Schneewandern auf Teneriffa

Wildprets Natternkopf ( Echium wildpretti): http://www.fotoreiseberichte.de/teneriffa/teneriff... Die Charakterpflanze schlechthin im Bereich des Teide-Nationalparks . Das zwischen 1,5 und drei Meter hohe Gewächs ist auf Geröllfluren in der subalpinen Zone Teneriffas beheimatet, es ist auf der Insel endemisch. Bis zu 50 cm lang sind die graugrünen, mit weichen Borsten besetzten, spitz zulaufenden Blätter. Darüber befinden sich im Mai-Juni unzählige Einzelblüten.
 
3-D-Bild von Teneriffa (Foto: http://www.winterplanet.de/Izana/Seite002.html)
  Ist so etwas auf den Inseln des ewigen Frühlings möglich?

Aber gewiss, vor genau 19 Jahren haben wir einen richtigen Winter hautnah auf Teneriffa erlebt. Allerdings nur kurze Zeit um den Teide in Höhen über 2000m. Tiefer gelegen herrschte der versprochene Frühling in exotischer Natur zwischen Atlantik und beeindruckender Vulkanlandschaft.
Nachfolgend möchte ich vorerst über 2 + 2 einzigartige Wanderungen berichten
Bitte verzeiht, die deutlich schlechtere Qualität der nun folgenden digitalisierten Bilder Fotos (das Digitalisieren meiner Tausenden Dias muss noch etwas warten).
Als „Kontrast- und Trostmittel“ habe ich von vergleichbaren Orten Digitalfotos unser 2 Frühsommerreisen eingefügt.
Als unser Flugzeug am 24. Januar 1997 gegen 8.30 Uhr die Insel erreichte, strahlte uns ein schneebedeckter Pico del Teide an. Unser Basislager war an der windigen Südostküste in der quirligen Kleinstadt San Isidro, dafür sehr verkehrsgünstig gleich neben der Inselautobahn gelegen. Dank Rother-Wanderführer hatte ich mir schon zu Hause ein Programm für die nächsten 5 Tage zusammengestellt. Da wir den vorbestellten Mietwagen leider erst am späten Nachmittag bekamen verbrachten wir den ersten Tag mit der Erkundung der für uns in jeder Beziehung sehr interessanten Landschaft an der einsamen Küste bei El Medano. Außer einem einsamen Surfer war niemand zu sehen. Ein kurzes „Anbaden“ sprang jedoch schon ab.
Der Rückweg zum Hotel, fast quer durch eine phantastische Volkanlandschaft war außerordentlich abwechslungsreich; ein anderer Tourist auf der Suche nach Orchideen, eine ehemalige Guanchenhöhle, Bananenplantagen, Ziegenherden sorgten für Abwechslung.
Am nächsten Morgen holten wir uns, wie alle kommenden Tage, ca. 6:30 Uhr(!) unser Lunchpaket an der schon geöffneten Bar ab und starteten noch bei Dunkelheit (waren trotzdem meist erst bei/nach Sonnenuntergang wieder zurück im Hotel).
An diesem Samstag sollte der Nationalpark del Teide (auch Canadas genannt) zu Fuße des schneebedeckten Teide erkundet werden.
Schon diese erste Inselumrundung führte uns durch fast alle 12 Klimazonen vom Frühling in den Winter, von Exotik bis Alpinismus. Von La Laguna, der größten Stadt der Insel wollten wir durch den Esperanza-Wald und entlang des Hauptkammes fahren. Doch schon nach einer Stunde Panoramafahrt war in ca. 200m Höhe im hohen Schnee ohne Winterreifen kein Weiterkommen mehr möglich. Also wieder runter auf Meereshöhe nach Puerto de La Cruz auf der Inselnordseite.
Bei dem erneuten Anlauf durch das Orotavatal (Humboldt meinte vor 100 Jahren, es sei das schönste Tal der Welt, nun aber leider mächtig zugebaut) hatten wir mehr Glück.
Mit uns waren auch viele Insulaner mit dem Auto zum Teide unterwegs. Wann bekommen sie schon mal so viel Schnee unter die Füße?
Mit etwas Glück ergatterten wir noch einen Parkplatz in der Nähe des Besucherzentrums El Portillo (2050m) und starteten leider erst gegen 13 Uhr bei strahlendem Sonnenschein zu einer 3-stündigen Einstimmungstour in die „Canadas“ bis auf den Höhenrücken Fortaleza. Ständig der schneebedeckte Pico de Teide(3718m) im Blickfeld. Hingegen war durch die dichten Passatwolken der Blick zur Küste eingeschränkt.
Traumhaft der Kontrast in einer für uns neuen Welt. Weniger traumhaft dafür der Sonnenbrand an den Ohren, den wir uns trotz starker Sonnencreme zuzogen!
Es fiel sehr schwer in dieser Traumlandschaft der Rückweg so zeitig anzutreten. Aber wir wollten die Insel gleich noch mit dem Auto vor Einbruch der Dunkelheit über die Süd - West Spitze bei Garachico umrunden. Fern der imm er vollen Autobahn immer wieder ein unvergessliches Erlebnis. Eine Woche ist schnell um, da zählt jede Stunde! Unter den Passatwolken war in der Abenddämmerung auch noch ein traumhafter Blick auf La Palma und Gomera möglich.

