Fast unkaputtbar – die Kanaren-Kiefer

Meine leider nicht winterharte Kanarenkiefer - als sie nicht mehr in den Wintergarten passte, habe ich sie geköpft
   
so sieht ein gesunder Pinienwald aus
Villa de Garafía (Spanien): Observatory Roque de los Muchachos | Macht mit mir bei diesem spätwinterlichen Schmuddelwetter einen kurzen Ausflug zu den

Inseln des ewigen Frühlings Islas Canarias

Speziell möchte ich nach La Palma (vollständiger Name: La Isla de San Miguel de La Palma) entführen, der vor allem bei Wanderen und Naturliebhabern sehr bekannten „Grünsten Insel der Kanaren“.
Sie verfügt im Norden über große grüne Lorbeerwälder und in Höhenlagen zwischen 1000 und 2000 Metern über die größten Wälder der Kanarischen Kiefer mit ihren bis zu 20 cm. langen Nadeln. Sie ist die größte rezente Kiefer in der Alten Welt und kann über 300 Jahre alt werden.
Doch leider ist sie endemisch und nicht frosthart, verfügt aber über andere unschätzbare Vorteile wie mein Titelfoto verrät. Bei welche einheimische Kiefer oder Tanne kann man beliebig den Stamm einkürzen und sie treibt neu aus?

Hat die Kanarenkiefer (Pinus Canariensis) darüber hinaus ein Antifeuer Gen?

Fahrlässig setzt ein Deutscher im August 2016 auf der „Grünen Insel“ La Palma durch brennendes Klopapier ca. 4700 Hektar Pinienwald in Brand - das sind rund sieben Prozent der gesamten Insel!
Trotzdem wird sich die grüne Lunge der Insel wohl wieder weitgehend vom Feuer erholen. Die Kanarenkiefer hat sich bestens an die heißen und gefährlichen Bedingungen angepasst (90% aller Waldbrände werden von Menschen verursacht. teils sogar vorsätzlich von skrupellosen Bodenspekulanten). Mit ihrer extrem dicken Borke halten ältere Exemplare der endemischen Pinus Canariensis sogar die Hitze von Stunden lodernden Feuers aus und treiben später wieder neu aus
ihre stark gefurchte und in schuppigen Platten aufgerissene Rinde ist bei Altbäumen bis zu 50 Schichten dick. Den Waldbränden widersteht dieses Wunder der Natur, indem seine Stammborke in den Flammen nicht verkohlt, sondern verkrustet. Dank diesem Schutzmechanismus verbrennen zwar Nadeln und kleine Äste, aber der Baum selbst bleibt intakt – und deshalb treibt er nach dem Feuer an Stamm und Ästen wieder aus, und seine “schlafenden Knospen” erwachen zu neuem Leben.
http://www.la-palma24.info/la-palma-waldbrand-2016...
Wir konnten dieses „Wunder der Natur“ erstmals 1994 hautnah sehen; auf einer

Tagesexkursion über den Roque de los Muchachos,

dem mit 2436 Metern Höhe der höchste Punkt der Insel.

Passend zum Titelthema und stellvertretend für viele ausgedehnte Tageswanderungen auf La Palma und Teneriffa habe ich diese interessante Tour per Mietwagen und zu Fuß ausgewählt. Ich greife neben digitalisierten Negativen auf Hi 8 – Aufnahmen zurück, bitte die schlechtere Bildqualität verzeihen (und von den eingeblendeten Zeiten überall eine Stunde abziehen). Die Strecke deute ich wieder auf einer modifizierten Karte an.

Noch in der Dämmerung starteten wir am Sonntag, den 24.Juli 1996, 7 Uhr von unserem Appartement in Breña Baja im 300 Meter Höhe auf der Ostseite der Insel bei erfrischenden 18 °C.
Nach der Hauptstadt Santa Cruz ging es aber richtig in die Berge.
Die Straßen waren in gutem Zustand und die Strecke ist genau beschildert. Für die knapp 50 km Fahrt durch unzählige Kurven und Kehren (es waren wohl um die 600) muss man allerdings sowohl von Santa Cruz de La Palma als auch von der Westseite um die 1,5-2 Stunden einplanen – hier zählen nicht die Kilometer sondern die Fahrtzeiten! Wir brauchten sogar fast 3 Stunden. Weil wir immer wieder anhielten um die Natur zu bestaunten.
Wo sonst noch als auf diesem Minikontinent hat man sonst noch die Möglichkeit in so kurzer Zeit so viele Höhen- und Vegetationsstufen zu durcheilen (vergleiche Bild 11).
Nachdem wir die in den Passatwolken liegenden Eßkastanien-, Busch- und Lorbeerwälder verlassen hatten, tauchten die Kanarenkiefern auf. Doch oh Schreck viele zeigten verkohlte Stämme.

