Die Quedlinburger Samenzuchtdynastien und mehr

Grosse Blumenfelder vor Quedlinburg
 
Ansichten auf historischen Postkarten
Quedlinburg liegt im Regenschatten des Harzes und hatte somit die beste Voraussetzung für den Samenanbau. Die Klimaverhältnisse waren so gut das gleich etliche Saatzuchtbetriebe und Gärtnereien im 19. Jahrhundert und noch früher hier entstanden. Besucher schwärmten damals von den vielen bunten Blumenfeldern in und um die Stadt. Neben vielen kleinen Betrieben entstanden regelrechte Firmendynastien. Heute kaum vorstellbar diese enorme Firmendichte in einer Stadt. Die größte Samenzuchtdynastie von allen war die Fa. Dippe, die sogar zum weltgrößten Saatzuchtbetrieb aufstieg,obwohl die Firmengründung erst 1850 erfolgte (Fa. Grasshoff z.B. schon 1771). Über Dippe hatte ich schon berichtet.
Weitere große Saatzuchtbetriebe - b.z.w. Dynastien waren :
Fa. Heinrich Mette von1784 bis1945. Diese über 6 Generationen bestehende Saatzuchtdynastie mit Weltgeltung gehörte nach der Fa. Dippe zur größten in Quedlinburg. Angefangen mit dem kleinen Dechaneigarten (20 ha) des Stiftes, hat sie es dann auf 1000 ha Bewirtschaftung, davon 100 ha Zuchtgärten geschafft. Sie besaß sogar eine eigene Orangerie (Orangen,Zitronen, Pomeranzen). Sitz der Firma war im Harzweg 23, dem Mettehof. Vom Mettehof das heute ein Einkaufszentrum ist, blieb nach dem Abriss nur ein Speichergebäude erhalten. Es wurde restauriert und dient heute als Denkmal. Etwa 4000 Sorten hat Mette vertrieben. Über 600 Leute wurden beschäftigt. Schwerpunkt lag auf die Zuckerrübensamen – Züchtung, aber auch Blumen, Gemüse und Getreide. Im Jahre 1834 wurde in Quedlinburg mit Beteiligung der Firma Mette die erste große Zuckerfabrik im gesamten Regierungsbezirk gebaut.
Firma Martin Grasshoff von 1771 bis1929 ist die älteste Quedlinburger Saatzuchtwirtschaft. Firmensitz war Lange Gasse 11. Bewirtschaftet wurden 338 ha ( z.B. Probsteigarten). Es wurden Gemüse- Blumen - und Zuckerrübensamen angezogen.
Firma Samuel Lorenz Ziemann von 1788 bis 1913, dann ein Enkel als Firma Carl Sperling & Co bis 1948 weitergeführt. Er züchtete Elite- Zuckerrübensamen sowie Futterrübensamen und Blumen und Gemüsesamen (Astern, Levkojen, Stiefmütterchen)
Daniel Bernhard Kettenbeil betrieb seit 1793 Samenanbau von Sommerblumen sowie Jungpflanzen von Pelargonien.
Noch sehr viel mehr große und kleine Saatzuchtbetriebe gab es in Quedlinburg (z,B. Wehrenpfennig, Sachs, Gebhard ,Tempel ,Trolldenier , Storbeck und viele andere). Als einziger Saatzuchtbetrieb der auch die DDR-Zeit überstanden hat und sich in die heutige Zeit gerettet hat ist die Firma P.J.Schmidt-Samenzucht (gegründet 1926). In Quedlinburg wird auch heute noch in mehreren Betrieben Gärtnerische und Landwirtschaftliche Züchtung und Forschung betrieben. Eins von den neuen Unternehmen ist das Julius Kühn Institut. Dieses Bundesforschungsunternehmen mit ihren 16 Instituten in ganz Deutschland untersteht direkt dem Minister für Ernährung und Landwirtschaft. Hautsitz ist Quedlinburg. Alle 2 Jahre gibt es einen Tag der offenen Tür. Gruppen und Vereine können sich jederzeit für eine Führung (kostenlos) anmelden (interessant sehr zu empfehlen). Tipps für den eigenen Garten (z.B. Pflanzenschutz) bekommt man auf Nachfrage natürlich auch.


Quelle :„Saatgutwirtschaft in Quedlinburg im Wandel der Zeit“ von Helmut Gäde
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