Mitten drin! - Evelin Heinrich war die erste Lehrerpraktikantin im Deutschen Bundestag und berichtet von Ihrer Erlebnissen im Berliner Abgeordneten Büro von Uda Heller

Zwei Tage mittendrin

Am 7./8. Mai 2014 bekam ich die Möglichkeit für zwei Tage die Bundestagsabgeordnete Uda Heller während ihrer Arbeit im Bundestag in Berlin zu begleiten. Als Lehrerin für Sozialkunde an der Sekundarschule „Würdetal“ in Teutschenthal besuchte ich in diesem Jahr schon mit zwei neunten Klassen Uda Heller im Bundestag. Danach war mir klar – zu diesem Tätigkeitsbereich weiß ich noch viel zu wenig und was die Medien herüberbringen, reicht mir nicht mehr aus. Da ich meinen Schüler aber die ganze Wahrheit vermitteln möchte, war mir klar, ich musste intensiver reinschnuppern. So ergriff ich die einmalige Chance, die mir das Bundestagsbüro um Uda Heller bot und fuhr zu einem zweitägigen Praktikum nach Berlin.
Gleich am Morgen musste ich feststellen, es geht zeitig los. Man nennt es hier Arbeitsfrühstück, es ist aber vor allem ein Austausch von Informationen. Uda Heller war also als Mitglied des Tourismusausschusses schon 7.30 Uhr beim ostdeutschen Sparkassenverband zu Gast. Dort informierte man sie über den Stand der neusten Zahlen und deren Probleme. Als Frau Heller in ihr Büro zurückkam, war kein Verschnaufen möglich. Es ging sofort zum Bildungsausschuss, bei dem die Bildungsministerin Johanna Wanka vor Ort war und allen Ausschussmitgliedern verschiedenster Parteien des Deutschen Bundestages Rede und Antwort stand. Für mich war von besonderem Interesse die Debatte zum Haushalt 2014 hinsichtlich der Bereitstellung der Gelder für die Lehrerausbildung und für die Ausbildung von Facharbeitern. Ebenso wichtig waren aber auch die Zahlen zu den statistischen Erhebungen der Abbrecher eines Hochschulstudiums. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Nach dieser spannenden Sitzung gab es dann wieder einen kurzen Abstecher ins Büro, wo die beiden sehr netten Mitarbeiterinnen Frau Haese und Frau Furtenbach mit Frau Heller die nächsten Termine koordinierten. Ich war höchste erstaunt, welche Terminfülle so pro Tag anstehen. Es kommen auch immer wieder Anfragen aus dem Wahlkreis zu Besuchen bei Vereinen und Institutionen an den Wochenenden oder in den Abendstunden. Gibt es denn nie Feierabend? Sofort versuchten beide Mitarbeiterinnen, die Termine gut in den schon vollen Kalender einzuordnen. Gerade vor den Kommunal- und Europawahlen sind die Bundestagsabgeordneten mehr als gefragte Gesprächspartner. Trotzdem müssen ja auch noch die täglichen „Kleinigkeiten“ im Bundestag bewältigt werden. Nach dem kurzen Büroabstecher ging es dann ins Plenum zur aktuellen Stunde. Und hier erwartete mich das bekannte Klischee, kaum Abgeordnete im Saal! Nun weiß ich aber auch warum! Es ist einfach der volle Terminkalender, die vielen Sitzungen in den verschiedenen Arbeitskreisen oder Ausschüssen. So muss ein Parlamentarier durchaus Prioritäten setzen. Und die Arbeit wird nun mal in den Ausschüssen gemacht, nicht im großen Plenum. So war der nächste Termin im Tourismusausschuss ebenfalls ein „Muss“ für Uda Heller. Auch hier war ein Vertreter der Bundesregierung anwesend, der die Fragen der Mitglieder des Ausschusses sehr korrekt beantwortete. Unter anderem ging es um den Bau des Berliner Flughafens.
