1. Gipskarstwanderung im Südharz – Rund um die Rüdigsdorfer Schweiz

anstrengende Vermessung des Naturdenkmals Flehmüllers Eiche
 
der Rundwanderweg zur Eiche...und weiter
Nordhausen: Rüdigsdorfer Schweiz | Nordhausen, OT Krimderode am 30.10.2017.
Nun der angekündigte Bericht über meine erste Ringwanderung (Dauer 3 Stunden). Aus 25 Wanderroutenvorschlägen um Nordhausen und der den Wanderkarten der Harzer Wandernadel“ hatte ich mir eine eigene Rundtour ausgedacht (Bild 2).
Sie lehnt sich stark an die„Tour der Vielfalt“ an – siehe auch dort.
Wir parkten in Krimderode neben der St.-Nicolai-Kirche. Dieses bedeutsame Gotteshaus wurde um das Jahr 1580 erbaut - vermutlich am Standort eines hochmittelalterlichen Vorgängerbaus.
Wie auch auf unseren späteren Wanderungen waren Leichtwanderstiefel angebracht, denn alle Wege waren oft recht schlammig.
Das erste Drittel dieser Ringwanderung führte uns auf dem Karstwanderweg ostwärts.

Zunächst interessierte mich besonders das

Naturdenkmal Flehmüllers Eiche.

Es handelt sich um einen mächtigen freistehenden Eichenbaum, welcher rund 600 Jahre alt ist. Sie steht exponiert auf einem flachen Tafelberg, dem Liethberg, oberhalb der Zorge.
Meine Messung dieses vitalen monumentalen Baumes in 1m Höhe bestätigten auch einen Umfang von über 7 m.
Den Namen hat sie von einer Sage her bekommen. Hier ist sie nachzulesen: Landschaftssage Flehmüllers Eiche
Auf diesem ersten Drittel hat man ständig einen weiten Blick in das Harzvorland.
Unübersehbar das 15 Hektar große Bergwerksfeld Kohnstein. Nach Unternehmensangaben sei etwa die Hälfte ausgesteint. Bei dem jetzigen Abbautempo genügen die Vorräte noch etwa 100 Jahre. Die Kohnstein Bergwerks GmbH mit aktuell zwölf Beschäftigten baut jährlich 100 000 bis 150 000 Tonnen Anhydrit am Kohnstein ab.

Weiter führte der Weg zum Kalkberg im Zentrum der Rüdigsdorfer Schweiz.
Sie ist idyllisch, abwechslungsreich und das letzte zusammenhängende Gipskarstgebiet in Thüringen.
Zahlreiche Infotafeln am Weg weisen auf verschiedenartige Besonderheiten hin. So auch auf die

Wiederbelebung der Schneitelwirtschaft, eine Form der Waldweide,

die sich bis in prähistorische Zeit zurückverfolgen lässt. Dadurch, dass eine Regeneration durch die Wurzelstöcke initiiert wird. können folglich die Stockschneitelformen mehrere Hundert Jahre alt werden. Die Schneitelwirtschaft ist eine sehr alte, im Naturpark Südharz wiederbelebte, niederwaldartige Waldbewirtschaftungsform. In diesem Fall wurden Hainbuchen vor Jahrzehnten in Mannshöhe geköpft und die jungen Triebe in den darauffolgenden Jahren mit der Sichel geschneitelt. Die Triebe dienten hiernach als Winterfutter für das Vieh, vor allem in Zeiten, als Heu noch ein knappes Winterfutter war. Mittlerweile dienen die recht alten und knorrigen Bäume einer Reihe von Tieren als wertvoller Lebensraum
Ähnliche Formen kannte ich bisher nur von Kopfweiden und nicht wie hier ausnahmslos von Hainbuchen (Weißbuchen).
Mehr dazu hier: Schneiteln, Schneitelung, Futter- und Streugewinnung durch Abschlagen von Ästen.

