Ein reicher Quedlinburger

Die schöne bachsteinhaus war einst Dippes eigenes Bankhaus
Als im Jahre 1913 das Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in der preußischen Provinz Sachsen heraus kam, stand dort an erster Stelle und somit reichster Mann, ein Gärtner aus Quedlinburg. Es war der Ökonomierat Fritz von Dippe, Mitinhaber der Firma Gebrüder Dippe in Quedlinburg. Erst dann folgte der weithin bekannte Fürst zu Stolberg – Wernigerode.
Die Firma brachte es in der zweiten Hälfte des 19 Jh. vom kleinen Familienunternehmen zu einen der größten Saatgutbetriebe der Welt. 1913 betrug das persönliche Vermögen der Besitzerfamilien etwa 58 Mill. Reichsmark. Ihr gemeinsames Jahreseinkommen betrug 3,5 Mill. Reichsmark. Sie beschäftigte um 1900 etwa 1600 Arbeiter sowie 32 Gärtner.Um 1918 waren es schon 2500 Beschäftigte. Der Firmenkatalog von 1905 beinhaltete die riesige Menge von 4700 Handelsartikel, darunter 780 Gemüsesorten und 3600 Zierpflanzen. Der Haupthof am Neuen Weg hatte allein eine imposante Größe von 65000 m² mit einem eigenen Bankhaus (Eckhaus Neuer Weg). Zu den 16500 Morgen Land mit 6 Güter und 15 Höfe gehörten 230 Pferde, 8000 Hammel und 340 Ochsen. Der Arbeiter galt bei Dippe etwas. Sogar ein Pensionsfond (Dippestift) war vorhanden. Neben Gemüse und Blumensorten wurden besondere Verdienste bei der Zucht der Zuckerrübe erworben.
Das Vermögen der Dippes war dreimal höher als das des Königs Friedrich August des III von Sachsen. Die Familie Dippe wurde im Jahr 1900 in den Adelsstand erhoben. Um innerhalb von nur zwei Generationen in die Schicht der Multimillionäre vorzustoßen, gehört schon eine Menge Kreativität und Begabung dazu. Eine Villa bei Danzig wurde sogar an den deutschen Kronprinzen vermietet. Dies brachte der Familie Zugang zu den allerhöchsten Kreisen.

Quelle: „ Kleine Geschichten aus Sachsen-Anhalt “ von Karl Hermann Weck
„Saatgutwirtschaft in Quedlinburg im Wandel der Zeit“ von Helmut Gäde
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 17.06.2015
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 30.06.2015 | 08:44   Melden
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