Globetrotter II – Almenrausch und Höhenfieber

Der Lohn der Angst (für manche) - das Touristenabzeichen der UdSSR.
 
Versuch eines 270 °-Panoramas auf das Dombai-Tal von meinem Lieblingsaussichtspunkt "Krugosor Semjonow Baschi"
 
Unser Wanderprogramm, bevor es am 15.5.1975 über den Pass ans Meer ging.
Dombai (Russische F): Teberda/Suchumi |

Sehnsucht ist unheilbar - Weil mich immer noch das Fernweh packt!

Besonders seit Weihnachten, wo ich meine „Me·moi·ren“ aus 50 Jahren Amateurfotografie aufarbeite!
Die Bestände an Dias und Farbnegativen bis 1990 habe ich immer noch nicht ganz geschafft (bisher über 15.000 Stück).
Damit ist bald Sommerpause, denn von März bis November hat der Garten wieder Vorrang.
Doch vorher noch einen aufwendigen Beitrag. Von 1970 bis zur Wende war die ehemalige Sowjetunion mein absolutes Lieblingsreiseland. Und da wieder TRANSKAUKASIEN, von Sotschi bis nach Baku und davon wiederum der Zentralkaukasus.
1976 erfüllte sich erstmals als Reiseleiter bei „Jugendtourist“ mein damals größter Wunsch, meine erstes richtiges Hochgebirge mit einer:

☁☂☀^ Λ^Λ^ Reise über die Berge ans Meer ❄☀

Konkret von Teberda/Dombaital im Westkaukasus bis nach Suchumi am Schwarzen Meer.
Gerade im Juni war es gleichzeitig eine Reise vom Sommer über den Frühling in den Winter … und weiter in die Subtropen..
Eine Reise die in dieser Form bei den politischen Bedingungen leider seit Jahren undenkbar ist (genau dort läuft die Grenze zwischen Russland und Abchasien).

Leider spielte dann das Wetter nicht ganz mit – und meine kleine Reisegruppe. Eine Altersspanne von 21 bis 64 Jahren hat mich schon für „Jugendtourist“ doch überrascht. Schlimmer noch, das trotz Reisevorbesprechung und ausführlicher schriftlicher Vorinformationen von mir einige Teilnehmer nicht einmal die unbedingt nötige Hochgebirgswanderausrüstung (Bergwanderstiefel, Rucksack) mithatten.

Das Teberda-Naturreservat

(russisch Тебердинский заповедник) ist ein Sapowednik in Karatschai-Tscherkessien im westlichen, russischen Kaukasus. Ein Sapowednik ist im Russischen Reich, der Sowjetunion und im postsowjetischen Raum ein Schutzgebiet mit besonderem rechtlichem Status. Zum Zeitpunkt des Zerfalls der Sowjetunion befanden sich auf ihrem Territorium über hundert Sapowedniki (Sie werden im Deutschen als „Totalreservat“ bezeichnet).
Die Höhenlagen reichen von 1260 m t bis zum Dombai-Ulgen auf 4047 m. Nur etwa 5 % der Fläche liegen unterhalb von 2000 m.
Diese Kaukasusregion ist in ihrer hohen Biodiversität unter den gemäßigten Regionen der Erde einzigartig. Dies trifft insbesondere auf die Pflanzen zu, von denen das Reservat mehr als 1300 Arten beherbergt.
Das Schutzgebiet beherbergt eine kleine Population des teilweise auf den ausgestorbenen Bergwisent zurückgehenden Flachland-Kaukasus-Wisents.
Soviel der Theorie nach wikipedia; siehe auch
http://www.wegegehen.de/Westkaukasus%20Kubantal.ht...

