Kommentar zu: “Hungertod im Hakel“ MZ vom 24.03.2014, Seite 3

Es ist schon bedauerlich. Da tut ein Bundesland alles, aber auch wirklich alles Erdenkliche, um die strengen europäischen Richtlinien umzusetzen. Und erntet nur Undank. “Zögerlich.“
“Mangelnde Fürsorge.“ Von wegen. Es ist bekannt, dass sich der Rote Milan und andere Große Greifvögel einen erheblichen Teil ihrer Nahrung nicht selbst lebend erjagen, sondern zu einem großen Prozentsatz auf Aas zurückgreifen. Und wo könnte man sich wohl noch mehr fett gemästete Kadaver einverleiben als in der mit Mais und anderen Leckereien reich gesegneten Wildschwein-Schlaraffenlandschaft des Hakel-Umfeldes? Zumal sich die gesamte automobile Bevölkerung ganz im Sinne der Milane an der Jagd beteiligt und unter hohem finanziellen Aufwand sogar die Aufgabe des schnabelgerechten Zerteilens übernimmt. Mit dem geliebten eigenen Blech. Und was die Milane nicht schaffen, können sich dann die Wölfe holen. Zugegeben, es bedarf einer gewissen Anpassung an das geänderte Nahrungsangebot, aber das nur die anpassungsfähigsten Spezies überleben, ist ja ansonsten auch der Stand der allgemeinen Lehre.
Als flankierende Maßnahme könnte man einstweilen einige Milanpärchen in den Landkreis Mansfeld-Südharz umsiedeln. Da soll es ja noch Flächen geben, deren Hamster- (und sicherlich begleitende Feldmaus-)populationen groß genug sind, um die Erschließung ganzer Industriegebiete wirksam zu unterbinden. So wäre für deren gewohnte Nahrung zumindest übergangsweise gesorgt.
Aber eigentlich ist der umweltpolitische Ansatz des Landes Sachsen-Anhalt noch viel radikaler. Denn er packt das Übel an der Wurzel: Indem es den größten Feind der Milane, Feldhamster und aller anderen Tiere effektiv und wirkungsvoll vertreibt: Homo sapiens sapiens. Mit gut, ja geradezu raffiniert getarnten Kampagnen (“Wir stehen früher auf“), die in Wahrheit dem Umweltschutz dienen, einem gezielten Unterangebot gut bezahlter und zukunftsfähiger Arbeitsplätze, Steuerverschwendung im großen Stil, extrem langen Schulwegen und zu totaler
Überregulierung neigenden Verwaltungen, schlecht kontrollierten Stiftungen und Eigenbetrieben treibt man ihn systematisch außer Landes. So dass in der Folge immer mehr Lehrer, Beamte und andere Berufe überflüssig werden. Durch teuren und umfangreichen Denkmalschutz wird zudem dafür gesorgt, dass z. B. den Turmfalken auch in 100 Jahren noch die gewohnten Nistplätze zur Verfügung stehen. Ja, unser gelobtes Sachsen-Anhalt tut wirklich alles für den Umweltschutz. Oder doch so gut wie. Denn es gibt natürlich nichts, was sich nicht noch besser machen ließe… Noch zwei- bis drei Landkreisreformen und dann ist der große Traum von der effizientesten Form der Verwaltung geschafft: ganz Sachsen-Anhalt ein einziger Kreis – mit dem Landratsamt in Magdeburg. Dessen Sorge wir es sein, wie man die Stellen für die 500 Park-Ranger finanziert. Die werden wir brauchen, wegen der Safaris und so. Andere Sorgen kennen
wir nicht.
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