Unser erster Tagespunkt galt aber dem auf dem Gipfelplateau in ca. 2400 m Höhe gelegeneren

Roque-de-los-Muchachos-Observatorium.

Die Sternwarte öffnet nur an wenigen Tagen im Jahr seine Tore für Besucher; und eigentlich nur für angemeldete Gruppen mit spanischer oder englischer Führung.
Wir aber kamen auch als Einzelbesucher in den Genuss einer fast einstündigen deutschen Führung, so auch zum 4,2-Meter-William-Herschel-Teleskop.

Anschließend unternahmen wir bei sengender Hitze (fast 30 °C in 2400 m Höhe) vom Parkplatz am Mirador de los Andenes (Kraterrand Caldera) eine Ringwanderung von ca. 6 km. Einzigartig der grandiose atembemraubende Einblick in den riesigen Einsturzkrater der Caldera de Taburiente.
Bei der legendären Teufelswand („Pared de Roberto“) faszinierten mich besonders die vielfältigen Formen und Farben dieser Lavawand, die man von der Straße noch hautnäher erleben konnte.

Für die zweite Hälfte des Tages fasse ich mich etwas kürzer.
Weiter ging die kurvenreiche Fahrt hinab zur Nord-Westküste und wieder sahen wir lange Zeit wie aus verbrannter Erde Kiefern zu neuem Leben erwachten.

An der Küste selbst wähnte ich mich wegen großer Flächen verwilderter Feigenkakteen (Opuntien) wie in Spanien oder Mexiko.
La Palma war im 19. Jahrhundert berühmt für roten Farbstoff, der aus Schildläusen (Cochenille) gewonnen wurde. Die Läuse leben auf Feigenkakteen oder Opuntien, die seit dem 16. Jahrhundert auf La Palma angepflanzt wurden. Zur Farbgewinnung ließ man frisch geschlüpfte Läuse auf dem Kaktus festsetzen und sich von dessen Säften ernähren. Diese Produktion ist heute unrentabel – Opuntien und Läuse sind geblieben.
Im Schatten einer Guanchenhöhle der früheren Inselbewohner, machten wir Mittagsrast und teilten unser Brot mit vielen Eidechsen.
Nachmittags war dann eine Wanderung von Tijarafe(640m) zur Felsengrotte in der Piratenbucht am Atlantik angesagt. Ein Stück fuhr ich noch auf einen steilen, schmalen schwindelerregenden Pfad mit dem Mietwa-gen unter Zittern meiner Frau die Steilküste herab. Doch ein ganzes Stück ging es in sengender Nachmittagssonne am Rande eines gewaltigen Barrancos weiter – immer mit Blick auf eine grandiose Steilküste.
Wo mag da nur eine Bademöglichkeit kommen. Sie kam tatsächlich in einer filmreichen Fischergrotte. Strand gab es nicht. Aber eine Eisenleiter auf der man in das kristallklare tiefblaue Meer klettern konnte. Das Anlanden auf den scharfen Vulkanfelsen erforderte auch in der geschützten Bucht mehrere Wellenschübe.
Ziemlich erschöpft, doch überglücklich erreichten wir erst in der Dämmerung nach 20 Uhr wieder unser Appartement … und erholten uns abschließend im Pool.

Abschließend noch ein paar Fotos von einer Bootsfahrt zu Delphinen (von denen wir leider fast keine sahen) und zur Cueva Bonita ("schöne Höhle") an der zerklüfteten Steilküste, die nur per Schiff von Puerto de Tazacorte aus erreichbar ist. Vom Meer aus hatten wir noch einmal einen tollen Blick auf die Piratenbucht…und auf der abendlichen Heimfahrt noch einem Sonnenuntergang.
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7 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 19.04.2017 | 12:29   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 19.04.2017 | 12:30   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 19.04.2017 | 12:47   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 19.04.2017 | 13:19   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 19.04.2017 | 14:18   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 19.04.2017 | 18:59   Melden
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 20.04.2017 | 11:00   Melden
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