Ratschlag unerwünscht

Ein Ratschlag ist eine Empfehlung zur Lösung eines Problems. So gesehen, also etwas positives. Und trotzdem nervt es, wenn wir welche bekommen. Gerade als Teenager bekommen wir von allen Seiten solche Tipps.

Wieso?
Weil wir sie ungefragt geschenkt bekommen und dann noch dankbar sein sollen.

Wenn wir gerade eine Trennung hinter uns haben, wollen wir in den ersten 5 Tagen nicht hören, dass andere Mütter auch schöne Söhne haben.
Wenn ich als Teenager meine beste Freundin an ein anderes Mädchen verliere, dann will ich nicht hören, dass mir das noch öfter im Leben passieren wird.
Wenn ich meine Arbeitsstelle verloren habe, hilft es mir im ersten Moment nicht, wenn ich höre was ich hätte besser machen können.

Es gibt unendlich vieler solcher Situationen und jeder kann da seine eigenen Geschichten erzählen.

Grundsätzlich haben alle eine Gemeinsamkeit: Wir fühlen uns in diesen Situationen nicht wohl. Wir sind traurig, bestürzt, entrüstet, verletzt …. Und anstatt wir in diesem Moment einfach nur weinen oder stumm die Wand anstarren dürfen, bekommen wir Ratschläge.

Die sind bestimmt gut gemeint und unser Gegenüber möchte uns nur helfen, allerdings:

Ist gut gemeint noch lange nicht gut gemacht.

Meistens handeln wir als Gegenüber aus dem Impuls heraus helfen zu wollen. Wir wollen das es unserer Freundin, unserem Kind schnell wieder besser geht. Wir möchten einfach nicht mit ansehen wie die Tränen fließen. Die meisten von uns können diese Gefühle schon bei sich schwer aushalten. Wie schwer ist das Aushalten erst, wenn unser Gegenüber solche Gefühle hat?

Gefühle aushalten - sowohl die eigenen wie auch die unseres Gegenübers.

Mit unseren Ratschlägen wollen wir zeigen, dass wir auch schon in scheinbar ausweglosen Situationen waren. Wir wollen Wege zur Bewältigung zeigen. Wir wollen Impulse geben für mögliche Auswege und Erneuerungen im Leben. Dabei vergessen wir dann, dass das unsere Strategien sind und waren. Dass das alles uns geholfen hat. Und das eben unser Weg raus aus der Krise, nicht der gleiche Weg für jemanden anderen sein muss.

So individuell wir alle sind, so individuell ist auch der Umgang mit Kummer, Schmerz, Trauer, Freude und all den anderen Gefühlen.

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Wie es besser gehen kann

1. Gefühle aushalten

Das mit den Gefühlen ist da so ne Sache. Die guten Gefühle nehmen wir meist nicht wahr. Die schlechten überrollen uns ungefragt. Und dazwischen reden und denken wir viel über sie nach. Die eigenen Gefühle zu kennen und dann auszuhalten ist somit schon schwierig. Wie schwierig ist es dann, Gefühle bei anderen auszuhalten? und trotzdem, lasse deinem Gesprächspartner die Möglichkeit seine Gefühle wahrzunehmen und auszuhalten.

2. eigene Bedürfnisse / Geschichten hinten anstellen

Sitzt nun aber ein kleines Häufchen Elend vor uns, haben unsere Geschichten in diesem Moment Sendepause. Sie gehören nicht hierher. Jetzt ist nur die Geschichte deines Gegenüber wichtig und deine eigenen Empfindlichkeiten können gepflegt einen Tee trinken gehen.

3. Nachfragen, ob ein Impuls erwünscht ist

Wenn du nun aber die geniale Lösung im Kopf hast oder du eine Idee entwickelst, die dem anderen weiterhelfen kann, dann frage nach. Frage, ob du deine Gedanken laut aussprechen darfst.

Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!
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