäten zu setzen wären. So ist die Ortsdurchfahrt von Schochwitz seit Jahren in bemerkenswert schlechtem Zustand und durchaus geeignet, als Stoßdämpfer-Teststrecke zu dienen. Der Flusslauf der Laweke könnte nach den durchgeführten Maßnahmen helfen, das Ortsbild von Schochwitz zu verbessern. Aber auch in diesem Fall wurde nicht nach den Prioritäten vor Ort gefragt. Man mag zwar der Meinung sein: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, aber letzten Endes verfestigt sich bei einer solchen „Beglückung von oben“ der Eindruck, dass EU-Mittel für den einmal festgelegten Zweck „verbraten“ werden müssen, auch wenn Sinn und Zweck solcher Vorhaben in den betroffenen Ortschaften nicht klar zu Tage treten. Dies stellt keine gute Voraussetzung dafür dar, Vertrauen in die Fähigkeit überregionaler Akteure zu entwickeln, drängende Probleme vor Ort zu erkennen. Und es hilft auch nicht dabei, die in Teilen der Bevölkerung vorhandene EU-Verdrossenheit abzubauen.
Links zum Thema:
http://www.wasserblick.net/servlet/is/130939/brosc...
http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibl...
http://www.sachsen-anhalt.de/index.php?id=owk_sal0...
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