Den Wölfen auf die Schnauze geschaut

Ist das Wetter nicht zum Heulen?
 
am 15. Februar ab 400 Höhenmetern im Hochsölling plötzlich wieder mitten im Winter
Holzminden: Wildpark Neuhaus |

Wald, Wild und Winter in Neuhaus/Hochsölling

Auf der Fahrt durchs winterliche Weserbergland kamen wir montagnachmittags beim Wildpark Neuhaus im Hochsolling vorbei und stoppten spontan. Der Abend im Hotel wird noch lang genug sein, warum also nicht einen kleinen Halt einlegen, wenn der Parkplatz und das Besucherzentrum genau vor unserer Nase liegen?
Mal schauen, was der Wildpark im Februar so zu bieten hat.
Zuerst begrüßt uns eine nette Mitarbeiterin im Besucherzentrum und gibt uns „Neulingen“ einen kurzen Überblick gewissermaßen zum „Anfüttern“. Wir entscheiden uns dafür, zuerst den Park zu besuchen und uns später im warmen Haus über Wald, Flüsse, Moore, Tiere und Pflanzen des Solling zu informieren.

Der Wildpark wird im Internet folgendermaßen beschrieben:
„Er liegt malerisch im Hochsolling und bietet auf rund 50 Hektar den Reiz einer unverfälschten Landschaft, die geprägt ist von ausgedehnten Mischwäldern, bergigen Anhöhen und Wiesentälern. In den Gehegen lassen sich die heimischen Wildarten in einer Umgebung beobachten, die den natürlichen Lebensräumen sehr nahe kommt….Der Wildpark hat zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes zu bieten. Im Frühjahr und Sommer die Geburt und Aufzucht vieler Jungtiere….oder im Winter die Begegnung mit Wolf und Luchs….Zur Zeit leben hier über 30 verschiedene Arten und ca. 300 Tiere insgesamt“

Bei kräftigem Wind und einsetzendem Schneeregen machten wir unsere Garderobe erst einmal winterfest.
Zuerst kommen wir am Gehege von Otto und Bismarck, den beiden Fischottern vorbei, aber die haben für Besucher wohl gerade keine Sprechstunde. Im Streichelgehege sieht das schon ganz anders aus. Die Ziegen warten wohl schon auf uns. Wie praktisch, gleich dabei steht eine Futterbox, aus der Besucher für 50 Cent Tüten mit Pellets entnehmen können. Wir haben unseren Spaß dabei, die Ziegen das Futter mit ihren warmen Zungen aus unserer Hand schlecken zu lassen.
Wie schön, dass gerade Winter ist. So erlauben uns die kahlen Zweige einen ausgezeichneten Blick auf das Futterhaus am Wegesrand, wo gerade zwei Dutzend Waldvögel ihre Nachmittagsmahlzeit einnehmen. Ein paar Schritte weiter standen wir vor einem Gehege mit einem Rudel Rotwild. Die Tiere beobachteten aus relativ geringer Entfernung jeden unserer Schritte, nahmen aber nicht Reißaus.
Zwischen den Großgehegen waren am Wege ständig kleinere Schaugehege mit Fasan, Wildkatzen, Marder(hund) und Waschbären besetzt.
Mich interessierten aber mehr meine Namensgeber – ein ganzes Rudel Wölfe – gut gesichert durch einen Elektrozaun. Mindestens zwölf schöne grau gemaserte Tiere standen vor uns reglos im lichten Wald, ohne von uns Notiz zu nehmen.
Bald ging es durch ein Holzhüttchen (als Sicherheitsschleuse) mit zwei Pendeltüren in das größte Freigehege des Parks mit Damwild.
Hier verzückten uns die Winterlandschaft und die Tiere gleichermaßen. Das ausgesprochen gesellige Damwild beansprucht eine parkähnliche Kulturlandschaft mit gleichen Anteilen von Wald, Feld und Wiese, insbesondere einen Waldbestand mit Lichthölzern.
Auf dem leicht mit Schnee bepuderten Erdboden konnte man trotz des trüben Wetters die Tiere sehr gut zwischen den vereinzelten Bäumen ausmachen. Sie ließen uns bis ca. 50 Meter an sich heran, bevor sie gemächlich davon trabten.

Weiter führte uns der Weg wiederum an Kleingehegen vorbei, die mit Eulenvögeln, so auch einem Uhu, besetzt waren. In abgetrennten Arealen war erst Sikawild (ein aus Ostasien stammenden Hirschart, die durch Einbürgerungen heute in vielen Gegenden der Welt vorkommt) ganz nah am Drahtzaun zu bestaunen und anschließend konnte man hinter einem Elektrozaun einem Rudel Wildschweine hautnah (!) bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Fressen, zusehen. An dieser Stelle wäre eine Abkürzung als kleiner Rundgang möglich gewesen. Wir aber wählten die große Runde, bei der wir wieder durch ein Freigehege mit scheuen Mufflons und weißem Damwild gehen konnten. Der Weg führte im rechten Winkel an „ihrer“ Wiese vorbei. Hier stellte sich die Frage, wer wen beobachtet, denn in gebührendem Abstand von uns drehten sie ihre Köpfe immer so, dass sie uns den ganzen Weg lang im Blick hatten.
Die Falknerei war zu dieser Jahreszeit leider nicht besetzt. Dafür gab es am Ende unseres Parkbesuchs nochmals einen Höhepunkt.
Drei scheue Luchse stritten sich um einen Tierkadaver. Durch dichtes Unterholz vor ihrem Gehege geschützt, waren sie nicht so leicht zu beobachten (wie wäre es gewesen, wenn die Sträucher noch Blätter getragen hätten?).
Obwohl der „große“ Rundweg nur 2,5 km lang ist, waren wir zwei Stunden unterwegs und wären bestimmt noch länger geblieben, wenn der Park jetzt im Winter wegen der einsetzenden Dunkelheit nicht um 17 Uhr schließen würde.
Der winterliche Anklang gab diesem weitläufigen, hügeligen Areal einen besonderen Reiz, dem wir uns nicht entziehen konnten.
Deshalb gönnten wir uns am Mittwoch vor der Heimreise vormittags noch einmal eine schnelle Runde, wieder überglücklich ganz allein mit und unter den Tieren.
Besonders das Damwild war zum Greifen nahe, ein Rudel stand keine fünf Meter von mir entfernt.
Wildschweine kamen auf mich zugelaufen, doch durch den Elektrozaun keine Gefahr.

Am Schluss meiner Runde wähnte ich mich in Kanada oder inmitten des Films „Wolfsblut“.

Das ganze Rudel Wölfe stand so gegen 11 Uhr nahe zusammen und heulte mit erhobenen Köpfen - bestimmt kilometerweit zu hören!
Auch für die vielen Informationen im Besucherzentrum blieb an diesem Vormittag noch genügend Zeit. Die vielen Tipps und Prospekte, die wir mit nachhause genommen haben, lassen nur einen Schluss zu – wir müssen noch mal da hin!
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3 Kommentare
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 21.02.2016 | 13:27   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 22.02.2016 | 19:09   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 23.02.2016 | 11:32   Melden
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