RAMMELBURG - CASTRUM RAMMENEBORCH Das verwunschene Schloss im Wippertal

Rammelburg Betreten Verboten
Von der Clausstraße aus bietet sie dem Harzbesucher einen majestätischen, das Wippertal zwischen Friesdorf und Biesenrode beherrschenden Anblick. Die Rammelburg - das verwunschene Schloss des Südharzes - hat eine wechselhafte Geschichte. Ihre ältere Bezeichnung „castrum Rammeneborch“ und ihre geschützte Lage auf einem von der Wipper umflossenen steilfelsigen Berg deuten auf eine sehr alte, vielleicht mit Holzpfählen umringte Befestigungsanlage hin, die hier im frühen Mittelalter gestanden haben könnte.

Nach einer Urkunde des Erzbischofs von Magdeburg aus dem Jahre 1259 erwarb Erzbischof Albrecht der II. einen Teil der Burg von einem dem Schwabenstamme der Arnen entsprossenen Edlen Albert von Arnstein. Die Edlen von Arnstein errichteten ihren ersten Herrensitz im mansfeldischen, die Burg Arnstein, zwischen 1130 und 1135. Wenige Jahre später bauten sie vermutlich schon an der Rammelburg, denn bis 1190 wurde die Burg von einer Nebenlinie der Arnsteiner, den Edlen von Biesenrode, bewohnt. Burgenbau bedeutete damals vermutlich, die alten Holzpfähle des castrum Rammeneborch durch zeitgemäße steinerne Mauern zu ersetzen und die ganze Anlage grundlegend zu modernisieren. Wie wenig sich die Zeiten doch geändert haben - die „Investoren“ kamen schon im Mittelalter aus dem „Westen“. Besonders lange hielten es die Edlen von Arnstein hier offenbar nicht aus. Die Seitenlinie der Edlen von Biesenrode starb schon 1190 wieder aus und die Arnsteiner in der Hauptlinie schon 100 Jahre später. Der letzte männliche Edle von Arnstein, der den Namen hätte weitergeben können, Walther, hatte keine Kinder. Seine Schwester Luitgard von Arnstein heiratete 1296 standesgemäß den Grafen Otto von Falkenstein. Damit war das Geschlecht der Edlen von Arnstein ausgestorben und die beiden Burgen der Edlen von Arnstein, die Rammelburg und die Burg Arnstein gelangten nebst Land und Leuten in den Besitz der Grafen von Falkenstein. Luitgard von Arnstein war also eine richtig gute Partie.

Aber auch das Geschlecht der Grafen von Falkenstein und mithin deren Besitzungen, fielen bald den Wirren der Ereignisse zum Opfer. Der letzte Graf von Falkenstein trat in den Dienst des Bistums Halberstadt. Das Thema Familie, Kinder und Nachfolger war damit passe. Seine Schwester, Oda von Falkenstein, konnte die Linie nicht weiterführen. Nach dem Tod des Grafen beanspruchte das Bistum Halberstadt gesamten Besitz der Grafen von Falkenstein. Die Schwester des Grafen, inzwischen mit Graf Albert von Regenstein verheiratet, hatte nach Ansicht des Bistums keine Ansprüche auf den Nachlass. Rechtslage hin, Rechtslage her, Nachlassangelegenheiten wurden nicht vor Gericht, sondern auf dem Schlachtfeld geregelt - wenn es sich lohnte. Und es lohnte sich gewaltig. Das Vermögen umfasste das Gebiet zwischen Rammelburg im Süden, Dankerode im Westen, Welbsleben im Norden und Wiederstedt im Osten einschließlich der Burg Arnstein, der Burg Falkenstein und der Rammelburg. Nach heftigen Kämpfen und zeitweiligem Gewinn des fortan Raubgraf genannten Albert von Regenstein sah die Sache so aus: Arnstein und Rammelburg gingen an den Raubgrafen, der Falkenstein an das Bistum Halberstadt.

1387 verkauften die Grafen von Regenstein das Erkämpfte an die Grafen von Mansfeld. 1554 wurde die Burg von Truppen des Herzogs Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig belagert, der sich auf einem durch die Reformation motivierten Rachefeldzug befand. Graf Albrecht VII. von Mansfeld gehörte dem protestantischen Schmalkaldischen Bund an, während der Braunschweiger die Gegenreformation einleitete. In der Schlacht bei Sivershausen 1553 errang Heinrich von Braunschweig zwar seinen letzten großen Sieg über die Protestanten, verlor dabei aber seine beiden ältesten Söhne, Grund genug für einen Rachefeldzug.

1602 verkauften die Grafen von Mansfeld die Rammelburg als Bestandteil des Amtes Rammelburg an Kaspar von Berepsch (1550 - 1628). 1637 ging die Burg an die Familie von Stammer. Unter dem quedlinburger Stiftshauptmann Adrian Adam von Stammer erlangte die Burg als geistiges Zentrum der pietistischen Bewegung Bedeutung. Zahlreiche Besuche August Hermann Franckes und dessen Vermählung 1705 hier auf der Rammelburg mit der Anna Magdalena von Wurm belegen die geistige Nähe des Hauses von Stammers zum hallischen Pietismus Mitte des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. 1698 verfasste der extreme pietistische Kirchenkritiker Gottfried Arnold (1666 - 1714) hier seine „Unpartheiische Kirchen- und Ketzertheorie“.

1737 kaufte Johann Georg Friedrich Freiherr von Friesen die Rammelburg nebst dem dazugehörigen Gut. 1894 brannte die Burg bis auf die Burgkapelle im Unterteil des Bergfrieds ab. Das heutige Schloss wurde erst danach im Stil der Romantik errichtet.

In der darauffolgenden Zeit diente die Rammelburg als Rehabilitationsklinik und als Kinderheim. Nach 1990 wurden noch umfassende Sanierungsarbeiten an den Dächern ausgeführt. Seit 1995 steht die Rammelburg leer und ungenutzt. Niemand darf das Gelände betreten und keiner weiß, wie es um den Zustand und die Zukunft des Schlosses bestellt ist. Wer erweckt die Rammelburg aus ihrem Dornröschenschlaf? 
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2 Kommentare
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Guenther Troege aus Benndorf | 27.01.2013 | 17:16   Melden
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Klaus Leßmann aus Mansfeld | 29.10.2013 | 17:43   Melden
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