Und täglich grüßt (schnieft?) das Igeltier: Meine Igel - Beobachtung über zwei Jahre im Siedlungsgarten

Igelmama am 9.9.13 18:58
 
Babystube - zufällig entdeckt am 21.9.13
Sandersdorf-Brehna: Hausgarten | Dass sich Igel in unserem Hausgarten wohlfühlen, wissen wir seit vielen Jahren. Unter Rhododendron, Kirschlorbeer und anderen immergrünen Sträuchern haben sie ideale Ruheplätze. An Futter gibt es in einem Kleingarten ohnehin keinen Mangel. Doch dass sie hier auch ihre Jungen zur Welt bringen, großziehen und überwintern, war dann im vergangenen Jahr eine neue freudige Überraschung für uns!

Durch verschiedene Informationsquellen und dem jährlichen Heidesonntag im „Haus am See“ in Schlaitz zum Thema Igel mit der Familie Dorschner war ich schon etwas sensibilisiert. In diesem Jahr am 2.11.2014 ist es wieder ab 14 Uhr soweit - diesmal auch mit Bildern vom neuen Igelmuseum in Prettin.

So hatte ich mir schon im Sommer des vergangenen Jahres vorsorglich zwei Igelhäuschen besorgt.
In einem ehemaligen Kaninchenstall zur ebenen Erde und unter einem Kirschlorbeerbusch hatte ich auch geschützte Ruheplätze als mögliches Winterquartier vorbereitet.
Im September beobachtete ich wiederholt einen Igel am Nachmittag zwischen meinen Gemüsebeeten. Arg überrascht war ich aber, als ich am 22.9.13 unter neben einem Kompostsilo nur notdürftig mit etwas Laub und Holzwolle bedeckt eine Familie mit fünf Jungen entdeckte. Ich setzte sie vorsichtig in eins der Igelhäuschen um und war sehr gespannt, ob die Igel das akzeptieren. Schließlich sind und bleiben es Wildtiere mit eigenen Gewohnheiten.
Das zusätzlich bereitgestellte Katzenfutter und Trinkwasser wurde sofort dankbar angenommen (damit die Mutter genügend Milch produzieren kann).
Die Jungtiere nahmen nicht nur das Futter an, sondern gingen auch in dem Häuschen ein- und aus.

Neugierig untersuchte ich auch das zweite vorbereitete Lager unter dem Kirschlorbeer und war nicht wenig erstaunt, dort unter einem Laubhaufen eine Igelfamilie mit gleichfalls 5 noch sehr kleinen Igeln zu entdecken..

Ab sofort hatte ich meine tägliche Beschäftigung am späten Nachmittag und frühen Abend – Säuberung der ständig verschmutzten Näpfe und erneute Bereitstellung von Zusatznahrung und frischem Wasser. Dazu ausgerüstet mit Digitalkamera und teilweise im Wintermantel eingehüllt, ging ich oft auf Beobachtungsstation – es war fast wie eine Sucht. Das alles aber aus sicherer Entfernung, denn alle Igel waren sehr scheu.

Während die Jungen meist aus den Häuschen krochen, erschienen erwachsene Tiere auch wie aus dem nichts. Und zu meinem Leidwesen wurde das Futter den Igeln auch oft durch eine streunende Katze streitig gemacht. So ging es durch die milde Witterung fast täglich bis Ende November. Mittlerweile stellte ich nur noch frisches Wasser bereit und am 2. Dezember sichtete ich einen Igel zum letzten Mal.

Doch im zeitigen Frühjahr sind die Igel wieder aufgewacht. Um den Zeitpunkt nicht zu verpassen habe ich ein wenig Futter vor die Häuschen gestellt.So war ich sehr glücklich, als ich am 18. März 2014 vor einem der Häuschen einen gut über den Winter gekommenen Igel entdeckte und sich das gleiche Spiel am 30. 3. vor dem anderen Häuschen wiederholte. Eine schöne Belohnung für die nicht unerhebliche Mühe im Vorjahr.

Im Sommer dieses Jahres spürten wir relativ wenig von „unseren Igeln“. Ob sie wohl an den Ort ihrer Jugend zurückkehren?

Trotzdem war ich gerade Ende August dabei die alten Quartiere zu reinigen, neu auszupolstern und wieder etwas vor Wind und Regen zu schützen, als ich vormittags einen Igel den Gartenweg entlang flitzen sah. Wenn die Igel Junge haben, gehen sie schon mal am Tage auf Futtersuche. Ich folgte dem Igel und suchte bei der Gartengeräteüberdachung nach ihm. Und in einem abgelegenen Winkel, notdürftig eingewickelt in weiche Noppenfolie, entdeckte ich ihn tatsächlich mit 5 bis 6 winzigen, eng aneinander gekuschelten Jungen.

Diesmal störte ich die Familie nicht weiter, sondern stellte nur vor der Babystube und den zwei Futterstellen des Vorjahrs preiswerte Katzennahrung (als Gelee und Trockenfutter) bereit.
Auch wenn ich die Igel meist nicht zu Gesicht bekam, so waren morgens doch die Futternäpfe leergeleckt und die Ränder vollgesch...

Angelockt von den unverwechselbaren Schnaufgeräuschen eines Igels wurde ich zu einem weiteren „Sommerlager“ einer kompletten Igelfamilie geführt. Diese (eine andere?) hatte sich unter einem völlig mit Winterjasmin bewachsenen Regenwasser-IBC eingerichtet.

Da ich aus der Erfahrung weiß, dass junge Igel auch schon mal vormittags vor Hunger aufwachen, füllte ich für sie also auch schon zu dieser Tageszeit die Näpfe. Und es waren die Sternstunden meiner bisherigen Igelbeobachtungen als ich am 12. Oktober ab 9:30 Uhr aus sicherer Entfernung so nach und nach eine Mama mit ihren Jungen beobachten konnte. Putzig anzusehen, wie die junge Mama aus dem Napf fraß und gleichzeitig ein Junges säugte.

Ich gehe davon aus, dass sich in diesem Herbst 3 Igelgenerationen (große Oma, kleinere Mama und Kinder?) bei uns wohlfühlen (auch wenn ich sie nicht gleichzeitig sondern nur nacheinander zu Gesicht bekam) und dass alle hoffentlich wieder gut über den Winter kommen!!!

Kleiner Nachtrag:
Es spricht sich wohl unter den Igeln rum - als viertes Quartier haben sie eigens dafür präparierten Komposter (mit Dachrundziegel als Eingang) entdeckt.
Am 27. November entdeckte ich am Nachmittag auf meinem Gartenweg ein wohl noch nicht ganz winterschlaftaugliches Igelchen. Was tun - schnell zufüttern, auch ohne Rücksicht auf den bequemen, aber häßlichen Napf.
Und der letze freilaufenden Igel (dank Klimawandel?) kam am 8. Dezember.
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3 Kommentare
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 17.02.2015 | 15:52   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 17.02.2015 | 20:44   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 18.02.2015 | 11:21   Melden
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