Nach einer reichlichen Stunde Wanderzeit verließen wir den aussichtsreichen Karstwanderweg und bogen nach Rüdigsdorf ab.
Hier hat sich die Familie M. Forst der seltenen Zucht von Bisons, Highland Cattle Rindern und Painthorses verschrieben.
Ein Warnschild ++ Vorsicht Freilaufender Bulle, Lebensgefahr ++, ermahnte, sich besser den Tieren nicht zu nähern.

Unmittelbar an der Rüdigsdorfer Landstraße, aber von dieser nicht mehr zu erkennen, verbirgt sich der vielleicht reizvollste Teil der Rüdigsdorfer Schweiz, das

Flächendenkmal Alabasterwand, ein ehemaliger Alabastergipsbruch.

Von der Hinweistafel am südlichen Wiesenhang bot sich ein besonders guter Anblick.
An der Nordseite des einstigen Steinbruchs ragt eine eindrucksvolle Felswand empor. In dieser sind die Schichtenfolgen des Gipsgesteins gut zu erkennen. Große Flächen bestehen aus grauem Gips, welcher durch Ton und Karbonate verunreinigt wurde. Inmitten dieses dunklen Gesteins befinden sich zahlreiche reinweiße Alabasterknollen mit Durchmessern bis zu 40 Zentimeter.

Alabaster ist ein weiches und leicht zu verarbeitendes Material. Daher war es einst als Rohstoff sehr begehrt. Aus ihm wurden Figuren, Vasen sowie diverse Dekorstücke hergestellt.
++Zu gern hätte mein Sohn Konrad als Hobbykünstler ein paar Alabasterknollen mit nach Hause genommen++

Über einen Wiesenweg – immer noch mit Blick auf die Alabasterwand – wanderten wir schließlich meinem letzten Tagesziel zu, der

Antiquareiche

Dieses Naturdenkmal war garantiert diesen Abstecher wert.
Die Antiquar-Eiche (auch Antiquar-Fischer-Eiche) ist eine große, einzeln stehende Stieleiche auf der Kuppe des Sichelberges. Ihr Alter wird auf 250 bis 350 Jahre geschätzt. und hat eine Höhe von 20 Metern mit einem Stammumfang von 5,50 Metern.
Sie ist benannt nach dem Antiquar Hermann Fischer, weil es sein Lieblingsplatz war und der Puste-Club zum Pustefest auf seiner Wanderung nach Rüdigsdorf stets unter dieser Eiche rastete.
Werbung für das Rüdigsdorfer Pustefest (1926)
In Rüdigsdorf wird seit 1866 das Pustefest begangen. Dabei handelte es sich ursprünglich um eine nach selbstgesetzten Regeln durchgeführte „Sportveranstaltung“ Nordhäuser Handwerker und Kaufleute. Ziel ist es, den treffsichersten Blasrohrschützen zu ermitteln. In der Regel finden sich 40 bis 50 Teilnehmer nach einem Fußmarsch in Rüdigsdorf ein - die Einheimischen nahmen zunächst nicht teil. Der Schlachtruf beim Wettkampf lautet: Gut Luft!
Bei so vielen Festen, die es mittlerweile gibt, wäre es doch wünschenswert, dass diese Tradition wieder auflebt!

Steigt man westwärts vom Sichelberg ab (durch den angrenzenden Mischwald), kommt man zu einem im Volksmund "Sumpfloch" genannten Ort, wo sich Quellwasser sammelt und ein großes Feuchtbiotop bildet. Der Weg berührt hier einen besonders tiefen und weiten Erdfallkessel. Anschließend versickert das Wasser im Anhydrit-Untergrund und kommt (wahrscheinlich) in der Mittelberg-Quelle wieder zum Vorschein.
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 07.11.2017 | 19:07   Melden
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 07.11.2017 | 19:10   Melden
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 07.11.2017 | 22:02   Melden
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