Radfahren in Salzatal – Zwischen Lust und Frust

Glatt und breit: Ein neuer Radweg führt von Dölau Richtung Salzmünde
 
Schmaler Radweg zwischen Salzmünde und Pfützthal

Dieser Beitrag beleuchtet bisherige Bemühungen der Gemeinde Salzatal, die Infrastruktur für den Radverkehr zu verbessern und weist auf vorhandene Defizite hin.

Naherholung mit dem Rad

Sonntagvormittag, 10 Uhr: Im Saaletal kurbelt ein Rennradfahrer nach dem anderen – einzeln oder in Gruppe – die flache Strecke zwischen Salzmünde und Kloschwitz weiter nach Friedeburg entlang. Die Saaletal-Runde hat sich seit längerer Zeit als „Trainingsrevier“ für Rennradler etabliert. Dort trifft man aber auch auf Familien und Radwanderer mit gemütlicherem Tempo. Einige setzen in Wettin oder Rothenburg mit der Fähre über, um auf dem in den letzten Jahren immer besser ausgebauten Saale-Radweg saaleaufwärts Richtung Halle zurückzufahren (oder umgekehrt). Auf den ersten Blick scheint es so, dass sich dieser Freizeittrend in Salzatal auf bisher relativ verkehrsarmen Straßen relativ problemlos ausbreiten kann. Doch ist dies wirklich so?

Steigende Zahl von Freizeitradlern – auf welches Angebot treffen sie?

Um hierauf eine Antwort zu finden, muss man zunächst festhalten, dass es verschiedene Gruppen von Radfahrern mit unterschiedlichen Ansprüchen gibt. Während Rennradfahrer und Mountainbiker die vorhandenen Straßen und Wege nutzen und sich mit Autoverkehr und Straßen-/Wegbeschaffenheit in der Regel arrangieren, sind andere Gruppen anspruchsvoller. Gerade Senioren und Familien mit jüngeren Kindern benötigen eine spezielle Radverkehrsinfrastruktur, um in einer Region häufiger Rad zu fahren. Sie wünschen sich stressfreie Wege ohne Autoverkehr und einen Belag, auf dem es sich gut rollt.
Betrachtet man die Radfahrgelegenheiten in Salzatal unter diesem Blickwinkel, so bietet das hiesige Verkehrsnetz ein weniger günstiges Bild. Seit 1990 sind in Salzatal bisher nur 750 Meter asphaltierter Radweg zwischen Salzmünde und Pfützthal entstanden. Erst in jüngster Zeit ist ein weiterer Kilometer Radweg zwischen Dölau und der neuen Ampelkreuzung der Harzstraße (L 159) hinzugekommen. Mit dem Rad gut befahrbar sind sogenannte Flurwege, die zwei Betonstreifen aufweisen. Solche Wege gibt es zwischen Lieskau und Benkendorf, zwischen Salzmünde und Zappendorf, zwischen der Zufahrt zur Fähre Brachwitz und Schiepzig sowie zwischen Köllme und der alten B 80 Richtung Langenbogen. Diese Wege haben auch den Vorteil, dass sie nicht straßenbegleitend, sondern abseits von Straßen und dem motorisierten Verkehr verlaufen.
Zur Verkehrsinfrastruktur gehören auch Hinweisschilder mit Fahrtzielen und Entfernungsangaben. Solche Wegweiser finden sich in Salzatal inzwischen relativ häufig, insbesondere im Umfeld der Ortschaft Zappendorf. Nur an einigen wenigen Stellen, nämlich zwischen Zappendorf und Langenbogen, sind bisher Bänke und Tische anzutreffen, die zu einer Rast einladen.

Was könnte verbessert werden?

In Salzatal sind inzwischen einige Radwege für Teilstrecken vorhanden, die aber noch kein zusammenhängendes Radwegenetz bilden. Für den Bau und Ausbau von Radwegen gibt es durchaus Fördermöglichkeiten, die bisher von der Gemeinde zu wenig genutzt wurden. Besonders wünschenswert wäre auf Gemeindegebiet eine bessere Radwegverbindung zum Süßen See. Auf manchen Karten findet sich zwischen Halle und dem Süßen See ein „Europäischer Fernradweg“ – dieser steht aber nach wie vor nur auf dem Papier. Erstrebenswert wäre auch ein Radwegbau auf der Strecke des Luther-Wegs zwischen Höhnstedt, Räther und Schochwitz, um die attraktive Landschaft dort für mehr Menschen zugänglich zu machen.
Eine weitere deutliche Aufwertung könnte das Radwegenetz der Gemeinde erfahren, wenn man die ehemalige Bahnstrecke zwischen Dölau und Hettstedt zu einem Radweg, zumindest bis zum ehemaligen Bahnhof Fienstedt, umwidmen könnte. Die dafür erforderlichen Verhandlungen müssten aber von übergeordneter Ebene, also von der Saalekreis-Verwaltung angeschoben werden, um mit der Deutschen Bahn eine Einigung zu erzielen. Überhaupt wäre es eine Erleichterung für die einzelnen Gemeinden, wenn auf Kreisebene ein Radwege-Konzept vorhanden wäre, auf das man sich bei eigenen Planungen beziehen könnte. Radwege enden ja nicht an Gemeindegrenzen, sondern dienen in der Regel dazu, mehrere Gemeinden zu verbinden.

Mitmachen beim Fahhradklima-Vergleich der deutschen Gemeinden!

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahhrad-Club) veranstaltet im Oktober und November 2014 einen Vergleich des „Fahhradklimas“ in den deutschen Gemeinden und stellt im Internet hierzu 14 Fragen, die jeder Teilnehmende nach seinen Eindrücken für die eigene Gemeinde beantworten kann. Auch für die Gemeinde Salzatal sind inzwischen Bewertungen abgegeben worden. Noch besteht die Möglichkeit bis Ende November, an dieser Befragung teilzunehmen. Die Ergebnisse mögen keine Revolution bewirken, aber sie könnten dazu beitragen, dass in den Kommunen etwas häufiger über Bedürfnisse von Radfahrern nachgedacht wird.

Links zum Thema:
http://www.adfc.de/fahrradklima-test/adfc-startet-...
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