Jahrhunderthochwasser im Selketal - 20 Jahre danach

Blick von Lindenberg nach Straßberg 1994
In der Nacht zum 13. April 1994 wurden die Einwohner von Straßberg im Harz durch Sirenen aus dem Schlaf gerissen. Von Güntersberge und aus den umliegenden Tälern kam eine Wassermenge die Selke herunter, die eine akute Gefahr für die Menschen, die im Selketal lebten, darstellte. In den Wäldern lag nach dem langen Winter noch Restschnee und 2 Tage massive Regenfälle führten zum Überlaufen der einstigen Bergbauteiche, die zu diesem Zeitpunkt als Rückhaltebecken oder der Trinkwasserversorgung dienten. Die sonst so verträumt fließende Selke verließ ihr Flussbett und die reißenden Fluten spülten alles weg, was sich ihnen in den Weg stellte. Es entstanden erhebliche Sachschäden. Der einstige Ort Lindenberg war von der Straßberger Seite aus nicht mehr erreichbar.

Wenn Heizungs-Gastanks langsam den einstigen Bach hinunter schwimmen und ein Fahrzeug der Harzer Schmalspurbahn auf Kontrollfahrt von der Flut erfasst wird und dann am Ende des Lindenberg wieder Land unter die Räder bekommt, gehen einem diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Die Fahrer des HSB-Fahrzeuges hatten großes Glück und ihnen ist außer nassen Strümpfen nichts weiter zugestoßen.

Erst nach dem Abfließen des Wassers wurden dann die wirklichen Schäden sichtbar. Überspülte Klärgruben wurden zu Bakterienschleudern für die nachfolgenden Grundstücke. Auf den Landwirtschaftsflächen wurde Schlamm, Hausmüll und Heizöl angeschwemmt. Auch die überfluteten Häuser und Keller waren voller Schlamm, Öl und Müll. Das Sägewerk Rinkemühle konnte sich von den Schäden nie erholen und musste Insolvenz anmelden.

Auch nach 20 Jahren hat sich an der Situation an der Selke nichts geändert. Befürworter und Gegner von Sicherungsmaßnahmen kämpfen immer wieder für „ihre“ Lösung des Hochwasserschutzes und so wird der Bau eines seit langer Zeit geplanten Rückhaltebeckens oberhalb Straßbergs, das den Abfluss einer Flutwelle flussabwärts wirksam verzögern könnte, bisher erfolgreich verhindert.
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Ellen Röder aus Alsleben (Saale) | 13.04.2014 | 19:03   Melden
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