Releasekonzert Paul Bartsch und Band in der Ullrichskirche

    Kennen gelernt habe ich Paul Bartsch bereits Ende 2006. Damals wurde er von meiner Deutschlehrerin am Abendgymnasium eingeladen, um einige Lieder zu präsentieren. Seine Texte haben mir gleich gefallen und zum Teil auch beim ersten Hören gleich berührt. Da ich dann doch neugierig auf seine anderen Stücke geworden bin, bestellte ich mir einige CD`s und lauschte mich rein. Ich war so begeistert, dass ich fortan zu einigen Auftritten ging und auch weitere CD`s kaufte. Er war ja bereits in der Vergangenheit ein fleißiger Schreiberling, und auch in der Gegenwart ist er alles anderer als faul.

Im Oktober diesen Jahres war seine neue CD erschienen. Dies musste natürlich mit einem Releasekonzert gewürdigt werden. Für mich war es moralische Pflicht dabei zu sein. Also machte ich mich an einem verregneten Novemberabend auf in die Ullrichskirche. Leider war diese alles andere als gut gefüllt. Aber das Konzert fand auch an einem Wochentag statt, diesem Umstand ist es wohl geschuldet. Aber eine tolle Kulisse ist die Kirche allemal. Modern und altehrwürdig zugleich. Das anwesende Publikum hatte jedenfalls Spaß.

Der Abend startete mit einer Vorband. Nämlich Wild Camel aus Leipzig. Ihre Musikrichtung lässt sich schwer beschreiben. Das Wort spirituell wird dem aber glaube ich gerecht.
Sie luden zu einer kleinen Weltreise ein, denn es waren Lieder aus den verschiedensten Ländern, Nationen und Kulturen zu hören. Es ist wirklich bewundernswert, dass Sängerin Viola wie selbstverständlich Texte auf Schwedisch und auch auf Isländisch singt. Auch die vielen verschiedenen, für uns eher ungewöhnlichen, Instrumente waren beeindruckend. Am Rande erwähnt sei noch, dass dieser Formation auch Gerd Hecht angehört, der ebenfalls in der Band um Paul Bartsch spielt. Nach einer guten Stunde sind wir dann wieder in der Halleschen Ullrichskirche angekommen und der Auftritt von Wild Camel war beendet.

Ich muss gestehen, dass ich in den Abend gegangen bin, ohne die neuen Lieder zu kennen. Ich war auf „Tanzende Hunde – Lieder der Bordkapelle“ also sehr gespannt. Bereits dem 2005er – Album „Stechen in See“ liegt bereits das maritime Thema zugrunde. Paul baut aus einigen seiner Songs ja gerne einen Liederzyklus. In diesen Liederzyklus passt nun auch das neue Album sehr gut rein. Natürlich ist das alles nur sinnbildlich gemeint. In Wirklichkeit bedient er sehr viele Themenfelder in seinen Liedern.

Der Zusatz „…und Band“ muss ja auch mit Leben gefüllt werden. So schart Paul Bartsch Thomas „Tommy“ Fahnert ( Gitarren, Geige, Gesang), Sander Lücken (Keyboards, Gesang), Gerd Hecht (Bassgitarre) und Ralf Schneider (Percussion, Schlagzeug) um sich.
Um diesen Liederzyklus und „das Schiff“ aufzubauen, startete der Abend mit „Stechen in See“ vom gleichnamigen Album. Dann ging es mit den neuen Songs weiter. „Der Bordkapelle Overtüre“ machte den Anfang. Im weiteren Verlauf des Abends zu hören waren auch wieder Lieder, die von verschiedene Themen handeln. „ Noch nicht alles“ dreht sich beispielsweise darum, dass man manchmal noch nicht richtig bei sich selbst angekommen ist, aber auch nicht zwangsweise immer tun möchte, was andere wollen oder erwarten. „Buttje“ ist angelehnt an das grimmsche Märchen vom Fischer und seiner Frau. So viele Wünsche hat man im Leben und sehnt sich nach jemandem, der die erfüllen kann. Doch so einfach ist es ja leider meist nicht. Mit dem Lied „Heimat“ habe ich mich an dem Abend vollkommen abgeholt gefühlt. Denn ich kann es zu gut nachvollziehen, wie schwer es unter Umständen ist, diese zu finden. Paul Bartsch zitierte dazu auch Wolf Biermann: „Ich kann nur lieben was ich auch die Freiheit habe zu verlassen.“ Mir fällt noch der geflügelte Satz ein: Heimat ist immer ein Gefühl, aber selten ein Ort.
Mit „Diese Kinder“ hat sich Paul das erste Mal in seiner Karriere an ein Kinderlied gewagt. Von mir gibt es dafür das Prädikat: gelungen.
Liedermachern ist es ja nun zu Eigen, auch Kritik in ihren Liedern zu üben. In „Systemrelevant“ geht es um unsere liebe Frau Bundeskanzlerin und um die Politik im Allgemeinen. In „HimmelReich“ wird die Finanzkrise thematisiert.
„Was könnten wir“ stellt inhaltlich die Frage, was man denn ändern kann und wie. Bei dem Stück „Glaubensfragen“ sangen Thomas Fahnert und Sander Lücken mal nicht nur im Background, sondern jeweils eine Zeile selbst. Da wurde noch deutlicher, dass auch die beiden tolle Stimmen haben.

Auf dem neuen Album haben musikalische Gäste mitgewirkt, 2 davon waren auch beim Releasekonzert dabei. Michael Lehrmann (Gitarre, Gitarre, und noch mehr Gitarre) sowie Wolfgang Singer (Geige) von der Deutschen Staatskappelle. Die beiden sind an ihren Instrumenten wahre Virtuosen, einfach genial. Beide waren jeweils bei verschiedenen Liedern zu hören. Für „Beinahe die Ewigkeit“, das vom Sterben handelt, kamen beide zu Paul und der Band auf die Bühne.
„Das letzte Wort“ bildete dann den würdigen Abschluss eines grandiosen Abends.
Nur einem Feingeist wie Paul Bartsch fallen Symbiosen wie die zwischen einem Schiff und einem Kirchenschiff ein.

Nun gibt es ja zwei Arten von Liedermachern. Solche wie Wolf Biermann, der doch sehr direkt und nachdrücklich singt, was er zu sagen hat. Dann gibt es wieder welche wie Reinhard Mey, die es eher etwas subtiler angehen und verpacken. Nicht aber ohne trotzdem deutlich ihre Meinung kund zu tun. Zu der zweiten Art gehört Paul Barsch. Ich mag seine Art, mit seinen Texten Bilder zu malen. Man muss sich oft rein hören um zu verstehen was er meint, aber genau das liebe ich.

Ich liebe an Musik, dass sie Generationen verbinden kann. Sinnbild ist für mich dabei Paul`s Song „Häuschen im Grünen“. Paul singt es ja aus der Sicht eines Opas (bitte nicht böse nehmen Paul ;-))
Ich sehe es dann schon wieder eher aus der Sicht des Enkels. Denn ich saß mit meinem Opa auf so einer grünen Bank, die Paul in dem Song besingt. Das ist faszinierend.

Abschließend sei gesagt: Paul Bartsch lässt sich in die Kategorie Liedermacher einordnen. Aber keinesfalls in Schubladen packen. Ich glaube das ist das größte Kompliment, das man einem Liedermacher zuteilwerden lassen kann.
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