Am späten Nachmittag besuchten Uda Heller und ich noch einmal das Plenum, da eine aktuelle Stunde auf dem Programm stand. Und welche Überraschung – es waren schon mehr Abgeordnete vertreten. Zuerst wurde über die Situation in der Ukraine gesprochen, danach kam es zu dem mich sehr interessierenden Thema der Friedlichen Revolution in der DDR, den Kommunalwahlen im Mai 1989. Das erzeugte bei mir schon etwas Gänsehautfeeling, da ich diese Zeit schon sehr bewusst miterlebt habe. Jede einzelne Fraktion behandelte das Thema natürlich aus ihrer Sichtweise, der Applaus fiel damit auch entsprechend aus. Diesmal fand ich es sehr schade, dass ich auf der Tribüne nicht mitklatschen durfte. Leider mussten wir auch hier die Sitzung vorzeitig verlassen, da um 18.00 Uhr ein Treffen zur internationalen Jugendarbeit in der Bayrischen Landesvertretung stattfand. So wurden wir vom Fahrdienst des Deutschen Bundestages abgeholt und in die Behrenstraße gefahren. Der Empfang war herzlich, begleitet durch eine flotte Musik von jungen Künstlern. Die Staatssekretärin Frau Marks würdigte in ihrer Eröffnungsrede die internationale Jugendarbeit, mahnte aber auch an, sozial-schwache Kinder in diesem Austausch nicht zu vergessen. Im Anschluss informierten Frau Heller und ich uns noch über die Arbeit der einzelnen Jugendinitiativen und ließen dann den Abend mit einem anregenden Gespräch über unsere Arbeit ausklingen.
Der nächste Morgen begann mit Büroarbeit. Für mich als Lehrerin doch eher ungewöhnlich, aber Termine müssen eben abgestimmt, Gesetzesentwürfe durchgearbeitet oder Artikel vom vorherigen Tag verfasst werden. Natürlich gab es auch an diesem Tag Terminänderungen. Aber die Mitarbeiterinnen und auch Frau Heller reagierten darauf sehr gelassen. O-Ton: „Das kommt oft vor!“ Mit der Absage des Besuches der Großbaustelle Berliner Flughafen durch den Tourismusausschuss gab es nun die Gelegenheit, doch noch an den Vorträgen im Plenum teilzunehmen. An diesem Tag war der Saal auch schon wesentlich voller, viele Abgeordnete hörten den Diskussionsbeiträgen wie die Hilfe für die Syrienflüchtlinge, dem Besuch Angela Merkels in den USA oder der EU-Operation in Somalia sowie der Nutzung atomarer Technologien im Ausland interessiert zu. In der zweiten Tageshälfte kam es dann zu mehreren namentlichen Abstimmungen, die für mich noch mal ein sehr spannender Abschluss darstellten. Wieviele Abgeordnete werden da sein? Werden alle Plätze belegt? Wie geht das organisatorisch von statten? Bei der ersten Abstimmung saß ich auf den Zuschauertribünen und verfolgte den Ablauf von oben. Mit zunehmender Anwesenheit der Mitglieder des Deutschen Bundestages wurde es auch immer unruhiger. Etwas erstaunt war ich, dass die Redner am Pult so gar nicht beachtet wurden, man sich z.T. unhöflicher Weise mit dem Rücken zu ihm oder ihr stellte und sich laut unterhielt. Hier wurde durch die Bundestagspräsidentin mehrfach um Ruhe gebeten, aber geholfen hat es nicht. Nach der ersten namentlichen Abstimmung trafen sich Uda Heller und ich noch einmal zu einem Abschlussgespräch bei einer Tasse Kaffee. Übrigens müssen die Bundestagsabgeordneten und ihre Mitarbeiter in allen Häusern ihre Versorgung komplett selbst bezahlen, zum Teil zu stolzen Preisen. Während des sehr netten Gespräches, lernte ich dann das Hausrufsystem kennen. Alle paar Minuten schrillte eine Klingel in allen Fluren und Räumen, selbst im Café, was signalisierte, dass es bald wieder eine Abstimmung gab. Da die Zeit der nächsten Abstimmung recht genau festlag, ließen sich die Abgeordneten nicht aus der Ruhe bringen. Erst 10 Minuten vorher wurde es dann etwas hektischer. 5 Minuten vor der Abstimmung sah man dann schon langsam einige Abgeordnete in den Fluren heraneilen, in den letzten Minuten kam es einem Sprint gleich. Manche könnten aber noch an ihrer Kondition arbeiten oder eher losgehen! 
Nun zum Fazit meines Besuches: Ich kann nur jedem empfehlen, die Arbeit im Bundestag einmal genauer zu verfolgen und hinter die Kulissen zu schauen. Man braucht unheimlich viel Geduld, Ausdauer und Kraft, um dieses Arbeitspensum zu bewerkstelligen. Meine absolute Hochachtung, das ist Stress pur! Und ein ganz großes Dankeschön an Frau Uda Heller und ihren zwei Mitarbeiterinnen Frau Haese und Frau Furtenbach, die mir diese Einsicht gewährt haben. Ich werde meine Erfahrungen aus den zwei Tagen nicht nur im Unterricht einbringen sondern auch allen Bekannten erzählen, was ich erlebt habe. Beeindruckend genug war es! E. Heinrich
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