Wie kommen die Salzataler zu ihren Lebensmitteln? Ein Blick auf Einkaufsquellen und -gewohnheiten

Firmenlogos der im "Marktplatz Salzmünde" vertretenen Firmen
 
Nachfolger gesucht für die Räume des ehemaligen "Lieskauf"
Die Bevölkerung von Salzatal schrumpft, und sie wird im Durchschnitt immer älter – so jedenfalls wird immer wieder von Experten behauptet, die den demographischen Wandel in Sachsen-Anhalt beobachten und interpretieren. Damit verbindet sich die Einschätzung, dass die alternden Dorfbewohner zunehmend immobil werden und für ihre Versorgung deshalb auf noch verbliebene Einkaufsmöglichkeiten vor Ort angewiesen sind. Der Frage, ob dies plausibel ist oder ob derzeit nicht andere Einkaufsgewohnheiten dominieren, geht dieser Beitrag nach.

Stadtrandlage führt zu Einkäufen im Stadtgebiet

Viele Einwohner von Salzatal kaufen in Halle ein. Mit Lieskau und Salzmünde grenzen die beiden größten Ortschaften direkt an die Stadt an. Viele Berufstätige pendeln täglich nach Halle und kommen auf ihrem Arbeitsweg an zahlreichen Geschäften vorbei. Zudem existieren in Halle-Neustadt zwei große Lebensmittel-Großmärkte mit einer Angebotsvielfalt, die innerhalb Salzatals nicht zu finden ist. Ein solches attraktives Angebot führt z.B. dazu, dass nach Auskunft des Geschäftsleiters des Real-Marktes im Neustadt-Center die Käufe von Kunden aus Salzatal 8,6 Prozent des Umsatzes dort ausmachen. Dieses Einkaufsmuster ist stark automobilabhängig.

Das einzige Zentrum in Salzatal mit mehr als einem Lebensmittelanbieter findet sich im „Marktplatz Salzmünde“ (Bild). Die verkehrsgünstige Lage, großzügige Parkplätze und eine modern ausgebaute ALDI-Filiale ziehen auch Arbeitspendler aus Mansfeld-Südharz an. Außerhalb von Ortschaften befinden sich ein Getränkemarkt im Gewerbegebiet von Bennstedt und der Obstladen der Firma Saale-Obst an der Harzstraße bei Schochwitz. Letzterer widmet sich verstärkt dem Vertrieb von Produkten, die in der Region erzeugt werden (z.B. Wein, Säfte, Ziegenkäse).

Mobile Verkaufsstationen erfolgreicher als stationäre Geschäfte?

Laut Demographie wächst in den Ortschaften die Zahl älterer Haushalte, die nicht über einen Pkw verfügen und für die Radfahren nicht in Frage kommt. Dementsprechend müssten die Chancen steigen, dass lokale Lebensmittelanbieter Nachfrager finden. Diese Hoffnung hegten auch ehemalige Beschäftigte der Drogeriekette Schlecker, die in Lieskau in deren ehemaligen Geschäftsräumen mit dem „Lieskauf“ ein solches Geschäftsidee umsetzten. Dies fand in den Medien und selbst beim Landrat des Saalekreises große Aufmerksamkeit. Inzwischen stehen die Geschäftsräume wieder leer (Bild), weil sich das Geschäftskonzept als nicht tragfähig erwiesen hat. Als eine Art klassischer „Tante-Emma-Laden“ bleibt in Salzatal somit allein die “Einkaufsquelle Offelmann“ in Beesenstedt übrig. Widerstandsfähiger scheinen dagegen alteingesessene Bäckereien und Fleischereien zu sein. So finden sich in Lieskau, Bennstedt (Bild), Müllerdorf (Bild) und Beesenstedt vier Bäckerei- und in Köllme, Zappendorf und Höhnstedt (Bild) drei Fleischereistandorte.

Während der stationäre Handel auf dem Rückzug ist, nimmt die Zahl der Verkaufsmobile zu, die in den Ortschaften Station machen, wenn auch häufig nur für eine halbe Stunde (Bild). Zu beobachten sind auch Bemühungen, das Angebot in den Verkaufsmobilen auszuweiten (Bild). Die Gemeinde Salzatal hat keinen Überblick über die Zahl dieser ambulanten Händler (so der Fachausdruck), weil alle ihren Firmensitz außerhalb von Salzatal haben und bei der Gemeinde weder eine Genehmigung einholen noch Gebühren entrichten müssen. Dafür haben sich einige Ortsbürgermeister eingesetzt wegen der Bedeutung, die der ambulante Handel für die Versorgung der Dorfbewohner hat.

Direktbelieferung wird gebräuchlicher

Neben dem stationären und dem ambulanten Handel existieren noch weitere Vertriebswege für Lebensmittel. Dazu gehören die Tiefkühl-Lieferwagen von „Der Eismann“ oder „Bofrost“, aber auch die einmal wöchentlich vor die Haustür gestellte Gemüsekiste vom Bio-Gut Stichelsdorf. In Schochwitz hat sich „Ihr Einkaufservice 24“ etabliert, der Lebensmittel-Bestellungen entgegen nimmt und ausliefert. Über den Anteil der im Internet bestellten und dann mit den Paketdiensten an die Haushalte gelieferten Lebensmittel lassen sich nur Vermutungen anstellen.

Die oben beschriebenen Verhaltensmuster und Veränderungstendenzen bei Lebensmitteleinkäufen zeigen auf, dass diese zu einem beträchtlichen Teil außerhalb des Gemeindegebiets stattfinden. Relevante Umsätze innerhalb des Gemeindegebiets werden nur am „Marktplatz Salzmünde“ realisiert. Für die Nahversorgung in den Ortschaften gilt, dass der stationäre Einzelhandel in isolierter Lage in den Ortschaften derzeit nur geringe Zukunftschancen besitzt. Die dadurch entstehenden Lücken werden von einer wachsenden Zahl ambulanter Händler, aber auch von unterschiedlichen Lieferdiensten zu schließen versucht.
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 28.02.2014 | 19:24   Melden
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