Welche LEADER-Projekte bringen Salzatal voran?

Durch LEADER-Mittel unterstützt: Pension "Altes Fährhaus" am Yachthafen Salzmünde
 
Neues Restaurant "Orangerie am Süßen See" am Schloss Seeburg

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über LEADER-Aktivitäten im Gemeindegebiet von Salzatal und wirft ein kritisches Auge auf die Effekte der bisherigen Förderpolitik.

Die Einbindung Salzatals in das EU-Programm LEADER

LEADER steht als Abkürzung für „Liaisons Entre les Actions de Developpement de l' Economie Rurale“ und bezeichnet ein EU-Förderprogramm für den ländlichen Raum. Es unterscheidet sich von anderen EU-Programmen dadurch, dass es Projektideen „von unten“ fördert, also von regionalen Akteuren, die kulturelle, wirtschaftliche, ökologische oder soziale Ziele verfolgen. Voraussetzung für die Förderung ist u.a., dass sich diese Akteure zu lokalen Aktionsgruppen (LAG) zusammenschließen. In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit 23 solcher LAGs. Die regionalen Akteure von Salzatal gehören zur LAG Unteres Saaletal-Petersberg, deren Einzugsbereich vom nördlichen Saalekreis bis nach Bernburg und Nienburg an der Saale reicht. Diese LAG hat insgesamt 56 Mitglieder, davon gehören 12 der Gemeinde Salzatal an, die auch selbst Mitgliedsstatus hat.

Bisher durchgeführte LEADER-Projekte in Salzatal

Die LAG Unteres Saaletal-Petersberg listet 59 abgeschlossene Projekte bis Ende 2013 auf, davon 25 im Gemeindegebiet von Salzatal sind 25 dieser Projekte bezogen. Die Zahl reduziert sich auf 16, wenn man in Rechnung stellt, dass einige Projekte nur verschiedene Bauabschnitte ein und desselben Anwesens/Unternehmens betreffen. Einen räumlichen und finanziellen Schwerpunkt mit fünf LEADER-Projekten bildet der Ortsteil Zappendorf. Mit der Sanierung größerer privater Anwesen und dem Bau eines Dorfbrunnens in Müllerdorf wurde dort vornehmlich eine Verbesserung des Ortsbilds erreicht.
Beurteilt man die Projekte danach, wie gut sie dazu beitragen, die touristische Infrastruktur zu verbessern und jene Gemeindebereiche besser zugänglich und erlebbar zu machen, die sich für Naherholungszwecke eignen, so muss man feststellen, dass nur einige wenige Projekte dieses Ziel erreichen. Hervorzuheben ist der Umbau eines alten Fährhauses zur Pension „Altes Fährhaus“ in Salzmünde. Dadurch wird das Übernachtungs- und Gastronomieangebot entlang des Saale-Radweges und der Wasserstraße „Blaues Band“ verbessert. Hingegen wirft die Projektierung eines sogenannten „Drei-Fähren-Radwegs“ zwischen Rothenburg, Wettin und Brachwitz Fragen auf. In diesen Planungsauftrag wurden knapp 122.000 Euro versenkt. Vom Ergebnis hat die Öffentlichkeit bis heute kaum etwas erfahren. Um diese unbefriedigende Informationslage zu verbessern, wäre nach Ansicht des Autors eine Anfrage in einer Gemeinderatssitzung hilfreich.

Angrenzende LEADER-Region Mansfeld-Südharz bisher erfolgreicher

Neben dem Saale- und dem Laweketal verfügt die Gemeinde Salzatal mit den Weinbauhängen von Höhnstedt über ein bedeutsames Naherholungspotenzial. Diese Weinbauhänge ziehen sich bis zum Süßen See und bilden zusammen mit diesem einen einheitlichen Landschaftsteil. Bezüglich des Süßen Sees ist festzuhalten, dass es der dort zuständigen LAG Mansfeld-Südharz gelungen ist, mit einigen LEADER-Projekten das Naherholungsgebiet aufzuwerten. Dazu haben Ausbau- und Renovierungshilfen für den dortigen Campingplatz, für Renovierungen rund um das Schloss Seeburg sowie Förderhilfen für die Seeufer-Restaurants „Seeterrassen“ und „Orangerie am Süßen See“ wesentlich beigetragen. Mit Hilfe dieser Maßnahmen ist in Verbindung mit dem Radrundweg um den See nach und nach ein vorzeigbares und rege genutztes Naherholungsangebot entstanden.
Im Vergleich dazu stellt sich der bisherige Beitrag von Salzatal – insbesondere vertreten mit dem Weindorf Höhnstedt – noch bescheiden dar. So ließe sich der bereits ausgeschilderte Weg von Zappendorf über Händels Weinberg, Langenbogen, Rollsdorf bis zum Süßen See leicht zu einem „Straußwirtschaften-Erlebnis-Radweg“ ausbauen (asphaltieren) und damit auch für weniger versierte Radfahrer nutzbar machen. Die stärkere Nutzung würde sicher noch weitere Weinproduzenten motivieren, einen eigenen Ausschank zu öffnen. Die Umsetzung eines solchen Projekts setzt die Bereitschaft zu grenzüberschreitender Zusammenarbeit voraus. Erste Anzeichen hierfür sind vorhanden.

Anmerkung zum LEADER-Programm 2014-2020

Für die nächste EU-Förderperiode 2014-2020 wurde versucht – diesmal „von oben“ – das LEADER-Programm noch flexibler zu gestalten: Eine Kombination der Förderung mit EFRE- und Sozialfonds-Mitteln soll möglich sein, auch kleinere Städte sollen Förderanträge stellen können. Für die Antragstellung wurde ein „tolles“ EDV-Programm entworfen, das aber leider bis heute in vielen Bundesländern nicht erfolgreich implementiert werden konnte. Somit droht das Jahr 2014 ein verlorenes Jahr für LEADER-Projekte zu werden. Man darf gespannt sein, welchen Projekten es 2015 gelingt, die neuen bürokratischen Hürden und die Worthülsen des EU-Sprech zu meistern.
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