Naherholung im Bereich von Salzatal

Eingang einer Gartenanlage in Schiepzig
 
Zutritt für Außenstehende nicht gestattet
 
Qual der Wahl: Wo soll's hingehen?

Dieser Artikel geht auf Freizeit- und Naherholungsaktivitäten im Bereich der Gemeinde Salzatal ein, die an der „frischen Luft“ betrieben werden, und arbeitet Entwicklungstrends und Defizite heraus.

Mit seiner Lage im Umland der Stadt Halle erfüllt Salzatal Naherholungsfunktionen für eine Stadtbevölkerung von mehr als 230.000 Einwohnern. Aber auch die Salzataler selbst nutzen die Freizeitgelegenheiten in ihrer direkten Umgebung.

Naherholungsschwerpunkte


Auf den ersten Blick erscheint das Salzataler Gemeindegebiet für Naherholungszwecke nur beschränkt geeignet. Wie fast im gesamten westlichen Saalekreis dominiert die intensive landwirtschaftliche Nutzung bei sehr geringem Waldanteil. Richtet man jedoch den zweiten Blick auf die Wasserläufe von Saale, Salza und Laweke sowie die sie begleitenden Talhänge, so werden attraktivere zusammenhängende Landschaftsteile erkennbar. Genau an diesen Stellen konzentrieren sich die Gartenanlagen verschiedener Kleingartenvereine. Diese Kleingärten sind teilweise zwischen 1932 und 1937, überwiegend zwischen 1946 und 1986 eingerichtet worden. Insgesamt sind es 15 Anlagen mit 870 Parzellen (Bild 1). Dazu kommen weitere gepachtete oder in Eigenbesitz befindliche Gartengrundstücke in den einzelnen Ortschaften, deren genaue Zahl schwer zu erfassen ist. Laut Auskunft des Höhnstedter Bürgermeisters Uwe Ringleb existieren allein auf seinem Ortschaftsgebiet 340 solcher Grundstücke. Unter den Annahmen, dass in den Ortschaften Salzatals insgesamt 1.000 solcher Gartengrundstücke zusätzlich zu den Gartenanlagen zu finden sind und an einem schönen Wochenende die Hälfte der Gartengrundstücke von ihren Nutzern aufgesucht werden, ergibt sich eine Überschlagszahl von rund 940 Besuchsfällen und Pkw-Fahrten.
Die besondere Eigenart dieser Naherholung besteht darin, dass die Kleingärtner im privaten Raum ihrer Anlagen und Grundstücke „verschwinden“ (Bild 2), ihre Trink- und Essbedürfnisse selbst oder in internen Vereinsgaststätten stillen und in der Regel keine gastronomischen Angebote außerhalb der Gartenanlagen nutzen.
Demgegenüber bewegen sich Spaziergänger, Fußwanderer und Radfahrer weitgehend im öffentlichen Raum. Damit sie dies gern tun, sind sie auf eine Kombination von attraktiver Landschaft, Weginfrastruktur (Wander- und Radwege, Beschilderung) und gastronomischen Angeboten angewiesen. Um die Verbesserung der Weginfrastruktur hat sich in den letzten Jahren besonders die Ortschaft Zappendorf gekümmert (Bild 3, Bild 4). Aus den Ausflugszielen, die auf den dort aufgestellten Wegweisern aufgeführt sind, wird auch deutlich, dass sich viele attraktive Ausflugsziele jenseits der Grenzen von Salzatal und des Saalekreises befinden, wie z.B. der bereits zum Kreis Mansfeld-Südharz gehörige Süße See und Teile des Weinbaugebiets um Höhnstedt. Auch die bei den Radausflüglern beliebten Rundtouren im Saaletal verlaufen – je nach benutzter Flussfähre – abwechselnd auf der Salzataler und der Wettiner Uferseite.
So gesehen ist Salzatal ein „Transitgebiet“, das sich aber gut für Zwischenaufenthalte anbietet. Mit der Verbesserung der Wege und der Beschilderung nicht mitgehalten hat bisher die Qualität des gastronomischen Angebots nicht mitgehalten (Bild 5). Verschiedene derzeit geschlossene Gaststätten im Saaletal (Bild 6, Bild 7) signalisieren, dass hierfür weitere unternehmerische Initiative und Risikobereitschaft Engagement dringend nötig wären. Nur wenigen gastronomischen Einrichtungen ist es bisher gelungen, sich innerhalb der Gemeindegrenzen als eigenständiges Ausflugsziel zu etablieren wie z.B. der „Weintraube“ in Höhnstedt oder der Straußwirtschaft des Weinguts Born.

