Salzatal ist Spitze: Rückblick auf einige Zahlen zur Bundestagswahl 2013

Zweitstimmenverteilung in der Gemeinde Salzatal bei den Bundestagswahlen 2013 und 2009 (Foto: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt)
 
Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2013 in den Kölner Stadtteilen (Foto: Bundeszentrale für politische Bildung)
Salzatal ist Spitze - und zwar bei der Beteiligung an der zurückliegenden Bundestagswahl im September 2013. Mit einer Wahlbeteiligung von 67,2 Prozent (diese und die folgenden Zahlen schließen Briefwähler mit ein) rangiert Salzatal im Bundestagswahlkreis „Mansfeld“ ganz oben. Der Wahlkreis insgesamt verzeichnet eine Wahlbeteiligung von 61,1 Prozent. Er umfasst alle 22 Gemeinden des Landkreises Mansfeld-Südharz und einen Teil des Saalekreises mit 13 Gemeinden, darunter auch Querfurt und Merseburg. Aus dem Vergleich von Stadt und Land geht hervor, dass die niedrigste Wahlbeteiligung nicht im ländlichen Bereich, sondern in verschiedenen Städten zu finden ist: Eisleben mit 56,1 Prozent, Hettstedt mit 57,3 Prozent sowie Querfurt mit 58,0 Prozent und Merseburg mit 58,9 Prozent stechen hier hervor.

Durch die hohe Wahlbeteiligung in Salzatal erhöht sich das „politische Gewicht“ der Gemeinde. Die 10.448 Wahlberechtigten in Salzatal machen zwar nur 4,8 Prozent aller Wahlberechtigten im Wahlkreis aus; der Anteil der Gemeinde bei den abgegebenen Stimmen liegt aber bei 5,3 Prozent.

Wahlbeteiligung im bundesweiten Vergleich

Die Freude darüber relativiert sich allerdings bei bundesweiter Betrachtung. Bringt man alle 299 Bundestagswahlkreise in eine Rangordnung gemäß ihrer Wahlbeteiligung, so finden sich sechs der neun Wahlkreise Sachsen-Anhalts unter den hintersten Rängen 290 bis 299. Die Schlusslichter bilden die Wahlkreise Harz mit 58,9 Prozent und Anhalt mit 59,4 Prozent. Und auch die beiden Wahlkreise Halle (65,2 Prozent) und Dessau-Wittenberg (65,0 Prozent) mit der landesweit höchsten Wahlbeteiligung nehmen in dieser Rangordnung nur die Plätze 276 bzw. 279 ein.

Die bundesweiten Spitzenplätze mit einer Wahlbeteiligung von 79,8 Prozent belegen die Wahlkreise Berlin-Zehlendorf und Stuttgart I. Unter den 100 Wahlkreisen mit der höchsten Wahlbeteiligung finden sich überhaupt nur fünf ostdeutsche: Auf den Rängen 63 und 65 stehen Berlin-Pankow und Potsdam-Mittelmark mit jeweils 74,4 Prozent. Das Gros der ostdeutschen Wahlkreise tummelt sich somit im letzten Drittel der Rangfolge.

Wahlbeteiligung als Indikator für gesellschaftliche Integration

Die oben aufgezeigte Differenz von 11 Prozentpunkten zwischen Salzatal und Eisleben oder von gut 20 Prozentpunkten zwischen Berlin-Zehlendorf und dem Wahlkreis Harz sollte man nicht überdramatisieren. Von erheblicher gesellschaftspolitischer Brisanz sind jedoch Unterschiede in der Wahlbeteiligung von 35 bis zu 50 Prozentpunkten, wie sie zwischen einzelnen Stadtteilen in manchen Großstädten auftreten.
DER SPIEGEL hatte in einem Artikel kurz vor der Bundestagswahl auf extreme Unterschiede bei der Wahlbeteiligung in verschiedenen Wahlbezirken der Stadt Halle hingewiesen und dabei den Wahlbezirk 57303 in Halle-Neustadt mit einer Quote von 28,1 Prozent bei der Bundestagswahl 2009 hervorgehoben. Zur Bundestagswahl 2013 ging diese Quote noch weiter auf 27 Prozent zurück.
Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen sozialer Stellung und Wahlbeteiligung. Zum Beispiel zeigt eine Grafik für die Stadt Köln (Bild 2) eine starke Abhängigkeit der Wahlbeteiligung vom jeweiligen Ausmaß der Arbeitslosigkeit im entsprechenden Stadtteil auf. Darin kommt zum Ausdruck, dass sozial Schwache geringeres politisches Interesse, eine schwächere Parteibindung, und eher politische Ohnmachtsgefühle entwickeln als sozial bessergestellte Gruppen. Politikferne und die Neigung, nicht wählen zu gehen, werden durch den Kontakt zu anderen Nichtwählern verstärkt. Der Sozialforscher Paul Schäfer meint dazu: „Die Wahrscheinlichkeit, im Nahumfeld mit anderen Nichtwählern konfrontiert zu sein, fällt in städtischen ‚Problemgebieten‘ sehr viel höher aus als in Vierteln, die von Armut und Arbeitslosigkeit weitgehend verschont geblieben sind.“ Eine sozial ungleiche Wahlbeteiligung birgt auf Dauer das Risiko, dass die Interessen sozial benachteiligter Gruppen oder Regionen bei politischen Entscheidungen eher unter den Tisch fallen. Eine hohe Wahlbeteiligung eröffnet dagegen Chancen, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. In dieser Hinsicht darf man für Salzatal optimistisch sein.
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