Sühnekreuz? - Tilkeröder- und Eskeborner Revier - Volkmanrode

 
die Eine an der Schwarzen Brücke
Stangerode: Stangerode | Zur Neujahrswanderung hatte der Harzklub Falkenstein ins Einetal eingeladen. Treffpunkt war die, zwischen Stangerode und Tilkerode gelegene, Schwarze Brücke. Wir nahmen den Weg rechts der Eine, der in Richtung Rammelburgblick führt. Am Waldesrand, unmittelbar an den Einewiesen, wanderten wir bei leichtem Nebel bis zur Kreuzwiese. Hier überquerten wir die Eine und besichtigten das, an dem unteren Mühlenweg befindliche Sühnekreuz. Der Sage nach sollen sich dort zwei junge Mädchen derart um einen jungen Jägerburschen gestritten haben, dass sie, mit Sicheln bewaffnet, sich gegenseitig umgebracht haben. Falls die Sage zutreffend ist, kann es sich bei diesem Steinkreuz nicht um ein Sühnekreuz handeln. Es stellt sich in diesem Fall die Frage: Wer sollte hier denn Sühne tun? Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert war es Brauch, dass bei Mord sich die Familien des Mörders und die des Ermordeten trafen, um einen Sühnevertrag auszuhandeln. Als sichtbares Zeichen wurde u.a. ein Sühnekreuz errichtet. Mit der Halsgerichtsordnung von Kaiser Karl V. von 1533 war es mit diesen privaten Abmachungen, die sicherlich nur bei reichen Bürgern und Adligen zur Anwendung kamen, vorbei. Im Mittelalter wurden oft Steinkreuze bei plötzlichen Todesfällen von den Hinterbliebenen errichtet, um den Verstorbenen, da er ja keine Sterbesakramente erhalten hatten, den Seelenfrieden zu ermöglichen.

Tilkeröder- und Eskeborner Revier

Nun verließen wir das Einetal um zum oberen Mühlenweg zu gelangen.. Auf Höhe der "Dicken Eiche" trafen wir auf den oberen Mühlenweg, der von dem höher gelegenen Dorf Tilkerode zum ehemaligen Forsthaus Volkmannrode ins Einetal führt. Zugleich gelangten wir in das ehemalige Tilkeröder Revier. Hier wurde hauptsächlich Eisenerz gewonnen, das in Mägdesprung verhüttet wurde. Nach einer kurzen Pause, verließen wir den oberen Mühlenweg um in das ehemalige Eskeborner Revier zu gelangen. Dort wurde neben Eisenerz, Silber, seltenen Mineralien auch Gold, allerdings in nur sehr geringer Menge, gefunden. In den Jahren 1955 und 1956 wurde erfolglos nach Abbaumöglichkeiten für Eisenerz geforscht. Auf dem Lehrpfad Eskeborner Revier kamen wir an vielen ehemaligen Stollen und Schächten vorbei.

Volkmannrode

Unterhalb des neuen Eskeborner Stollens überquerten wir die Ulbrichtstraße um in das Wiebecktal zu gelangen. Nachdem wir in der, neu errichteten Schutzhütte am Borntal, eine Rast eingelegt hatten, wanderten wir den forstwirtschaftlichen Lehrpfad zum Scheerenberg hinauf, um von oben das ehemalige Mahn- und Klagegericht Volkmannrode zu erreichen. Hier wurde von 1489 (erstmals erwähnt) bis 1874 zweimal jährlich, unter offenen Himmel, Gericht abgehalten. Neben der Entgegennahme von Abgaben und Steuern wurde hier über kleinere Vergehen und Grenzstreitigkeiten verhandelt. Hierzu waren alle Familien in der Umgebung verpflichtet, an diesen Gerichtstagen anwesend zu sein. Nach ca. 13 km erreichten wir wieder die Schwarze Brücke. Mein Dank geht an den Wanderführer, Udo Münnich, für die lehrreiche Wanderung.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Facebook | Erschienen am 17.01.2017
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 15.01.2017 | 11:27   Melden
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Gisela Görgens aus Quedlinburg | 15.01.2017 | 12:06   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 15.01.2017 | 19:44   Melden
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