Am nächsten Tag sollte es als Gegenstück durch die Mascaschlucht zum Meer hinab gehen. Wieder zur sehr frühen Morgenstunde waren wir auf der steilen Straße mit unendlich vielen Haarnadelkurven faktisch allein unterwegs (komischerweise auch auf der ganzen Wanderung).
Der Abstieg von Masca (600m) durch ein enges, steiles Felslabyrinth hatte es in sich. Traumhaft dafür die Natur, vergleichbar mit einem großen botanischen Garten.
Nach knapp drei Stunden erreichten wir glücklich das Meer. Nur an Baden war zwischen diesen großen Steinen bei sehr, sehr stürmischem Meer absolut nicht zu denken. Auch die wenigen Schiffe, konnten nicht am kleinen Schiffsanlegeplatz vor Anker gehen. Die einsetzende Flut vertrieb uns später gänzlich.
Der Rückweg war reizvoll und sehr schweißtreibend. Die Aussage des Wanderführers war nicht untertrieben:
„…anstrengende, häufig steile Wanderung, die Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein gutes Orientierungsvermögen (besonders beim Wiederaufstieg) voraussetzt…“
Zuletzt ging es wie durch einen großen botanischen Garten mit Palmen, Mandelblüten, Kakteen, anderen Sukkulenten und vielen uns unbekannten Pflanzen.
In Masca, dem wohl romantischsten Ort Teneriffas, gönnten wir uns zur Krönung des Tages 2 Liter frisches Zitronenwasser, selten so etwas Köstliches getrunken.

Im Juni 2004 waren wir noch einmal von Masca aus unterwegs. Diesmal auf einer Abenteuertour mit Reiseführer Gegorio. Während ca. 30 Personen mit Gregorios Sohn den bekannten Abstieg wählten, wateten wir mit einer begrenzten Truppe von 8 Personen zunächst 20 Minuten durch einen 2 km langen alten unbeleuchteten Wasserstollen bis in das östlich gelegene sehr abgeschiedene wunderschöne Barranco de Seco. Alles noch eine Spur atemberaubender, teils mit Abseilen. Fast wie ein Klettersteig ohne jegliche Seilsicherungen. Unser Bergführer machte uns ständig auf botanische, geologische und kulturhistorische Besonderheiten aufmerksam.
Den gleichen Rückweg hätten wir niemals geschafft. Wie also zurück? Glücklicherweise war diesmal der Ozean uns gnädig gesonnen. Da es an dieser Küste keinen Landesteg gab, mußten wir alles Gepäck in Müllsäcken verstauen und schwammen damit zu einem mächtig verspäteten Boot (zum Gaudi der anderen Teilnehmer). Deshalb hatte es leider sehr eilig zum Hafen zurückzufahren, so das wir leider vom Meer aus von den steil aufragenden Felsen von Los Gigantes fast nichts mehr mitbekamen.

Brennend heißer, trockener Sahara-Wind

Zur Abrundung hänge ich an dieser Stelle Fotos einer Tour an, die uns 2 Tage später in schwindelerregender Höhe zwischen den beiden bewanderten Schluchten über einen felsigen Bergrücken Richtung Küste zur schon länger aufgegebenen Finca Guergues führte. Blicke also aus Vogelperspektive.
Die Auf- und Abstiege hielten sich in Grenzen. Aber wegen dem unerwarteten Calima und keinerlei schattenspendender Bäume warfen wir schon nach 2 Stunden das Handtuch und kehrten um (später am Meer war es viel erträglicher).

Nach dem Rother-Führer haben wir auf unseren drei Reisen noch viele nicht weniger reizvolle Touren unternommen, ich am liebsten diejenigen, wo fett schwarz gedruckt darauf hingewiesen wird: „Nur für alpin erfahrene Bergwanderer!“

Ist jemand an einer gelegentlichen Fortsetzung interessiert???

Für diejenigen, die es interessiert – hier die

Auflösung meines letzten Blumenrätsels

. Auf den Kanaren haben einzelne Pflanzen ganze Hauswände überspannt. Das abgebildete Foto der Bougainvillea habe ich kürzlich in meinem Wintergarten geschossen. Für mich schon sehr verblüffend, das bei schwankenden Temperaturen von 5° bis 25°C (und viel Licht) sie auch im Winter noch einige Blüten hat und weiter bringt.
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4 Kommentare
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Ralf Springer aus Aschersleben | 09.02.2016 | 01:21   Melden
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Wolfgang Miers aus Thale | 09.02.2016 | 17:04   Melden
MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 09.02.2016 | 18:35   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 09.02.2016 | 19:19   Melden
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