Konflikte als Chance

Kenne Sie die Geschichte von der Mutter, ihren Töchtern und der Orange?

Wenn nicht, ich werde Sie Ihnen kurz erzählen:

Es war einmal eine Mutter und sie hatte zwei Töchter. Während der Zubereitung des Mittagessen kommen beide Mädchen in die Küche gelaufen und wollen die letzte Orange.

Jede von ihnen ruft: „Mama, ICH will die Orange haben!“



Was tun?



Soll die Mutter die Orange nun zerschneiden, so dass jedes Kind nur eine halbe Orange bekommt (= würde einem klassischen Kompromiss entsprechen: jede gibt ein bisschen nach).



Oder soll die Mutter eine Münze werfen oder womöglich sogar die beiden Mädchen um die Orange kämpfen lassen? (aus dieser Situation würde jeweils ein Sieger und ein Verlierer hervorgehen)



Intuitiv macht die Mutter genau das Richtige, sie fragt nach:


„Warum wollt ihr denn die Orange unbedingt haben?“

Die eine Tochter antwortet: „Ich möchte einen Kuchen backen und benötige dazu die Schale der Orange.“
Die andere Tochter hat Durst und möchte einen frisch gepressten Orangensaft trinken. Ihr genügt die Orange ohne Schale.



Durch das Nachfragen wurden die Bedürfnisse der Mädchen sichtbar. Das was hinter der Frage versteckt war konnte sich zeigen. Die Töchter fühlten sich verstanden da ihre Mutter Interesse gezeigt hat. Der Austausch, das WIRKLICH wissen wollen was im anderen vor geht und ihn bewegt lässt uns in ein gutes Miteinander kommen.

Nach der Klärung der Bedürfnisse ist die Lösung plötzlich ganz einfach und die beiden unterschiedlichen Interessen lassen sich berücksichtigen, indem ein Mädchen die Schale und das andere die geschälte Orange bekommt. Beim schnellen Kompromiss mit zwei halben Orangen hätten zwei unzufriedene Kinder die Küche verlassen.

Wie oft stehen wir im Alltag solchen Situationen gegenüber? Wenn mein Partner nicht mit zum Einkaufen will oder die Kinder keine Lust haben auf einen Besuch bei Tante Erna oder der Kollege beim Meeting immer so gelangweilt schaut. Meistens enden diese Gegebenheiten damit, das einer nachgibt (der Partner kommt knirschend mit zum Shoppen) oder einer heult (meistens die Kinder).

Aber wie oft fragen wir unseren Gegenüber nach seinem Bedürfnis und seinem Interesse? Warum sprechen wir so wenig darüber? Und warum sprechen wir so wenig miteinander? Ist es out in der heutigen Zeit, in der jeder sich über Facebook und Twitter mitteilen muss? Oder funktioniert das nur noch anonym und wir haben in der digitalen Welt verlernt unserem Gegenüber direkt in die Augen zu schauen?

Ich denke, dass gerade in der heutigen Zeit der Dialog wichtiger den je ist. Auch oder gerade weil die Welt sich so schnell dreht und von jetzt auf gleich so viel passieren kann. Auseinandersetzungen sind im Alltag ein normales Erscheinungsbild. Dabei geht es nicht um Vermeidung, sondern um Klärung und Umgang.

Konflikte sind immer eine Herausforderung und gleichzeitig eine Chance, uns gegenseitig besser kennen zu lernen. Für eine lebendige Beziehung sind unsere Unterschiedlichkeiten genauso wichtig wie unsere Ähnlichkeiten.
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 03.06.2015 | 07:37   Melden
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