Unser Basislager war eine Touristenstation mit Mehrbettzimmern. Häufig starteten wir sehr früh und nahmen das Frühstück als Kaltverpflegung mit.
Fünf Tage hatten wir Zeit uns konditionell auf den Höhepunkt der Reise vorzubereiten. Der harte Kern nutzte natürlich auch die beiden ursprünglich wanderfreien Tage dazu. In Bild 2 und 3 habe ich einmal dieses Wander-programm aufgelistet und mit einer Nummer versehen (für Hinweise bei den folgenden Fotos)

Welcher glücklicher Umstand, dass ich 1983 bei meiner letzten Reiseleitung noch einmal im Juni für eine Woche direkt nach Dombai kam, wenn auch ohne Passüberquerung, aber dafür viel besseren Wetterbedingungen. Diesmal zog meine Truppe voll mit.
Obwohl mit erheblicher Verspätung erst 1:30 Uhr im Hotel in Dombai angekommen bestanden wir statt eines Ruhetages 10:45 Uhr auf einer Einführungstour. Als alter Fuchs durfte ich auch zweimal als „Bergführer“ den harten Kern allein weiter Richtung Gipfel und zurück zum Hotel führen. Für mich waren die Wanderungen rund um Dombai wegen der vielfältigsten Eindrücke der eigentliche Höhepunkt.

Am 15. Juni 1975 war es dann soweit. Schon sehr früh am Morgen brachte uns ein Bus soweit, wie er auf der ehemaligen Suchumer Heerstraße fahren konnte zur „Nordhütte“ und da ging es bald steil bergauf. Wie schon bei allen Wanderungen zuvor bis zum eisbedeckten Kluchorsee durch eine Traumwelt an Pflanzen, Blumen, Wasserfällen.
Ganz besonders stolz waren wohl alle darauf, dass der Pass erst an diesem Tag freigegeben wurde und wir also die erste ausländische Reisegruppe waren die 1975 den Kluchorpass überqueren durfte.

An vielen Stellen sah man auch noch Spuren der 1. Gebirgs-Division (auch Edelweiß-Division genannt) 1942 unternahm diese Division einen Vorstoß über den Kaukasus zum Schwarzen Meer, der jedoch scheiterte und zu hohen Verlusten führte. Überall finden sich Gedenktafeln, die an den hier zwei Jahre tobenden Stel-lungskrieg erinnern

Der Abstieg durch recht lockern Pulverschnee (von der Heerstraße sahen wir lange nichts) war recht zeit-raubend und in der saukalten Berghütte Jushnyi Prijut (Südhütte 1200m) waren wir noch gar nicht erwartet worden. Zum Glück hatte ich und ein Reiseteilnehmer eine Flasche Wodka über den Pass geschleppt, die alle 20 Teilnehmer am abendlichen Lagerfeuer etwas aufwärmte. Hier bekam auch jeder von uns stolz das Abzeichen „Tourist der CCCR“ angesteckt.

Ich bin erschüttert, wie sowohl Dias als auch Negative seit dem an Farbbrillanz eingebüßt haben (ob das mit Digitalfotos in 40 Jahren auch so ist?) Trotzdem hoffe ich, dass die Fotos einen interessanten Einblick ermöglichen.

Suchumi

Für manche war der Aufenthalt am Schwarzen Meer in dem tollen Hotel Abchasia der Höhepunkt. Ich hätte aber gern darauf verzichtet mich fast täglich mit einer fast einstündigen Kutterfahrt zum überfüllten städtischen Kieselbadestrand fahren zu lassen und wäre lieber eine Woche länger in den Bergen geblieben!
Trost fand ich in dem prächtigen Botanischen Garten und einem Konzert des Georgischen Nationalensem-bles (das rein zufällig mal im Lande weilte).

Im Bilderteil konzentriere ich mich mehr auf die Passüberquerung. Natürlich kommen Fotos vom traumhaften Dombaital und seinen Pflanzen nicht zu kurz weg (gemischt von 1975 und von 1983).

Schon ein Jahr später verschlug es mich dann erstmals an die Hänge des Elbrus in Höhen bis 4200 m, land-schaftlich fast noch eine Steigerung…

Trotz des Umfanges dieses Themas werde ich den Artikel nicht stückeln, aber für interessierte Bergkameraden nachträglich vielleicht noch Ergänzungen/Erläuterungen/Kommentare bei den Fotos einfügen.
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3 Kommentare
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 24.02.2017 | 17:38   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 25.02.2017 | 08:16   Melden
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Yvonne Rollert aus Halle (Saale) | 08.03.2017 | 11:21   Melden
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