Was hat die Gemeinde Salzatal davon, dass sie als Standort für erneuerbare Energien dient? (Teil 1)

Der Solarpark im Zappendorfer Gewerbegebiet
 
Die Biogas-Anlage auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Höhnstedt
Zappendorf: Solarpark Zappendorf |

Dieser zweiteilige Artikel beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die Gemeinde Salzatal Vorteile aus dem Boom der erneuerbaren Energien ziehen kann. In Teil 1 wird geprüft, inwieweit Salzatal von der Tätigkeit von Unternehmern profitiert, die auf Gemeindegebiet Solarstrom und Strom aus Biomasse erzeugen. Im zweiten Teil des Artikels wird dann die Windkraft eingehender betrachtet.

Sachsen-Anhalt setzt auf erneuerbare Energien


Das Land Sachsen-Anhalt ist in kurzer Zeit zu einem bedeutenden Standort für erneuerbare Energien herangewachsen. Dies betrifft sowohl die Produktion von Anlagen zur Stromerzeugung (u.a. Q-Cells, Enercon) als auch die Stromerzeugung selbst. Im Jahr 2011 stammten bereits 39 Prozent des im Land erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien, womit die Braunkohle von der bisherigen Spitzenposition im Land verdrängt wurde. Dabei gehen 64,5 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen auf die Windkraft, 27,7 Prozent auf Biomasse und nur 5,8 Prozent auf die Sonneneinstrahlung zurück. Für die strategische Förderung erneuerbarer Energien hat die Landesregierung Ende letzten Jahres die Auszeichnung „Leitstern 2012“ für die Kategorie „Wirtschaftsmotor“ verliehen bekommen. Während von diesem Boom Standorte der Anlagenproduktion wie Bitterfeld oder Magdeburg direkt in Form von Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer profitieren, gestaltet sich die Suche nach kommunalen Erträgen aus den Aktivitäten stromproduzierender Unternehmen komplexer. Wie im Folgenden zu sehen, hängt dies teils mit der Kleinteiligkeit der Stromproduktion, teils mit dem Umstand zusammen, dass einige Akteure außerhalb der Region angesiedelt sind.

Derzeit nur eine einzige Biogas-Anlage in Betrieb


Die bisher einzige Biogas-Anlage in Salzatal ist auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Höhnstedt entstanden. Dort entsteht aus Stallmist und Biomasse (gehäckselte Maispflanzen) mittels biologischer Gärprozesse Biogas. Dieses wiederum dient als Treibstoff für einen Stromgenerator mit einer Kapazität bis zu 772 kW (Kilowatt). Als Nebenprodukte fallen Dünger und Prozesswärme an.

Solarstromerzeuger in Salzatal


Zum Ende des Jahres 2012 waren in Salzatal 115 Photovoltaik-Anlagen in Betrieb. Dem ersten „Solarstrom-Pionier“ aus dem Jahr 1994 – lange vor dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) folgten bis zum Jahr 2008 lediglich 19 weitere Solarstromerzeuger. Mehr als 80 Prozent der Anlagen sind also erst im Zeitraum 2009-2012 entstanden. Bei der großen Mehrheit der Anlagen handelt es sich um Aufdach-Anlagen mit einer maximalen Leistungskapazität von weniger als 30 kW. Nur 14 Anlagen verfügen über ein höheres Leistungsvermögen mit bis zu 800 kW. Die größte Aufdach-Anlage ist auf mehrere Gebäude der Agrargenossenschaft Höhnstedt verteilt und hat eine Gesamtkapazität von mehr als 760 kW. Ende des Jahren 2010 ist im Zappendorfer Gewerbegebiet „Am Schlauchenberg“ ein großflächiger Solarpark mit auf Ständern montierten Solarmodulen in Betrieb gegangen. Seine Leistungskapazität beträgt 1570 kW. Die Installation erfolgte durch die Allstedter Firma Hron.
Die geringe Größe der meisten Anlagen hat zur Folge, dass die betreffenden Haushalte zwar formal und vor dem Finanzamt ein Unternehmen anmelden müssen, aber als Kleinunternehmen in der Regel sowohl von der Umsatzsteuer (Unternehmereinkommen unter 17 500 Euro) als auch von der Gewerbesteuer (Unternehmereinkommen unter 24 500 Euro) befreit sind. Hinsichtlich der Umsatzsteuer ist es sogar so, dass frischgebackene Solar-Unternehmer mit einer Erstattung jener Umsatzsteuer rechnen können, die ihnen für den Kauf und die Installation der Anlage berechnet worden ist. Darüber hinaus können Solar-Unternehmer die Kosten ihrer Anlage über die ersten Betriebsjahre hinweg abschreiben und damit ihren steuerlich relevanten Gewinn mindern. Im Fall kreditfinanzierter Anlagen können zusätzlich die Kreditzinsen einkommens- und steuermindernd angeführt werden. Dies bedeutet, dass selbst die Betreiber größerer Photovoltaik-Anlagen in den ersten Betriebsjahren kaum der Gewerbesteuer unterliegen und auch kaum zusätzliche Einkommensteuer zahlen müssen. Zieht man in Betracht, dass den Solar-Unternehmern pro erzeugter Kilowattstunde Umlagen gemäß dem EEG über einen Zeitraum von 20 Jahren zufließen, stellt dieses Unternehmer-Dasein individuell gesehen eine vergleichsweise risikofreie Tätigkeit mit abgesichertem Einkommen dar. Für die Kommune sind mit Ausnahme des Verkaufserlöses für die Zappendorfer Solarpark-Fläche vorerst keine finanziellen Vorteile auszumachen.
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