Entwicklungstrends


Für die kommenden Jahre ist zu erwarten, dass einige Kleingartenvereine Mühe haben werden, Nachpächter für frei werdende Parzellen zu finden. Allerdings dürfte im Raum Höhnstedt die Nachfrage nach Grundstücken zunehmen, die sich für (Hobby-)Weinbau eignen.
Die anhaltende Beliebtheit des Radfahrens wird zu einer wachsenden Zahl von Radausflüglern führen. Dabei ist zu differenzieren: Rennradler (Bild 8) und Mountainbiker sind weniger auf Radweg-Infrastruktur angewiesen als Freizeit-Radler wie (zunehmend) Senioren und junge Familien, die Radausflüge mit ihren Kindern durchführen wollen. Deren Motivation zum Radfahren stehen noch zu viele Radweg-Lücken (Zwang zur Fahrt auf Straßen) und ungenügender Radwege-Ausbau entgegen. Daneben spricht einiges dafür, dass mit der wachsenden Popularität des Wanderns die durch das Gemeindegebiet führenden Fernwanderwege stärker frequentiert werden und die Nachfrage nach gastronomischen Angeboten steigt. Dies gilt insbesondere mit dem nahenden Luther-Jubiläum für den Luther-Wanderweg, der Salzatal von Höhnstedt bis Lieskau quert.

Politische Handlungsoptionen


Politisches Engagement ist vor allem dort gefragt, wo es um die Bereitstellung öffentlicher Infrastruktur geht. Hier haben die Ortschaften Zappendorf und Höhnstedt mit Hilfe von EU-Mitteln bereits einiges in die Wege geleitet. Diese Standards gilt es auf das restliche Gemeindegebiet zu übertragen. Trotz der Existenz des Saale-Radweges auf der Wettiner Uferseite wäre zu prüfen, ob das „Flusserlebnis Saale“ durch einen Ufer-Wanderweg zwischen Pfützthal und Kloschwitz noch intensiver gestaltet werden könnte. Ähnliches gilt für die Laweke zwischen Müllerdorf und Schochwitz und weiter Richtung Dederstedt,aber auch für die noch fehlende Verbindung vom Yachthafen Salzmünde zum Talweg Neuragoczy-Schiepzig.
Das derzeitige Radwegenetz weist noch Lücken auf für Radler, die aus Halle Richtung Lieskau gelangen wollen. Hier erweist sich die Salzmünder Straße als Barriere. Der Flurweg von Lieskau nach Benkendorf endet genau dort, wo die ehemalige Bahntrasse Halle-Hettstedt die Straße quert. Auf dieser Trasse könnte ein neuer Radweg von Benkendorf bis zum ehemaligen Bahnhof Fienstedt eingerichtet werden. Von dort aus wären das Saaletal (über Fienstedt) sowie die Ortschaft Schochwitz auf vorhandenen verkehrsarmen Straßen gut zu erreichen. Eine kostengünstigere Variante wäre der Radwegbau auf dieser Trasse ab dem Ortsrand von Quilschina und seine Anbindung an die Stichstraße Benkendorf-Quilschina.
Schließlich empfiehlt es sich zur Verbesserung des Landschaftsbilds Programme intensiver zu nutzen, die die Bepflanzung von Feldrainen fördern.
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